Weiß blühen nun die Mirabellenbäume, die unter anderem auf Streuobstwiesen stehen. Obstpreis und mangelnde Pflege sind laut Aussage des Kreisökologen Hans-Martin Flinspach wesentliche Faktoren für deren Rückgang. | Foto: Gebhard

Streuobstwiesen

„Darum ist mir in der Region nicht bange“

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Ab Januar 2018 löst das neue Alkoholsteuergesetz das Branntweinmonopol ab. Das heißt: „Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein kauft den Alkohol nicht mehr auf“, erklärt Hans-Martin Flinspach, Kreisökologe beim Landratsamt Karlsruhe.

Bundesmonopolverwaltung für Branntwein kaufte bisher Alkohol auf

Diese habe zu einem hohen Festpreis eingekauft – de facto ein Subventionskauf, wie er betont. Künftig werde der Preis an den Weltmarktpreis für Industriealkohol angepasst, der deutlich niedriger sei. Bisher hätten Obstbauern und Brenner durch die Schnapsabgabe die auf den Alkohol zu entrichtende Steuer abgelten können. Flinspach geht allerdings nicht davon aus, dass durch dieses neue Gesetz die Streuobstwiesen, von deren Früchten ein Teil des Alkohols gebrannt wird, verschwinden werden. „Darum ist mir in der Region nicht bange“, sagt er.

Heidt: Betriebe, die den Steuersatz mit Alkohol abgelten, sind betroffen

Eine Einschätzung, die der Stafforter Nebenerwerbsbrenner Ludwig-Wilhelm Heidt nicht ganz teilt. „Es gibt die Gefahr, dass die Streuobstwiesen mehr oder weniger vernachlässigt werden“, betont er. Sein Betrieb sei vom neuen Gesetz nur peripher betroffen, da die Alkoholsteuer bisher geldlich beglichen wurde – allerdings würde es andere Betriebe treffen, die den Steuersatz mit Alkohol abgelten.
Wenn das Branntweinmonopol wegfalle und nicht mehr bei der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein abgegeben werden könne, müsse das Destillat vermarktet werden, sagt Hans-Martin Flinspach. Der Preisverfall sei bei Qualitätsbranntwein nicht so massiv. „Es geht darum, mit Qualität und guten Produkten die Rendite reinzuholen.“ Bei den vielen Kleinbrennereien im Landkreis Karlsruhe plädiert er an die Innovationskraft der Besitzer.

Flinspach plädiert an Innovationskraft der Brenner

Auch gebe es drei Konzepte: „In touristischen Regionen kann man mit einer Direktvermarktung einiges machen“, sagt er. In Regionen mit hoher Industrie- und Gastronomiedichte müsse man das Kundenpotenzial ausschöpfen. In Gebieten, in denen es viele Brennlizenzen gibt, könne ein Gemeinschaftsvertrieb aufgebaut werden. Mit einer bestimmten Menge könne man den Schnaps in andere Regionen vermarkten – das biete ein höheres Potenzial und eine bessere Stellung gegenüber dem Händler, ist sich Flinspach sicher. Auch das Land biete mit dem „Kompetenzteam Brennerei“ Hilfestellung bezüglich Qualität und Vermarktung.

Andere Faktoren spielen beim Verschwinden der Streuobstwiesen eine Rolle

Für den Rückgang von Streuobstwiesen macht er andere Faktoren aus: „Eine wesentliche Auswirkung auf den Bestand hat der Obstpreis“, erklärt er. Wenn dieser zusammenbreche, sei das ein maßgeblicher Einschnitt für die jüngeren Obstbauern. Bei diesen spiele der Wirtschaftlichkeitsgedanke eine größere Rolle, als bei den älteren, die das Bewirtschaften der Streuobstwiesen aus Tradition her verfolgten und „das Obst auch dann abgeben, wenn es nur drei bis fünf Euro pro Doppelzentner hergibt“.
Flinspach stellt auch einen Rückgang durch Verfall aufgrund mangelnder Pflege fest. „Wenn nicht etwas passiert, wird sich das auch fortsetzen“, ist sich der Kreisökologe sicher. Die Schnittförderung des Landes sei ein Anreiz für die Leute zum Erhalt der Streuobstwiesen. Das Programm laufe bis 2020, müsse aber danach fortgeführt werden, fordert er.

Wetter lässt Blüten erfrieren

Und das Wetter meint es zurzeit mit den Blüten tragenden Bäumen nicht gut. Die frostigen Tage in der vergangenen Woche haben nicht nur Bäumen und Weinreben zugesetzt. Von einem erheblichen Schaden und „Totalausfall“ in Richtung Ernte spricht Flinspach bei der Walnuss. „Die Blütenanlagen bei den meisten Nussbäumen waren schwarz“, sagt er. Auch in Richtung der Apfelernte geht er von einer deutlich reduzierten Menge aus.