Kein leichter Job: Polizeichef Alexander Seifert versucht mit Megafon Menschen zu überzeugen, das das Niederlassen am Epplesee verboten ist. Links Rheinstetten OB Sebastian Schrempp. | Foto: Werner Bentz

Datenstau und freie Autobahnen

Coronavirus-Tagebuch: Regen setzt Niederlassungsverbot am Epplesee durch

Anzeige

Das Coronavirus Tagebuch rund um Ettlingen befasst sich in seiner fünften Ausgabe unter anderem mit systemrelevanten Gruppen der Stadtverwaltung Ettlingen, der Situation der Autobahn bei Bruchhausen und einem Polizeieinsatz beim Epplesee.

Wechsel zwischen Homeoffice und Büro

Um systemrelevante Berufsgruppen innerhalb der Stadtverwaltung Ettlingen zu schützen, wurden verschiedene Fachbereiche dort jeweils in zwei Gruppen unterteilt, die in einem rollierenden System arbeiten. Einer ist im Homeoffice, der andere in der Verwaltung, nach einer bestimmten Zeit wird getauscht. So soll verhindert werden, dass im Ansteckungsfall eine Abteilung komplett ausfällt. Dieser personelle Puffer garantiert, dass essenzielle Dinge wie die Abwasserbeseitigung oder die Leerung von Mülleimern in der Stadt weiter funktionieren.

Wie verändert der Coronavirus ihren Alltag? Schreiben Sie der BNN-Redaktion Ettlingen ihre Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse. Per E-Mail, an redaktion.ettlingen.de

Stau auf der Datenautobahn

Da sitzt man/frau nun am Rechner, um sich über die Lage in der Welt und über die Lage vor der Haustür zu informieren – oder um vom Homeoffice aus Corona sicher zu arbeiten, mit anderen zu kommunizieren. Und dann, weil immer mehr von der analogen Welt in die digitale ausweichen wollen respektive müssen, verliert vieles an Fahrt. Die Datenautobahn ist überlastet.

Es kommt – bildlich gesprochen – zu Staus. Und Stau ist die Kurzform für „stehende Autos“. In der digitalen Welt müsste man somit von „Stda(s)“ sprechen, von „stehenden Daten“. Das viel gepriesene Vectoring, nix anderes als der Übergang von der Modernen in die Vergangenheit – von Glasfaser auf Kupfer – kommt mehr und mehr an seine Grenzen. Wo ultraschnelle Glasfaserleitungen auf langsame Kupferleitungen treffen, wird der Datenfluss, werden die Durchsatzraten ausgebremst. Dann, wenn alle gleichzeitig ins Internet wollen.

Wer zudem mehrere Hundert Meter weit weg von einem Verteiler (Glasfaser auf Kupfer) wohnt, hat die „Stda-Karte“ gezogen.

Der Wochenendverkehr fiel am Freitag aus. Das Foto von Werner Bentz entstand um 17.50 Uhr in Höhe Bruchhausen.

Der Bär tobt nicht mehr

Freitagabend 17.50 Uhr auf der Brücke in der Nähe des Reiterhofes Speck in Bruchhausen: Normalerweise tobt unten auf der Autobahn A5 der Bär. Stoßstange an Stoßstange Autos zwischen Karlsruhe und Rastatt. Viele sind auf dem Weg in den Feierabend oder auf ihrer Fahrt ins verdiente Wochenende. Wenige Autos sind jetzt unterwegs. Ältere Menschen können sich noch an Zeiten des Ölkriegs in den 70er-Jahren erinnern als die Regierung Brandt autofreie Sonntage verhängte und die Autobahn so leer waren, dass Menschen die breite Straße für eine gemütliche Ausfahrt auf dem Rad nutzten.

Regenwetter setzt Verbot durch

Regen ist manchmal der beste „Freund und Helfer“ der Polizei. Erledigt haben dürfte sich zunächst dank des am Samstag einsetzenden „Segens von Oben“ eine Einsatzaufgabe von Ettlingens Polizeichef Alexander Seifert. Er muss das Verbot von Aufenthalt und Versammlungen am Epplesee in Rheinstetten-Forchheim durchzusetzen. Zusammen mit OB Sebastian Schrempp, als zuständige Rheinstettener Ortspolizeibehörde, Rheinstettens Ordnungsamtsleiter Ronald Daum und mehreren Polizeibeamten und Kommunalem Ordnungsdienst gab es am Freitag um 16 Uhr bei schönerem Wetter einen Einsatz an dem beliebten See. Ziel das Versammlungs- und Niederlassungsverbot dort durchzusetzen.

Die letzten Besucher sprach Seifert mit dem gebotenen Mindestabstand per Megafon an. Sie sollten schnell den Strand verlassen. Sie hatten die Absperrbänder und Plakate ignoriert. Tags zuvor tummelten sich am See noch über 300 Menschen.

Der Rheinstettener OB Sebastian Schrempp macht sich derweil Gedanken darüber, wenn das Wetter wieder besser werden sollte, wie die Anordnung an seinen beiden beliebten Badeseen, am Epple- und am Fermasee, in Zeiten des Coronavirus konsequent umgesetzt werden kann.

Das Tagebuch zum Nachlesen:
Tag 4: Barrikaden am Epplesee in Forchheim
Tag 3: Urlaubsgefühle am Epplesee
Tag 2:  Ettlingen: Bürger fordert komplettes Ausgehverbot wegen Corona
Tag 1: Online-Pfarrerin und gefährliche Schlangen: So beeinflusst das Coronavirus das Leben in Ettlingen