Fenster bleiben fast immer zu: Mehrfachverglasung schützt Peter Schmitt und seine Frau vorm Lärm der A 8 (im Bildhintergrund). | Foto: Rainer Obert

Ettlingen und Karlsbad

Das Leben mit dem Lärm an Bahnlinie und Autobahn zehrt Menschen aus

Lärm ist Stress – wirkt er dauerhaft auf den Menschen ein, wird er krank. An diesem Mittwoch, 25. April, ist der internationale Tag gegen Lärm. Die BNN beleuchteten zwei exemplarische Schicksale durch Bahn- und Straßenlärm geplagter Bürger.
Mit Zuglärm hat Werner Jany schon seit rund zehn Jahren zu kämpfen. Das Haus im Felchenweg in Bruchhausen steht etwa 200 Meter von der Bahnlinie entfernt – dazwischen liegen nur Wiesen, Sträucher, Bäume. „Meine Frau und ich wussten natürlich, worauf wir uns einlassen, wenn man so nah an der Bahnlinie baut – doch in den letzten Jahren wurde es immer schlimmer.“

Es wurde immer schlimmer

Während man Straßenbahnen oder Schnellzüge wie ICE oder TGV kaum höre, seien Güterzüge übel. „Vor allem die alten Züge sind dermaßen laut, dass es bei uns im ganzen Haus regelrecht scheppert“, klagt Jany.

Besonders heftig ist der Lärm, wenn der Wind aus Richtung Nord/Nord-Ost kommt. Dann werden die

Lärm nach Fahrplan: Besonders Güterzüge machen Anwohnern zu schaffen. | Foto: dpa

Schallwellen direkt zum Wohngebiet getragen. Für die Janys ist die Zunahme des Güterverkehrs in der Nacht Stress. „Wenn wir im Sommer beim Fernsehen die Fenster aufmachen, hört man fast nur den

Zuglärm. Und nachts wacht man immer wieder davon auf“, erzählt Werner Jany. „Wenn ich am Landgraben mit dem Hund Gassi gehe, halte ich mir die Ohren zu. Was will man denn machen?“ Noch sei es nicht so, dass man die ganze Nacht wach liege und zudem gewöhne sich der Körper mit der Zeit an den Lärm. Fragen werfe das Lärmproblem schon auf. Warum gebe es auf der anderen Seite der Bahnlinie einen Lärmschutzwall, zur Seite des eigenen Wohngebiets nicht? Eine Antwort darauf konnte ihm die Gemeindeverwaltung bisher nicht geben. Die Janys sehnen sich nach Schut

Gute Miene zum bösen Spiel: Werner Jany zeigt in Bruchhausen dorthin, von wo der Bahnlärm kommt – speziell die Güterzüge rauben den letzten Nerv. | Foto: pr

z. „Als erster Schritt wäre es jedoch schon einmal förderlich, wenn keine alten, lauten Güterzüge mehr fahren würden“, betont Jany. Zumindest dieser Wunsch könnte mittelfristig in Erfüllung gehen: Am 13. Dezember 2020 tritt das Schienenlärmschutzgesetz in Kraft, das zu laute Güterzüge von den Schienen verbannt.

Der „Rasenmäher“ war ein Motorrad

Auf der Gartenterrasse von Gitta und Peter Schmitt in Karlsbad-Mutschelbach ist es laut, in der Nachbarschaft dröhnt ein Rasenmäher. „Nein, das ist ein Motorrad auf der Autobahn“, klärt Peter Schmitt über die Beschallung durch die nur rund 150 Meter entfernte Autobahn 8 auf. Ungläubiges Staunen beim „Zuhörer“. Mehrere Minuten ist der unangenehme Ton zu hören.
1983 ist das Paar ins Haus in Mittelmutschelbach eingezogen. Im Gegensatz zum Schienenlärm haben die Schmitts nie Ruhe, die A 8 produziert immer Lärm. „Ein permanenter Pegel.“ Nur eine Vollsperrung durch einen Unfall bringe nicht gekannte Erholung für die Ohren. „Bei Südwestwind ist es besonders schlimm, und dann kommen auch noch die Abgase dazu“, weiß Gitta Schmitt.

Lärm übertönt die Kirchenglocken

Praktisch täglich müsse sie die Gartenmöbel abwischen, da sich der feine Staub absetzt. Ja, man arrangiere sich so gut es geht, doch der Körper gewöhne sich einfach nicht. Je nach Windrichtung übertöne der Lärm etwa die Kirchenglocken. N

Der Autobahnverkehr nimmt zu. Das merken auch die Bürger, die in der Nähe der Verkehrsadern leben. | Foto: dpa

achts surrten Lastwagenreifen in den höchsten Tönen, erzählt das Paar. „Es kommt ein Unbehagen auf, der Stress steigt hoch, und dann will man nur weg“, beschreibt es Gitta Schmitt. Dreifach verglaste Fenster haben die Pensionäre auf eigene Kosten einbauen lassen, das Schlafzimmer auf die der A 8 abgewandten Seite positioniert. Doch der schöne Garten sei nicht abzuschotten, die lauschige Terrasse zur Autobahn hin etwa wurde ihnen völlig vermiest. Das Dorf Mutschelbach insgesamt sei ein Lärmopfer. Durchschnitten durch die Autobahn hoffte man auf ausreichenden Lärmschutz flankierend zum sechsspurigen Ausbau bis 2015. Doch die Menschen leiden, viel mehr als vor dem Ausbau. „Manche Mutschelbacher drehen durch, sind einfach mit den Nerven am Ende.“

Wut auf die große Politik

Tief sitzt die Enttäuschung und Wut in Richtung der großen Politik. Es liege nicht an der Gemeindeverwaltung Karlsbad, die kämpfe wie der Ort selbst um mehr Lärmschutz. Der Fisch stinke politisch gesehen vom Kopf her – „Verstand und Verständnis sind dürftig“, meint Gitta Schmitt. „Das ist nicht fair. Wenn man von daheim wegfahren muss, um etwas Stille zu haben.“