Beim Bahnhof Forchheim ereignete sich im Juni die Attacke auf eine 33-jährige Frau aus Rastatt, nachdem ihre Bahn nicht kam. Der 15-minütige Fußweg der Frau vom Arbeitsort Fleischwerk zum Bahnhalt ist unbeleuchtet. | Foto: Werner Bentz

Gericht sieht schweren Fall

Drei Jahre Haft nach versuchter Vergewaltigung in Rheinstetten

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Ein tiefes Durchatmen beim Opfer, ein stoischer Gesichtsausdruck des Täters. Der Prozess um die versuchte Vergewaltigung einer 33-Jährigen beim Rheinstetten-Forchheimer Bahnhof ging vorm Landgericht Karlsruhe zu Ende. Dass der auf der Anklagebank sitzende Gambier nicht mit einer Bewährungsstrafe davonkommen darf, hatte Oberstaatsanwalt Klaus Armbrust im Plädoyer mehrfach gefordert. „Das Schlimmste für das Opfer wäre, wenn der Mann frei kommt.“
Wie die Beweisaufnahme erbrachte, hat der 22-jährige Asylbewerber am Morgen des 21. Juni gegen 0.30 Uhr die Frau aus Rastatt verfolgt, nachdem deren vorgesehene Bahn (S8) nach der Schichtarbeit im 15 Minuten zu Fuß entfernten Edeka-Fleischwerk ausgefallen war. Die 33-Jährige wollte zum Arbeitsort zurück, um nach einer Mitfahrgelegenheit zu suchen, als der Täter sie auf dem Fahrrad einholte, am Arm packte, Geschlechtsverkehr mit ihr forderte und damit drohte sie zu erstechen. Ein düsteres Bild zeichnete der Oberstaatsanwalt vom Ort des Geschehens. In der Region gebe es fast nirgends einen so dunklen und so abgelegenen Ort. „Hilfloser kann man im Großraum Karlsruhe fast nicht sein.“ Keinerlei Beleuchtung finde sich auf dem Weg, den Arbeitskräfte des Fleischwerks zum Bahnhof Forchheim/Silberstreifen gehen müssen. Nur durch kluges Verhalten sei die Frau ihm letztlich entkommen. Sie hatte gewartet, bis der 22-Jährige die Hose herunter gelassen hatte und ihn dann umgestoßen, um schreiend die Flucht zu wagen. Der Täter setzte ihr noch kurz nach, ließ dann aber ab.

Bahn-Ausfall beim KVV hat fatale Folgen

„Es ist viel schief gegangen!“, schilderte mit leidenschaftlichen Worten die Anwältin des Opfers als Nebenklägerin die Umstände auch vor der Tat. „Zunächst fällt die Bahn einfach aus – die letzte Bahn“, prangerte Katrin Guder (Karlsruhe) an. Dann habe man eine Gemeinde, die von vielen Menschen nachts benutzte Wege völlig unbeleuchtet lässt – „ein furchterregender Ort“. Und zuletzt ein Täter, der die Situation erkennt und weiß: „Ich kann sie erwischen.“ Der beschäftigungslose Mann, der in Bühl wohnte, habe Tag für Tag am Rheinstettener Epple-Baggersee verbracht. Wie sich herausstellte, hatte er tagsüber ein Paar beim Sex am See gefilmt und Pornografie konsumiert. „Er wollte seine sexuelle Erregung abbauen.“ Die Rastatterin, Mutter einer Tochter – ihr Mann kam bei einem Bombenanschlag im Irak um – habe Todesangst gehabt. „Nur der Geschädigten ist es zu verdanken, dass es zu keiner Vergewaltigung kam.“ Die meisten anderen Frauen hätten in Angst getan, was der Täter verlangt. Die Tat wirke nach. Die gebürtige Polin gehe nicht mehr nachts aus dem Haus, bei der Arbeit nicht einmal allein auf die Toilette und sie fürchte jeden dunkelhäutigen Mann.

Gericht sieht besonders schweren Fall

Verteidiger Hans-Peter Schimanek (Karlsruhe) erklärte: „Es liegt eine versuchte Vergewaltigung vor“, da sei man realistisch. Das Opfer „hat richtig reagiert, neigt aber zu Übertreibungen“, befand er. Der Täter habe auch Schlafstörungen gehabt – „er hat noch ein Gewissen“. Auch sei zu beachten, dass bei einer Verurteilung die Ausweisung des Asylbewerbers drohe. Die körperliche Gewalt sei sehr niederschwellig geblieben. Eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung sei angemessen. Der Täter erklärte, dass er bereue und sich entschuldige. Bewährung kam für das Gericht nicht infrage – der 22-Jährige muss drei Jahre hinter Gitter. Vorsitzender Richter Leonhard Schmidt schilderte: „Er hat ein Messer vorgetäuscht und klar gesagt, was er will: Er wollte in ihren Körper eindringen.“ Die Drohung, sie umzubringen sei auch stets aufrechterhalten worden. „Er hat sie nicht gehen lassen, sondern sie ist ihm entwischt.“ Das Gericht sehe einen besonders schweren Fall versuchter Vergewaltigung. Das Geständnis wirke strafmildernd, der Mann ist in Deutschland nicht vorbestraft.
Zuletzt stand die Bewunderung für das Opfer, das trotz panischer Todesangst noch überlegt habe, wie sie entkommen kann.