Eingriffe nötig: In Augenschein nehmen (von links) Forstabteilungsleiter Joachim Lauinger, Bürgermeister Moritz Heidecker und Ralph Göbel von der Forstabteilung Buchen zwischen Ettlingen und Spessart – Fällungen stehen an. | Foto: Klaus Müller

Klima im Wandel

Borkenkäfer und „Sonnenbrand“: Buchen werden im Ettlinger Forst gefällt

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Von Klaus Müller

Zu Baumfällaktionen, die zeitweise zu kurzfristigen Sperrungen der Landesstraße 613 Richtung Spessart und Schöllbronn führen, kommt es in den nächsten Tagen. Von der Aktion betroffen sind alte Buchen, die nicht nur dem nachwachsenden Jungbestand Platz machen, überdies leiden viele von ihnen an „Sonnenbrand“. Im Bereich der Fällarbeiten werde der Verkehr über mobile Ampelanlagen geregelt, sagt Joachim Lauinger, Leiter der Ettlinger Forstabteilung.

Bäume reagieren ähnlich wie menschliche Haut

Vergleichbar mit der menschlichen Haut reagiere die Baumrinde von Buchen auf zu lange wie intensive Sonneneinstrahlung. Davon, konstatiert Lauinger, habe es im vergangenen Sommer eine Menge gegeben.

Schäden durch die Sonne sind bei Bäumen im Ettlinger Forst zu beklagen. | Foto: Klaus Müller

Sobald der Sonnenbrand eine bestimmte Größe erreicht hat, bedeutet dies das unweigerliche Ende für den Baum. Allein schon wegen der Verkehrssicherheitspflicht müsse der Forst handeln, ergänzte Bürgermeister Moritz Heidecker, der sich zusammen mit den Forstleuten Lauinger und Ralph Göbel vor Ort die Situation ansah.

Baumbestände in Spessart teils schwer geschädigt

Aber es sind nicht allein die Buchen, die den Förstern Sorge bereiten. Der extreme Sommer 2018, verbunden mit Trockenheit und viel zu wenig Niederschlägen, setzt mehr und mehr dem Gemeindewald zu. Von einer „sehr angespannten Lage“ spricht Lauinger. Es kämen einige Faktoren zusammen, die sich negativ auf den Wald auswirkten. Der Klimawandel trage seinen Teil zur aktuell schwierigen Lage sicherlich bei.
Derzeit prüft der Forst unter anderem den Baumbestand entlang von Straßen und Wegen auf einer Länge von 37 Kilometern – was bedeutet, dass es weitere „Einschläge“ geben kann. „Das machen wir jedes Jahr“, so Lauinger. In den nächsten Wochen, wenn wieder langsam alles grün wird, lassen sich Schäden besonders deutlich feststellen. In den Fokus der Sichtungen, sogenannte Okulardiagnosen, gerieten bereits Baumbestände bei Spessart – nicht zuletzt an der K3544 („Kirchstraße“).

Schnelles Eingreifen bei Borkenkäferbefall

Auch in diesem Bereich gab es inzwischen umfangreiche Baumfällungen, darunter etliche Fichten. Die lang anhaltende Trockenheit fördert die Borkenkäferpopulationen. Insbesondere der Fichtenbestand sei davon betroffen. Sieben Prozent des 2 600 Hektar großen Ettlinger Gemeindewaldes machen Fichten aus. Die gefräßigen Borkenkäferarten „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ suchen die Versorgungsleitungen von Fichten und Lärchen heim und schädigen unwiderruflich den Baum. Was allein hilft: Die Bäume müsse man so schnell wie möglich fällen, erklärt Lauinger. Genau so ging der Forst im „Schönreuth“ (bei Schluttenbach) vor. Und dann kam Sturmtief Eberhard und fegte dort Bäume um, die – nach dem Hieb der befallenen Fichten – dem Sturm ausgesetzt waren. Insgesamt hinterließ „Eberhard“ im Gemeindewald 300 Festme

Sturmschäden setzten dem Ettlinger Forst zusätzlich zu. Hier ein betroffenes Gebiet bei Schluttenbach. | Foto: Klaus Müller

ter Sturmholz. All das zusammengenommen – Sonne, Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme – beschreibt eine Reihe von Faktoren, die sich in der Summe massiv auf die Waldentwicklung auswirken. Die „Lösung“: „Wir brauchen viel mehr Regen“, betont Lauinger. Wasser fördert die Abwehrkräfte (Harzproduktion als Schutzschild), der Baum beugt so dem Käferbefall vor, er steht stabiler da und kann Wind und Wetter trotzen. Geht es jedoch in dem Tempo mit dem „Fichtensterben“ weiter, wird (nicht nur) im Ettlinger Wald der Fichtenbestand früher oder später der Vergangenheit angehören.