Im Landtag sitzt von der CDU für den Wahlkreis Ettlingen Christine Neumann-Martin. Sie will wieder nominiert werden, es zeichnet sich aber jetzt schon ab, dass es mindestens einen Gegenkandidaten gibt.
Im Landtag sitzt von der CDU für den Wahlkreis Ettlingen Christine Neumann-Martin. Sie will wieder nominiert werden, es zeichnet sich aber jetzt schon ab, dass es mindestens einen Gegenkandidaten gibt. | Foto: dpa

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Ettlinger CDU-Landtagsabgeordnete Neumann-Martin bekommt Gegenkandidaten

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Bei der Landtagswahl 2016 kam sie in der jahrzehntelangen CDU-Hochburg Ettlingen nur über ein Ausgleichsmandat in den Landtag, bei der Kreistagswahl überflügelte sie der Ettlinger „CDU-Stimmenkönig“ Lorenzo Saladino aus dem Stand heraus: Es gibt in der CDU nicht viele Leute, die von der politischen Arbeit von Christine Neumann-Martin im Stuttgarter Landtag, überzeugt sind.

Schon seit Wochen sind Mandatsträger der Union auf der Suche nach einer Alternative für die aus Bruchhausen stammende Politikerin. Profil: Am besten eine Frau, aber zumindest jemand der mit dem politischen Gegner sich verbal auf Augenhöhe auseinandersetzen kann und die Interessen des Wahlkreises Ettlingen profiliert vertreten kann.

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Marxzeller Bürgermeisterin Eisele sagt ab

In den zurückliegenden Wochen wurde zunächst mit der CDU-Bürgermeisterin von Marxzell, Sabrina Eisele, ein Gespräch geführt, ob sie kandidieren wolle. Die Rathauschefin, die gerade die Hälfte ihrer Amtszeit hinter sich hat, winkte ab: „Ich will in Marxzell die vielen begonnenen Projekte zu Ende bringen“. Die Anfrage der Parteifreunde habe sie zwar gefreut und auch geehrt, sie komme aber „viel zu früh“. Eine Abgeordnetentätigkeit sei „sicher spannend“, gleichwohl „hat Marxzell Priorität für mich“.

Auch die Karlsruher Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Katrin Schütz, die Christine Neumanns Vorgänger Werner Raab einst – so wird kolportiert – im Wahlkreis Ettlingen verhindern wollte, wurde gehandelt. Jüngst hatte Schütz durch die Übergabe eines Förderbescheids der Denkmalpflege zur Sanierung der Martinskirche in Ettlingen lokal auf sich aufmerksam gemacht. Auch sieht man sie regelmäßig bei Firmenbesuchen im Wahlkreis, 2019 etwa bei Transport Betz in Malsch und beim Spatenstich für die Bruker-Erweiterung in Ettlingen.

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Auch Rheinstettens OB geriet ins Blickfeld

Nachdem das Tableau potenzieller weiblicher Kandidaten abgegrast war, geriet als politisch beste Lösung der Rheinstettener Oberbürgermeister Sebastian Schrempp ins Blickfeld. Seine Antwort kam prompt: „Ich habe meinen Rheinstettener Bürgern und den Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen versprochen noch einmal acht Jahre OB zu sein.“ Außerdem habe er eine Verantwortung gegenüber seiner Familie. Wenn er antrete – da sei er ganz ehrlich – würde er seine Pensionsansprüche aus einer fordernden Arbeit als OB komplett verlieren. Zudem mache die Arbeit in Rheinstetten Spaß und sei spannend.

Dem Thema „Kandidatenfindung“ gehe aber was voraus: „Der im Wahlkreis für die CDU-Politik wichtige CDU-Stadtverband Ettlingen ist viel zu passiv.“ Schrempp fehlt derzeit die Führungsrolle der CDU Ettlingen wie es in Zeiten von Erwin Vetter, Josef Offele und Werner Raab üblich gewesen sei. „Vor wenigen Jahren hat die CDU Ettlingen noch den Anspruch auf Weltherrschaft geltend gemacht, im Moment strahlt sie nicht über Ettlingen hinaus.“

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Lorenzo Saladino will gegen Neumann antreten

Jetzt tut sich jedoch etwas: Der Ettlinger CDU-Ortsverbandschef und stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbandes, Lorenzo Saladino, will gegen Neumann-Martin antreten. Das bestätigte er unserer Redaktion am Donnerstag: „Ich habe diverse Gespräche mit Parteikollegen geführt und positive Signale bekommen“. Er habe die Landtagsabgeordnete bereits persönlich über sein Vorhaben informiert, auch wisse der Kreisvorsitzende MdEP Daniel Caspary Bescheid.

Erfahrung im Ettlinger Gemeinderat

Saladino sitzt seit Jahren im Ettlinger Gemeinderat, er ist 38 Jahre alt, dreifacher Familienvater und Bestattungsunternehmer. Die CDU, sagt er, müsse im Wahlkreis wieder Gewicht bekommen, er sehe für sich gute Chancen, das Direktmandat zu erringen. Christine Neumann-Martin versuchte in diesen Tagen bei lokalen CDU-Funktionsträgern „Gut Wetter“ für eine Unterstützung zu machen. Am Dienstag weilte eine Gruppe aus Rheinstetten mit dem CDU-Sprecher Franz Deck auf ihre Einladung in Stuttgart. Die Einladung hatte einen guten Grund: Ist doch mancher Mandatsträger dort nicht so glücklich über das Agieren der Abgeordneten beim Thema „Planfeststellung Polder“. Die Kritik: Dem Wunsch nach einer Kleinen Anfrage im Landtag sei sie erst nachgekommen, nachdem sie durch den CDU-Kreisparteitag „gezwungen“ worden sei.

Christine Neumann-Martin: „Bekomme viel Rückenwind“

In einer Pressemitteilung hat am Donnerstag um 16.30 Uhr Christine Neumann-Martin (Foto: pr) angekündigt, wieder auf der Liste der CDU als Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Ettlingen zu kandidieren. Seit 2016 ist Christine Neumann-Martin Mitglied des Landtages „Diese Arbeit macht mir große Freude, und ich möchte mich gerne weiterhin mit den erworbenen Erfahrungen für die Menschen in meinem Wahlkreis engagieren“, so Neumann-Martin.

Neumann-Martin verweist in ihrer Presseerklärung auf ihre Funktionen als stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Soziales und Integration und Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie im Untersuchungsausschuss Rechtsterrorismus/NSU. Darüber hinaus sei sie Mitglied im Ausschuss für Inneres, Digitalisierung und Migration, für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und Verkehr.

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„Diese sehr unterschiedlichen Aufgabengebiete haben mich neugierig gemacht und in der Landtagsarbeit stark gefordert und beschäftigt. Und dennoch stehe ich dazu, dass man Kind und Beruf, in meinem Fall Mandat für den Wahlkreis und Kind vereinbaren kann, besonders wenn man so viel Unterstützung von der Familie erhält. Ich bekomme sehr viel Rückenwind von den Kolleginnen und Kollegen der CDU-Landtagsfraktion und in vielen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern für meinen Weg“, so Neumann-Martin: „Meine Sprecherfunktion in der Gesundheits-, Drogen- und Suchtpolitik ebenso in der Jugendpolitik haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, die Beschlüsse der Politik zu den Menschen zu bringen und gleichzeitig die Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürger in die Politik einzubringen.“