Sternwallfahrt: Erzbischof Stephan Burger (hinten Mitte) in Mitten der zahlreichen Ministranten, die aus allen Teilen des Dekanats zusammen kamen, um die Jubiläumsfeier mitzugestalten. | Foto: Mareike Inhoff

Wallfahrt zum Zehnjährigen

Dekanatsfusion Ettlingen und Karlsruhe: „Kirche ist nur Kirche, wenn sie sich bewegt“

„Kirche in Bewegung“, diesen Leitspruch hatte sich das katholische Dekanat Karlsruhe anlässlich seiner Geburtstagsfeier gegeben. Vor zehn Jahren waren die Dekanate Ettlingen und Karlsruhe – nicht ohne kritische Stimmen – zusammengelegt worden. Nun hieß es, diese Fusion zu feiern und eine erste Bilanz zu ziehen.

Sternwallfahrt aus allen Seelsorgeeinheiten

Bewegung zeigte sich bereits bei der Anreise zum Festgottesdienst in die Herz-Jesu-Kirche in Ettlingen. In einer Sternwallfahrt reisten die Gläubigen aus den Seelsorgeeinheiten an und füllten auch den letzten Platz in der Kirche. Das „Wunder“, zu dem gepilgert worden war, erklärte Dekan Hubert Streckert zu Anfang des Gottesdienstes, sei vielleicht das, dass trotz des „Drucks und der Arbeit“ während der Fusion die Kirche nie aufgehört habe in Bewegung zu bleiben. Denn „Kirche ist immer nur dann Kirche, wenn sie sich bewegt“,

Erzbischof Stephan Burger spricht über die Wichtigkeit von Gemeinschaft und Glauben im Rahmen eines Veränderungsprozesses der Kirche. | Foto: Mareike Inhoff

betonte Streckert, der die Zusammenlegung von Anfang an begleitet hatte. Eigens war Erzbischof Stephan Burger angereist und gestaltete den Gottesdienst mit. Nicht alles, was die Kirche beschäftige, könne eine solche Neugründung verändern, blickte er dabei zurück. Der „Mitgliederschwund“, die „öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten“ und der „Bedeutungsverlust der Kirche“ würden durch eine Zusammenlegung nicht weniger. Und eine solche Veränderung mache auch immer „zu schaffen“. Wichtig sei es aber, alle Anstrengungen an „der Barmherzigkeit Gottes“ auszurichten, so Burger in seiner Predigt. Einer sich verändernden Gesellschaft müsse die Kirche nachfolgen. Diese Anpassungen anzugehen, ohne dabei den Glauben, die Gemeinschaft aus dem Auge zu verlieren, dies sei die Aufgabe der Kirche.

Dekan: Kollegialität hat sich verstärkt

Aus den Augen verloren, das zeigte sich im Verlauf des Gottesdienstes, wurde die Gemeinschaft bei der Zusammenlegung nicht. Jugendliche aus dem gesamten Dekanat begleiteten mit ihrer Band „condimento“ fast schon „rockig“ die Gemeinde, in einer Gabenprozession brachten Gruppen aus allen Teilen des Dekanats Symbole dar, die sie mit der Fusion verbinden: Bretter als Bild für einen Bau, dessen Fundamente schon stehen, ein Netz, das die noch andauernde Verknüpfung der zwei Dekanatsteile anzeigen sollte. „Es war nicht leicht, die Aufgaben eines Stadtdekans und eines Landdekans zu verbinden“, lautete Streckerts Fazit zur Fusion. Letztendlich aber sei „die Kollegialität“ seit der Fusion noch verstärkt worden. Am Ende des Gottesdienstes bildete sich schließlich eine lange Schlange aus Geistlichen, Ministranten und Gläubigen, die in einer Prozession um die Kirche zogen. Begleitet von den jungen Musikern sangen sie dabei: „Brich auf, bewege dich!“ und unterstrichen somit noch einmal den Leitgedanken des zehnjährigen Dekanatsbestehens.