MEISTER IM ABBRUCH: Die Malscher Firma Oettinger hat sich innerhalb nur weniger Jahre zu einer bundesweit gefragten Adresse in Sachen Abbruch und Tankstellenbau entwickelt. | Foto: pr

Junges Malscher Unternehmen

Die Oettinger-Gruppe ist mit ihren Baggern in der Abbruch-Bundesliga

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Als Kind wird Robert Oettinger regelmäßig per Lkw von der Schule abgeholt – sein Großvater hat ein Bauunternehmen. Begeistert von schwerem Gerät gründet Robert Oettinger bereits 2006 seine eigene Firma – setzt sich in den Bagger und finanziert so sein Bauingenieursstudium. Zwölf Jahre später beschäftigt seine Oettinger-Gruppe 85 Mitarbeiter und hat bereits auf Baustellen zwischen Berlin und Basel gearbeitet. Sie zählt bundesweit zu den Marktführern im Tankstellenbau. In Deutschland gebe es hier gerade einmal rund zehn Spezialisten. Der französischen Total-Konzern, aber auch etliche SB-Warenhaus-Ketten mit ihren Tankstellen zählen zu Oettingers Auftraggebern.

„In diesem Jahr werden wir beim Umsatz die 20 Millionen Euro überschreiten“, sagt Catrin Oettinger, die zusammen mit ihrem Mann Robert und mit Jörg Baier die Geschäfte in der Oettinger-Zentrale in Malsch führt. Im vergangenen Jahr habe man rund 18 Millionen Euro erlöst. Die Auftragslage sei gut, sowohl bei der öffentlichen Hand als auch in der Privatwirtschaft, die jeweils eine Hälfte zu den Umsatzerlösen beisteuerten.

Erst vor kurzem hat Oettinger in einen neuen Bagger investiert: ein Multifunktions-Gerät der Firma Kiesel, das bis zu 75 Tonnen wiegt und mit diversen Arbeitsgeräten etwa für Erdbau und Abbruch eingesetzt werden kann. 1,1 Millionen Euro habe er dafür ausgegeben, sagt Robert Oettinger. Es sei „einer der größten Abbruchbagger bundesweit“, ergänzt Baier. Damit könne man auch weiterhin „in der Ersten Liga der Abbruchunternehmen“ vorne dabei sein.

„Wir möchten die großen Abbrüche, die Rückbauten machen“, nennt Catrin Oettinger die Stoßrichtung. Dabei wolle man sich auch weiter auf dem Segment der Schadstoffsanierung spezialisieren.

Der Tankstellenbau ist zwar eine Spezialität der Malscher. Das Unternehmen ist bundesweit – mit Schwerpunkt Süddeutschland – aber auch im Abbruch und im Tiefbau tätig. In der Region standen und stehen ebenfalls Oettinger-Bagger. Baier nennt das Beispiel Ikea: Damit der schwedische Möbel-Riese in Karlsruhe Fuß fassen kann, wurden auf dem Grundstück bestehende Gebäude abgerissen, der Boden saniert, Kanäle verlegt und Baustraßen angelegt. Der SWR in Stuttgart und der Europäische Hof in Baden-Baden stehen ebenso auf der Liste der Referenzobjekte. Ab Frühjahr werden die Blechfassade und Dämmung des alten Reaktorgebäudes der KTE Kerntechnischen Entsorgung Karlsruhe GmbH zurückgebaut. Diese Beispiele, wie auch der Tankstellenbau, machen klar: Da können nur zertifizierte Spezialisten ran.

Oettinger spielt auch beim Tankstellenbau mit

Zum Oettinger-Erfolgsrezept zählt nach Baiers Worten „der tolle Teamgeist“. Mindestens jährliche Mitarbeitergespräche und Firmen-Feiern auch für die Familien der Belegschaft sind für ein Bauunternehmen dieser Größenordnung nicht selbstverständlich. Das Unternehmen wurde übrigens 2016 von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Landespreis für junge Unternehmen Baden-Württemberg ausgezeichnet.

So etwas hilft natürlich ein Stück weit bei der Fachkräftesuche, die aber laut Robert Oettinger eine Herausforderung bleibt. Ein anderes schwieriges Thema seien die Deponiekapazitäten, die bekanntlich rapide abnehmen. Oettinger hat auch deshalb in Durmersheim eine Recycling-Anlage gekauft, um möglichst viele der Abbruchmaterialien wiederverwenden zu können.

Zum Maschinen- und Fuhrpark gehören darüber hinaus über 30 Hydraulikbagger, zehn Radlader, 30 Transporter und Lkw. In Stuttgart betreibt Oettinger eine Niederlassung, in Malsch wurde eine weitere Bürofläche bezogen, weil der Platz zu eng wurde – eine rasante Entwicklung für ein Unternehmen, dessen erstes Büro im Wohnhaus der Oettingers im Karlsruher Stadtteil Grünwettersbach integriert war. Ob er denn heute noch ins Fahrerhaus eines Baggers steigt? Robert Oettinger schmunzelt. Neue Geräte probiere er schon noch aus. „Aber es gibt bessere Baggerfahrer als mich“, sagt er mit badischem Understatement.