Abschied vom Jugendhaus Villa in Malsch: Mit einem Open-Air-Konzert und einem Familienfest endete die Geschichte des Jugendhauses Villa. | Foto: ak

Konzert und Familienfest

Jugendhaus Villa in Malsch ist Geschichte

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Von Andreas Kleber

Jede Ära geht einmal zu Ende. So auch die des Jugendhauses Villa in Malsch, in dem Kinder und Jugendliche seit 34 Jahren gemeinsam feiern, basteln, spielen oder mit ihren Bands proben. Damit wird noch in diesem Jahr Schluss sein, steht doch in den kommenden Monaten der Umzug in das im Bau befindliche Jugend- und Familienzentrum auf dem Bühngelände an.

Legendäre Konzert in der Villa

Einhergehend mit dem Umzug endete am Samstag auch die Epoche der legendären Konzertreihe „Villa-Open-Air“, die regelmäßig zahlreiche Jugendliche aus der ganzen Region auf das Gelände der über 100 Jahre alten Villa lockte. Rund 300 Besucher verschiedener Generationen mögen es in etwa gewesen sein, die der finalen Auflage der Traditionsveranstaltung die Ehre erwiesen und bis 23 Uhr noch einmal für richtig gute Stimmung sorgten.

Gunzi Heil trat in der Villa mit „La Grange“ auf

Einer, der sich noch gut an die Anfangszeit des Jugendhauses erinnern kann, ist der Karlsruher Musiker, Kabarettist und Literat Gunzi Heil, der mit seiner damaligen Band „La Grange“ regelmäßig in der Villa geprobt hat. „Ab Mitte der 80er-Jahre, war die Villa für knapp acht Jahre unser zweites Zuhause. Es war eine absolut coole Zeit, weil wir proben konnten, solange wir wollten“, erklärte der 49-Jährige, der das Jugendhaus liebevoll als „Villa Kunterbunt“ bezeichnet. Es sei ein „atmosphärisch tolles Gebäude und kein Hochsicherheitsjugendtrakt, wie heutzutage üblich“. Aus diesem Grund haben Heil und dessen ehemalige Band-Kollegen auch keine Sekunde gezögert, als sie von Jörg Höger, einem der Jugendhaus-Leiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gefragt wurden, ob sie beim Abschiedskonzert noch einmal als „La Grange“ auf der Bühne zusammenkommen.

Viele positive Erinnerungen

Ebenfalls nur positive Erinnerungen mit dem Jugendhaus Villa verbindet Michael Kopp aus Malsch: „In die Villa ist man damals gegangen, um sich in der Mofa-Zeit mit Kumpels zu treffen und Spaß zu haben. Vor allem das erste Jahr war extrem wild und chaotisch, weil noch keine wirkliche Struktur vorhanden war. Jeder hat das gemacht, was er wollte. Dementsprechend sah es überall im Haus aus.“ Erst als die AWO das Kommando übernommen hat, habe ansatzweise Ordnung Einzug gehalten. „Das Haus hat so viel gesehen und erlebt, wie beispielsweise unsere legendären Wasserschlachten im Sommer. Daher finde ich es sehr schade, dass das Ende der Villa nun unmittelbar bevorsteht“, sagte der 49-Jährige der die Auftritte der Bands „La Grange“, „Die Oralapostel“, „In Haze“, „the splashers“ und „Netzwerk“ gemeinsam mit seinen alten Kumpels verfolgte, die unter anderem eigens aus Merzig und Köln angereist waren.
Patrick Neumaier bezeichnet das Jugendhaus Villa als sein zweites Zuhause. „Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr hier unterwegs. In dieser Zeit sind richtige gute Freundschaften mit anderen Besuchern, aber auch Betreuern entstanden“, verrät der Malscher, den alle nur „Paddy“ rufen, und der die Villa kaufen würde, hätte er das nötige Kleingeld zur Verfügung. Der neuen Heimat des Jugendhauses steht der 24-Jährige offen gegenüber: „Es wird seinen Besuchern sicher sehr viele neue Möglichkeiten eröffnen.“
Steven Kopp hingegen bezeichnet das neue Gebäude als „großen Klotz ohne Flair“. „Die Villa mit ihren vielen Räumen, dem großen Hof und dem Grün rundherum indes ist einfach nur schön“, erklärte der 14-jährige Malscher, der seit seinem sechsten Lebensjahr mindestens zweimal in der Woche in der Villa zu Gast ist. Positiv in Erinnerung behalten werde der Teenager die Villa auch wegen der zahlreichen Koch-Events und Workshops, an denen er im Laufe der Jahre teilgenommen hat.
Abgerundet wurde das letzte Villa-Open-Air mit einem Familienfest, das nicht nur mit einem Human-Soccer, sondern auch mit Kistenklettern, Kicker, Billard und einer großen Dia-Show, bei der es über 2000 Bilder aus 34-Jahren Villa zu bestaunen gab.