Glücklich vereint: Vincenzina und Giovanni Cali sind froh, dass sie im Garten des Stephanus-Stiftes am Robberg wieder Zeit miteinander verbringen können. Rechts im Bild Heimleiter Mirco Langetepe.
Glücklich vereint: Vincenzina und Giovanni Cali sind froh, dass sie im Garten des Stephanus-Stiftes am Robberg wieder Zeit miteinander verbringen können. Rechts im Bild Heimleiter Mirco Langetepe. | Foto: Krawutschke

Corona-Krise und die Folgen

Pflegeeinrichtungen in Ettlingen und Rheinstetten bereiten sich auf Lockerungen ab 1. Juli vor

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Mit am härtesten betroffen sind von der Corona-Krise die älteren Menschen, die ihren Lebensabend in Alten- und Pflegeheimen verbringen. Sie gehören nicht nur zur Risikogruppe, sie sind oft auch psychisch belastet. Wie geht es den Heimbewohnern in Einrichtungen in Ettlingen und Rheinstetten? Die BNN haben nachgefragt.

Von Ulrich Krawutschke

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt in den befragten vier Heimen keinen einzigen Fall eines Corona-Infizierten. Die Lockdown-Regelungen haben offensichtlich gewirkt – auch wenn sie wohl belastend waren. „Es durfte nach den Vorgaben von Regierungspräsidium und Landratsamt zu Beginn der Krise niemand rein und die Bewohner durften nicht mehr raus, Therapeuten, Fußpfleger, Friseure und andere waren außen vor“, sagt Heimleiter Hartmut Föhringer vom Zentrum Rösselsbrünnle an der Stadtmitte Rheinstetten.

Besuche am Fenster in Rheinstetten

Die Einrichtung hat zwei Gebäude mit einer Anlage dazwischen. Nach Auseinandersetzungen, weil ein Besuch zunächst untersagt war, wurde eine Lösung gefunden: Die Angehörigen waren draußen, die Heimbewohner drinnen an den Fenstern. Nur bei Heimbewohnern, die im Sterben lagen, hat es Ausnahmen gegeben. Das gilt für alle befragten Einrichtungen. Die Angehörigen erhielten Schutzkleidung und durften in die Räume.

Anfangs, so Föhringer, war es ein Problem ausreichend Masken, Handschuhe oder Desinfektionsmittel zu bekommen. Das habe sich gelegt. Den Mitarbeitern waren freiwillige Tests angeboten worden, alle ohne Befund. „Eine spannende Situation“, sagt Föhringer zu den jetzt erfolgten Lockerungen, nach denen Heimbewohner wieder das Haus verlassen und auch Dienstleister wieder kommen dürfen.

Es gelten weiter strenge Regelungen, aber die Masken sind bei der Hitze ein Problem. Einige Bewohner hatten mit der Isolation Probleme, andere sagten bei Besuchen nach kurzer Zeit – „jetzt reicht’s“.

Plexiglasscheiben ermöglichen Besuche in Corona-Krise

Auch das Ettlinger Stephanus-Stift am Robberg hat am 16. März, kurz vor der offiziellen Verordnung, das Heim für Besuche geschlossen. „Keiner durfte rein“, so Heimleiter Mirco Langetepe. Später waren Besuche möglich mit Plexiglasscheiben an Fenstern der Angehörigen, nach den Lockerungen dann nach Anmeldung Treffen im Innenhof des Stiftes auf Distanz und mit Mundschutz.

Die Gefühlslage der Bewohner war sehr unterschiedlich. Während der Isolation seien viele unruhig gewesen, hätten schlecht gegessen und geschlafen. „Ich bin froh, dass jetzt wieder soziale Kontakte möglich sind“, so Langetepe.

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Marcus Günsche ist Vorstand beim Caritasverband für den Landkreis und den Bezirk Ettlingen und damit auch zuständig für das Albert-Stehlin-Haus Ettlingen und das Pflegeheim St. Martin Forchheim. Für beide Häuser galten die gleichen Regeln zum Lockdown, die „von einer schon Ende Februar gegründeten Taskforce im Verband“ entsprechend den Empfehlungen von Landratsamt, Gesundheitsamt, Heimaufsicht und Robert-Koch-Institut vorgegeben wurden.

Besuche waren untersagt, es wurden Telefonhotlines eingerichtet, um Kontakte zu den Angehörigen zu halten. „Schutzmittel hatten wir jederzeit ausreichend und auch konnten die Heimbewohner hinaus ins Grüne um das Heim. Die Mitarbeiter wurden speziell geschult. Nun dürfen die Angehörigen nach Anmeldung 24 Stunden vorher wieder ins Heim, es gibt einen Besuchsraum mit Plexiglasabtrennung und Sprechanlage.

Vorbereitungen auf Lockerungen ab 1. Juli

Beide Einrichtungen bereiten sich jetzt gezielt auf weitere Lockerungen ab 1. Juli vor, so Günsche. Nicht zufrieden mit dem ganzen Ablauf ist Otto Deck aus Rheinstetten, der Angehörige in Betreuung hat. Er macht den Heimleitungen keine Vorwürfe, im Gegenteil, er kritisiert, dass die Landesregierung „sie im Regen stehen hat lassen“.

Angesichts der Ergebnisse betont Deck, dass die Heimleitungen es gut gemacht haben. Aber er hätte sich vom Land mehr genaue Regulierungen gewünscht „statt alles auf dem Rücken der Heimleiter auszutragen“. Er habe sich mehrfach an die Landtagsabgeordnete Barbara Saebel gewandt, ohne Ergebnis wie er sagt.

„Ich habe den Eindruck, es war alles gut organisiert, war verträglich und notwendig, es gab keinen Virusbefall und ich habe meine Frau am Fenster gesehen“, sagt Werner Marzluf, dessen Frau am Rösselsbrünnle im Heim ist. „In dieser Situation muss man Nachteile in Kauf nehmen.“

Ähnlich sieht es Vincenzina Cali, deren Mann seit vergangenen September im Stephanus-Stift am Robberg lebt. Beide sagen, „die Maßnahmen waren ok“, freuen sich jetzt aber über Lockerungen und Treffen nach Anmeldung im Heimgarten. „Früher kam ich täglich, jetzt einmal die Woche, wir haben aber viel telefoniert“, sagt Vincenzina Cali.