Der ehemalige Leiter der Evangelischen Akademie Baden, Ullrich Lochmann, ist mit 80 Jahren gestorben. | Foto: pr

Früherer Akademiedirektor tot

Ullrich Lochmann – Kämpfer für Gerechtigkeit

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Trauer um Ullrich Lochmann: Erst vor wenigen Tagen war er in seiner Wahlheimat  Rheinstetten 80 Jahre alt geworden: Industriepfarrer i. R. Ullrich Lochmann , früherer Direktor der Evangelischen Akademie Baden ist  gestorben. Mehr als 300 Tagungen und Seminare hat Lochmann für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und im Haus der Kirche in Bad Herrenalb geleitet. Die Themen drehten sich um die Fragen der Arbeitswelt, der Wirtschaft und der Friedensethik.

Gegen Rassismus aktiv

Seit 1981 war er Industriepfarrer beim KDA und zugleich Studienleiter der Evangelischen Akademie Baden. 1989 wurde Lochmann Leiter des KDA Baden, 1991 auch Akademiedirektor. In Vorträgen und Aktionen setzte er sich bis zuletzt gegen Rassismus, Faschismus und für Völkerverständigung ein. In Weißrussland konnte er durch Versöhnungsarbeit viele Freunde gewinnen, vor allem in der jüdischen Gemeinde Mogilew, deren Ehrenmitglied er war.

Einer der Attac-Gründer

Für die ab 1941 ermordeten Kranken der Psychiatrischen Klinik Mogilew half er 2009, ein Mahnmal zu errichten. Lochmann gehörte in Karlsruhe zu den Gründern und Aktiven von Attac, er war Sprecher des Forums für gesellschaftlichen Frieden und Mitglied im Verein Garten der Religionen. Die SPD Karlsruhe ehrte ihn 2014 mit dem Ludwig-Marum-Preis.

Einst aus der DDR übergesiedelt

Stark geprägt war Lochmanns Leben durch die Übersiedlung seiner Familie 1950 aus der DDR in die Bundesrepublik. Er besuchte das Gymnasium Bruchsal, 1959 Theologiestudium, 1965 Theologischer Mitarbeiter von Landesbischof Heidland, 1969 Promotion in Theologie, 1970 Dozent am Theological College, Umpumolo (Südafrika). Das Apartheid-Regime wies ihn bald aus.

Kampf für Gerechtigkeit beeindruckend

„Sein ausdauernder Kampf für Gerechtigkeit verbunden mit seinem persönlichen Engagement waren beeindruckend“, würdigte Rheinstettens OB Sebastian Schrempp (CDU) den Verstorbenen. Lochmanns Wunsch, einer Partnerschaft zwischen Rheinstetten und Mogilew entsprach der Gemeinderat nicht. Sein besonderer Einsatz galt in seiner Zeit als Seelsorger dem Wohl der Werktätigen. Bei Gewerkschaftern und Betriebsräten war er ein geschätzter Gesprächspartner. Besonders gefragt war er, wenn in Firmen Entlassungen drohten oder Konflikte zwischen Firmenleitungen und Arbeitnehmern zu lösen waren.

 Trauerfeier  Dienstag, 27. Februar, 14 Uhr auf dem Friedhof Forchheim.