Kein grünes Licht: Fahren darf sie derzeit noch nicht, die 58 311. Die Dampflok steht in Ettlingen-West und wird von Mitgliedern des Vereins Dampfnostalgie gehegt und gepflegt.
Kein grünes Licht: Fahren darf sie derzeit noch nicht, die 58 311. Die Dampflok steht in Ettlingen-West und wird von Mitgliedern des Vereins Dampfnostalgie gehegt und gepflegt. | Foto: Müller

Verein unter Kostendruck

Coronavirus bremst Dampflokomotiven aus

Anzeige

„Da steh’ ich nun, ich armes Dampfross, und bin so kalt als wie zuvor.“ In freier Abwandlung des Faustschen Monologes trifft diese Aussage derzeit sicherlich auf die 58  311 zu. Unverrichteter Dinge, kalt, weil ohne Hitze im Kessel, ruht die über 95 Tonnen schwere Dampflok des Vereins Dampfnostalgie Karlsruhe auf Schienen im Bahnhof Ettlingen-West. Wie lange die badische Lok noch, einst 1921 in der Maschinenfabrik Karlsruhe gebaut, ohne Wasser, Kohle und Holz auskommen muss, ist ungewiss. Corona lässt grüßen.

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Eines jedenfalls steht fest: Die traditionelle 1.-Mai-Ausfahrt, der Startschuss für Dampfzugfahrten ins Albtal von Karlsruhe nach Bad Herrenalb, fällt aus. Gleiches gilt für die Auftaktfahrten ins Murgtal am 3. Mai. Wie es weitergeht? Ob die 58 311 überhaupt in den nächsten Wochen und Monaten unter Dampf stehen darf, kann gegenwärtig niemand einschätzen.

Auch Tourismusfahrten mit der Dampflokomotive sind verboten

„Unsere Fahrten werden als Tourismusfahrten einer Museumsbahn eingestuft. Und was Tourismus angeht, ist ja zurzeit so gut wie alles verboten“, sagt im BNN-Gespräch der Sektionsvorsitzende der Dampfnostalgie (vormals Ulmer Eisenbahnfreunde Sektion Ettlingen), Roland Brunnecker.

Auch interessant: Schlossgartenbahn Greif: Karlsruher Firma bringt Lok auf den Markt

Neun Fahrttage seien in diesem Jahr ins Albtal geplant, sieben ins Murgtal. Dass sich die Fahrten seit Jahr und Tag großer Beliebtheit erfreuen, belegen die vollen Züge, mit denen die Eisenbahnfreunde durch die Region dampfen. Pro Fahrt und Zuglänge könnten es schon zwischen 150 und 200 Fahrgäste sein. Für den Verein sind solche Brot- und Butterfahrten, verstanden als Einnahmequelle, äußerst wichtig. Von einem finanziellen Grundstock spricht Brunnecker.

Corona drückt auf die Einnahmen des Vereins

„Die Einnahmen“, so auch Hans-Peter Fantoli, seit Jahren aktiv bei den Eisenbahnfreunden dabei, „brauchen wir dringend“. Schließlich hantieren die Dampfnostalgiefreunde nicht mit Spielzeugbahnen, sondern mit ausgewachsenen, tonnenschweren Gerätschaften. Und da wird für Reparatur- und Erhaltungsarbeiten mitunter richtig viel Geld fällig.

Auch interessant: Robert Gerwig war Vater der Schwarzwaldbahn und des badischen Aufschwungs

Wegen Corona mussten die Eisenbahnfreunde dieses Jahr bereits auf Einnahmequellen verzichten. „Für das Dampflokfest in Dresden waren wir gebucht. Das Fest wurde abgesagt“, erzählt Fantoli. Gleiches gelte für die Fotozüge, eben wenn Dampfloks mit Waggons zum Fotoshooting durch die Lande zuckeln.

Ordnungsamt Karlsruhe entscheidet über die Fahrterlaubnis

Unter Dampf zu fahren, ist eine Sache, eine andere, überhaupt fahren zu dürfen. Da geht’s um Zuständigkeiten. Obwohl die 58 311 zum größten Teil durch den Landkreis brettert, entscheidet laut Brunnecker und Fantoli am Ende das Ordnungsamt Karlsruhe über die Fahrterlaubnis. „Weil wir vom Karlsruher Hauptbahnhof aus fahren.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Jetzt warten die Eisenbahnfreunde erst mal darauf, wie das Land in den nächsten Wochen mit touristischen Dampfzugfahrten umgehen möchte; eine Entscheidung, die auch für die verantwortlichen Stellen vor Ort ausschlaggebend sein wird.

An den Eisenbahn-Oldies gibt es immer etwas zu schrauben

Immerhin: Über mangelnde (Freizeit-)Arbeit können sich die ambitionierten Hobby-Eisenbahner nicht beklagen. Zu schrauben, zu ölen, zu pflegen, zu reparieren gibt es an den Eisenbahn-Oldies immer was. Obendrein hoffen sie auf Spenden, und darauf, sich vielleicht doch unter einem staatlichen Rettungsschirm wiederzufinden.

www.dampfnostalgie-karlsruhe.de