Schon am Freitag um 17.50 Uhr war der Autoverkehr auf der A5 in Höhe Bruchhausen nur noch ganz gering. | Foto: Werner Bentz

„Spinnerei“ oder angemessen?

Coronavirus-Tagebuch: Mit Lautsprecherwagen durchs Dorf Malsch

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Das Coronavirus Tagebuch aus Ettlingen und Umgebung beschäftigt sich in seiner sechsten Ausgabe unter anderem mit Lautsprecher-Aktionen der Feuerwehr in Malsch und Waldbronn, Erfahrungen über das Ausgehverbot einer Ettlinger Studentin in Spanien und dem katholischen Gottesdienst in Rheinstetten.

Auf alt bewährte Methoden setzen die beiden SPD-Bürgermeister Franz Masino aus Waldbronn und Bürgermeister Elmar Himmel, um auch noch dem letzten ihrer Bürger zu sagen, wie man sich in Coronavirus-Zeiten zu verhalten hat.

Statt dem Ortsbüttel geht (fährt) die Feuerwehr mit Lautsprecherwagen durch die Straßen, um die seit dem Wochenende geltenden, neuen Versammlungs- und Niederlassungsregeln den Leuten sozusagen unausweichlich „aufs Ohr zu geben“. In der Gemeinde Malsch verkündet die Feuerwehr schärfere Regeln als im Land: „Bleiben Sie in Ihrer Wohnung. Verlassen Sie diese nur in absoluten Notfällen.“

Die machen den älteren
Mitmenschen, die noch den Krieg erlebt haben, nur Angst.

„Die spinnen“ mit ihren Lautsprecher-Durchsagen, waren Kommentare Einzelner zu den Feuerwehr-Aktionen in Malsch und Waldbronn zu lesen. Tenor: Die machten den älteren Mitmenschen, die noch den Krieg erlebt haben, nur Angst.

Sonderdruck des Gemeindeanzeigers

Eine gute Idee hat Bürgermeister Himmel aus Malsch: Er lässt einen Sonderdruck des Gemeindeanzeigers an alle Haushalte verteilen. Dort werden die Regeln für das „Ausgehverbot“, das aber beispielsweise noch das Spazierengehen erlaubt, exakt für die Gemeinde Malsch geschildert. Ein Blick lohnt sich hier auch auf die Internetseite der Gemeinde.

„Richtiges“ Ausgehverbot

Was „richtiges“ Ausgehverbot heißt, beschreibt uns BNN-Mitarbeiterin Claudia Förster aus der berühmten spanischen Universitätsstadt Salamanca. In den kommenden Tagen sind ihre Erfahrungen mit der verschärften Ausgangssperre, den Anordnungen des spanischen Ministerpräsidenten Sanchez, im Ettlinger Corona Tagebuch, zu lesen. Claudia Förster kommt aus Ettlingen-Oberweier und studiert Psychologie. Sie ist seit September mithilfe des Erasmus-Programms der Europäischen Union in Salamanca.

Claudia Förster, BNN-Mitarbeiterin aus Ettlingen, steht an diesem Sonntag auf dem Balkon ihrer WG in der Altstadt von Salamanca. | Foto: Förster

Ettlinger BNN-Mitarbeiterin berichtet aus Spanien

Wie es vor der Ausgangssperre in Spanien war, schildert Claudia Förster so: „Hamsterkäufe und ’Social Distancing’ waren in Salamanca vor zehn Tagen noch Fremdwörter. Während meine Familie aus Ettlingen schon von leeren Regalen im Supermarkt und Schulschließungen berichtete, war ich in der spanischen Studentenstadt noch in Kneipen unterwegs. Am Weltfrauentag, 8. März, ging ich mit hunderten Salmantinern demonstrieren.

Doch nicht als einzelne Unverantwortliche – sondern weil die Angst vor einer Corona-Infektion in Salamanca schlicht und ergreifend noch kein Thema war. Als die Zahl der Infizierten in der spanischen Hauptstadt dann aber am 12. März explodierte, überstürzten sich die Ereignisse: Am Donnerstag, 12. März, gab die Universität bekannt, alle Vorlesungen bis auf Weiteres auszusetzen und Kurse online abzuhalten. Am Freitag, 13. März, schlossen sämtliche Restaurants.“

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Einkaufen mit Kindern in Neuburgweier

Zustimmend äußert sich ein BNN-Leser aus Neuburgweier zur „Empörung“ einer Mutter mit drei kleinen Kinder, die sich gegen Kritik gewehrt hat, mit ihnen gemeinsam zum Einkaufen zu gehen: „Nicht jeder hat die Möglichkeit, dass seine Kinder im Hause betreut werden können. Unserem Sohn ist dies am Freitag in einer Bäckerei in Neuburgweier auch passiert, dass er beschimpft wurde, dass er mit Kindern zum Bäcker geht. Zumal die beiden eineinhalb und fünf Jahre alten Kinder vor dem Geschäft standen und nicht alleine zu Hause bleiben können. Dabei stehen mehrere Personen in der Bäckerei hintereinander das zur Sicherheit. Auch wenn die Lage sehr angespannt ist, sollte doch ein gewisser Anstand bleiben.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Sonntags beim Bäcker in Ettlingen und Umgebung

Die Kunden warten geduldig vor der Tür mit Abstand und gehen dann in die Bäckerei, wenn ein Kunde den Laden verlässt. In Bruchhausen standen immer drei bis fünf Kunden in der Schlange. Bei der Badischen Backstub im Ettlinger Industriegebiet und bei der Bäckerei Nussbaumer in Ettlingen West bei Piston gab es einen deutlichen Einbruch der Kunden. Da war, schreibt unser BNN-Mitarbeiter Werner Bentz, jeweils nur ein Kunde da. Nach Aussagen der Verkäuferinnen lief der Verkauf sehr sehr schleppend. “Sonst stehen die Kunden bis an die Tür”, so eine Verkäuferin der Bäckerei Nussbaumer. “ Viele ältere Kunden bleiben zu Hause, das merkt man sehr deutlich”, so die Verkäuferin in der Badischen Backstub.

Geduldig warten die Kunden einer Bäckerei in Bruchhausen am Sonntag bis sie dran kommen. Foto: Werner Bentz | Foto: Werner Bentz

Katholischer Gottesdienst aus Rheinstetten

Inzwischen gibt es jede Menge Gottesdienste als Aufzeichnung oder Livestream im Internet, klar. Aber einen katholischen aus Rheinstetten für Rheinstetten, schreibt der frühere Rheinstettener Bürgermeister Clemens Haug, gibt es im Youtubekanal:

Das Tagebuch zum Nachlesen:
Tag 5: Coronavirus-Tagebuch: Regen setzt Niederlassungsverbot am Epplesee durch
Tag 4: Barrikaden am Epplesee in Forchheim
Tag 3: Urlaubsgefühle am Epplesee
Tag 2: Ettlingen: Bürger fordert komplettes Ausgehverbot wegen Corona
Tag 1: Online-Pfarrerin und gefährliche Schlangen: So beeinflusst das Coronavirus das Leben in Ettlingen