Öffentliche Probe m Ettlinger Schlosshof: Appetit auf das Musical "Chicago" machten Mitglieder des Ensembles der Festspiele. | Foto: Zimmer

Probe für Chicago in Ettlingen

Broadway-Musical voller Sex and Crime

Anzeige

Von Thomas  Zimmer

„Just for fun“ ist Sandra Schmitt aus Bietigheim zur öffentlichen Probe angereist. Danach, sagt sie, „kann ich mich entscheiden, ob ich ins Musical gehe“. Sie kennt öffentliche Proben von den Volksschauspielen Ötigheim. „Dort hat man bei der Generalprobe immer das ganze Stück zu sehen bekommen.“ Jetzt ist sie gespannt auf den Einblick in „echte“ Probenarbeit der Schlossfestspiele Ettlingen.

Es geht um das Musical „Chicago“. Romeo und Claudia Dopf-Wallerstein aus Karlsruhe finden es interessant, eben hinter die Kulissen der Probenarbeit zu blicken. Sie mutmaßt gar fröhlich: „Die sind ja vielleicht in der Jogginghose und noch nicht im Kostüm“.

In Jogginghose und noch nicht im Kostüm

Da ist was dran: als das Ensemble des Musicals „Chicago“ am Donnerstagabend die Bühne betritt, sieht man jedenfalls eher legere Trainingskleidung als Bühnengarderobe. „Ich sehe Leute hier, die haben uns bei der Vorstellung bei den Freunden der Schlossfestspiele gesehen. Da haben wir ‘nur’ gesungen, heute werden wir ‘nur’ tanzen“, erläutert Intendant Udo Schürmer am Rande. Gut 300 Zuschauer sind gekommen, um ihm und dem Choreografen Bart De Clerq bei der Arbeit zuzuschauen. Noch bevor es losgeht, ist die Truppe in ständiger Bewegung. Hier ein paar Schritte, dort ein paar Dehnübungen, einer verharrt minutenlang im Spagat.

Gut 300 Zuschauer bei öffentlicher Probe

„Wir wollen eine echte Probe zeigen“. Bart de Clerq übernimmt das Kommando. „You guys ready to do it?“, fragt er. Das ist keine Frage, sondern eine Anweisung. Er spricht weiter Englisch, freundlich im Ton, aber nun beginnt die harte Arbeit. De Clerq lässt das Ensemble zur Einstiegsszene auflaufen, korrigiert immer wieder Positionen, macht Schritte oder Abläufe vor. Wieder und wieder. Der Zuschauer sieht: Probe kommt von probieren. Probieren, bis das gewünschte Bild entsteht. Der Choreograf wendet sich schmunzelnd ans Publikum: „Es ist immer wieder ein bisschen Spielplatz!“

Ich kann’s nicht ändern. So ist das Stück

Und weil in „Chicago“ (eines der heißesten Broadway-Musical) neben vielen Morden viel Sex vorkommt, hört man auch mal die Regieanweisung: „Schön bumsen!“ mit einem nachgeschobenen „so ist das Stück. Ich kann’s nicht ändern“. Die Szene wird so lange geprobt, bis auch das Timing stimmt. Bart de Clerq erklärt: „So geht es immer, manchmal bis zu acht Stunden am Tag.“

Szenenapplaus für Marc Lamberty

In der nächsten Szene tritt Marc Lamberty auf, der Publikumsliebling der „Rocky Horror Show“ aus dem vergangenen Jahr. Das Publikum begrüßt ihn mit einem frenetischen Applaus, als sei schon Vorstellung. Gegen 20 Uhr beginnt es zu regnen. Einige Darsteller ziehen Jacken an, aber bald geht es nicht mehr. Zu nass, zu rutschig. Schluss für heute. Udo Schürmer stellt die Akteure vor, das Publikum ist hörbar begeistert. „Ich gehe sowieso hin“, sagt Ingrid Schneider. Sie fand es interessant, die Arbeitsweise des Choreografen aus nächster Nähe studieren zu können, und „wie er die Sachen vormacht“.

Das Opening wirkt besser!

Anja Imhof findet besonders gut, eine Probe in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Arbeit gesehen zu haben. Sie ist ein eingefleischter Musical-Fan und hat „Chicago“ in Stuttgart gesehen. Da kann man schon mal vergleichen. Der Vergleich fällt zugunsten Ettlingens aus. „Das Opening wirkt besser!“ befindet sie fachmännisch.

Service
„Chicago“ hat Premiere amerikanischen Donnerstag, 21. Juni, 20.30 Uhr. Vorverkauf in der Stadtinformation im Schloss. Telefonische Reservierung unter (0 72 43) 10 13 33. Online www.tickets.bnn.de