Erinnern sich an die Entstehung von "Big Manni": fürs Fernsehen: Ute Böhringer, Matthias Wanka, Elke Vogle und Dieter Westermann (von links).
Erinnern sich an die Entstehung von "Big Manni": fürs Fernsehen: Ute Böhringer, Matthias Wanka, Elke Vogle und Dieter Westermann (von links). | Foto: Weis

Vier von 500 Statisten

„Big Manni“: Vier Komparsen aus Ettlingen berichten von den Dreharbeiten

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Sie sind vier von rund 500 Komparsen des SWR-Films „Big Manni“. Ihre Besonderheit: Das Quartett – Ute Böhringer, Elke Vogel, Dieter Westermann und Matthias Wanka – kommt aus Ettlingen. Der Stadt, wo Milliardenbetrüger Manfred Schmider tiefe Spuren hinterlassen hat.

„Big Mannis“ Flowtex-Horizontalbohrer-Unternehmen hatte im Industriegebiet „Runder Plom“, seinen Hauptsitz; in den 80er Jahren verband sich mit seinem Namen ein spektakulärer Raubüberfall auf seine Villa im Vogelsanggebiet und in den 2000ern, nach der Verhaftung Schmiders, fürchtete die Stadt um von Flowtex vereinnahmten Gewerbesteuer-Millionen.

Eine BNN-Anzeige brachte sie zum Film

Zu ihrem Engagement als Komparsen in der SWR-Komödie „Big Manni“ kamen die vier Ettlinger durch eine Anzeige in den BNN vor mehr als drei Jahren. Die Motive der Vier sich zu bewerben waren höchst unterschiedlich. „Ich wollte einmal wissen, wie ein Film entsteht und sehen, was für Technik eingesetzt wird“, sagt Matthias Wanka.

Für die eingesetzten Komparsen sei es teilweise zugegangen „wie bei der Bundeswehr“. Da sei es vom Regisseur herunter zum Regieassistenten und Kameramann ziemlich hierarchisch abgelaufen, wenn man sich nicht wie gewünscht verhalten habe, sei man schon einmal „ganz schön angepfiffen worden.“ Aber das sei bei so vielen zum Einsatz kommenden Menschen auch gar nicht anders möglich. Bei den anderen drei Komparsen war es das „Ettlinger Thema“ oder der reine Zufall, dass sie sich für das SWR-Casting bewarben.

Hauptdarsteller lernte den badischen Dialekt

Imponiert hat den Ettlinger Komparsen, wie „Tatort-Kommissar“ Hans-Jochen Wagner, der den Hauptdarsteller „Brenner“ alias Manfred Schmider darstellt, sich den badischen Dialekt aneignete. Und an Schauplätzen als Komparse dabei zu sein, die man aus dem Alltag kennt, sei schon toll, meinen Elke Vogel und Matthias Wanka. So auf dem Ettlinger Marktplatz vor der zur „Schwarzwald-Bank“ umfirmierten Sparkasse oder als „Brenner“ aus seiner „dicken Limousine“ vor dem Rathaus steigt.

Schade nur, dass der Hummer aus Plastik war.

Geradezu ins Schwärmen geraten Ute Böhringer, Elke Vogel, Dieter Westermann und Matthias Wanka über die Nachstellung des 50. Geburtstags von Manfred Schmider in dessen Villa im Karlsruher Turmberggebiet: „Da stimmte alles bis ins Detail. Schade nur, dass der Hummer aus Plastik war und der Sekt keinen Alkohol enthielt.“ Aber begeistert waren sie, wie sie für die Party eingekleidet und von Visagisten zeitgerecht gestylt wurden, um VIPs aus aller Herren Länder darzustellen.

Elke Vogel und Dieter Westermann flanierten als „Ehepaar“ durch den weitläufigen Park, wo das prachtvolle Feuerwerk, das Schmider für seine prominenten Gäste aus Politik, Adel und Bankenwelt gab, satirisch inszeniert wurden. Aufgabe für die Komparsen: Möglichst viele „Ahs, Ohs“ auszustoßen, um die Bewunderung für das Gesehene auszudrücken. Auf dem Rennplatz in Iffezheim war das Quartett mit dabei, als es darum ging, Pferderennen-Atmosphäre zu erzeugen.

Wie man ein Pferderennen ohne Pferde dreht

Gespannt sind sie, wie der Regisseur es hingebracht hat, Pferde „einzumontieren“. Denn an dem Tag, als die Aufnahmen liefen, gab es in Iffezheim keine Pferderennen. Als Ersatz musste ein Akteur mit dem Fahrrad vor der Haupttribüne vorbeifahren und den als Zuschauern fungierenden Komparsen zuwinken, damit diese den Kopf in die richtige Rennrichtung drehten und entsprechend euphorisch diesen anfeuern konnten. „Inhaltlich wissen wir trotz unserer Mitwirkung nicht allzuviel über den neuen Film“, meint Ute Böhringer.

Deshalb sind alle ausgesprochen gespannt, wenn am 1. Mai, ab 20.15 Uhr der Film „Big Manni“ läuft, wie er gelungen ist. Und die Erwartungen der „Vier“, was ihr eigene Rolle angeht, sind nicht hoch, auch wenn eine der beiden Frauen sogar einen einzigen Satz sprechen durfte: Vielleicht werde der ein oder andere in der riesigen Komparsenschar mal kurz gesehen.

Premiere mit Freunden und Familie

Aber da müsse man dann schon genauer hinschauen. Freuen würde es jeden der „Vier“, aber sie nehmen olympisch, schon das Dabeisein sei ein großes Erlebnis gewesen. Und Elke Vogel wird zu der Premiere des Films am 1. Mai ihre Familie und Freunde einladen, um richtig zu feiern.

Dieter Westermann, fast gleichaltrig wie Manfred Schmider, hat zu „Big Manni“ aus seiner Jugendzeit ein besonderes Verhältnis, da habe er ihm bei Fasching in der Ettlinger Stadthalle die Freundin ausgespannt: „Da ging er auf mich los“. Er erinnere sich noch gut an die gemeinsame Jugendzeit: „Manni“ habe den ersten Roller in Ettlingen-West gehabt und das erste VW-Cabrio. Das habe dem anderen Geschlecht schon imponiert.

Das seien die Vorboten zu Schmiders späterem Privileg gewesen, beim regelmäßigen Besuch von Mönchs Posthotel mit Erlaubnis des Regierungspräsidiums auf der Schweizerwiese in Bad Herrenalb landen zu dürfen. Westermann wird die Premiere des Films in Bruchhausen ganz im Stil von „Big Manni“ feiern: Am Maifeiertag hat er bei seinem früheren Chef nachgefragt, ob er für einige Stunden die Villa mit Swimmingpool bekommt. Seine Freunde und Bekannten wird er dorthin einladen und er selbst in die Rolle von „Big Manni“ schlüpfen. Der passende Anzug ist dafür schon gerichtet.

Service
Big Manni – Komödie, 1. Mai, 20.15 Uhr (Das Erste) mit Hans-Jochen Wagner; Regie Niki Stein; 21.45 Uhr Big Manni – Big Money Doku (Das Erste). Die wahre Geschichte eines Milliardenbetrugs. Wie schaffte es Manfred Schmider, Politiker und Finanzbeamte an Dinge glauben zu lassen, die es gar nicht gab?