Gut bestückt ist zumeist die Theke mit den Backwaren im Tafelladen. Die Waren kommen von Bäckereien und Märkten. | Foto: Bentz

Ehrenamtliche in Ettlingen

Tafelladen: Einkaufen mit kleinem Geldbeutel

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„Den Job im Tafelladen  hatte ich gleich, nachdem ich in Rente gegangen war.“ Sibylle Thoma lacht, während sie sich mit ihrem Team bespricht. In gut zwei Stunden öffnet der Tafelladen Ettlingen wieder für Kunden. Bis dahin heißt es für die Ehrenamtlichen: Gemüse und Obst sortieren, Waren , die neu angeliefert wurden, in die Regale stellen und die Theke mit Backwaren bestücken. Auch der Kassenbereich muss vorbereitet werden, damit es nachher bei der Abrechnung zügig geht.

Viele ehrenamtliche Helfer

Seit der Eröffnung vor mehr als zehn Jahren engagiert sich Sibylle Thoma für den Tafelladen Im Ferning. Unterstützung erhält sie von rund 70 Helferinnen und Helfer. Die einen holen Waren in Supermärkten ab, andere laden aus, wieder andere räumen auf. „Ein paar Leute sind seit Anfang an dabei“, erzählt Thoma. Damit alles klappt und jeder weiß, wann er auf welchem Posten zu sein hat, werden Dienstpläne ausgehängt wie in einem Unternehmen.

Ein mittelständisches „Non-Profit“-Unternehmen

Und wenn man‘s genau betrachtet, dann ist der Ettlinger Tafelladen, der eine Außenstelle in Bad Herrenalb hat, ein kleiner mittelständischer Betrieb. Der allerdings als „Non-Profit“-Unternehmen arbeitet. Träger sind das Diakonische Werk im Landkreis, das Rote Kreuz und der AWO-Ortsverein. Bei letzt genanntem ist der Tafelladen Mieter. Kooperationspartner ist die Stadt Ettlingen, zu der gute Kontakte bestehen, nicht nur, weil Fahrzeuge des Tafelladens für die städtische Schulobstaktion im Einsatz sind.

Ohne die Ehrenamtlichen, die sortieren, putzen, aufräumen, ginge im Tafelladen nichts. | Foto: Bentz

Reduzierte Preise für kleine Geldbeutel

Wer im Tafelladen zu reduzierten Preisen  einkauft, hat nur einen kleinen Geldbeutel. Beate Rashedi, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, wirft einen Blick in die Statistik 2017 und berichtet davon, dass rund 300 Ausweise ausgestellt sind, die zum Einkauf berechtigen. 130 für Hartz IV-Empfänger, 73 für Asylbewerber, 22 für Menschen mit Altersgrundsicherung und 70 für Frauen und Männer mit geringem Einkommen. Außerdem versorgen sich im Tafelladen einige Kunden, die in einer besonderen finanziellen Notlage sind.

Das ist besonders bitter

„Meist geht es da um totale Überschuldung“, berichtet Rashedi. Aber auch chronisch kranke Menschen, die früh berufsunfähig wurden, gehören zu den Klienten, was Sibylle Thoma „besonders bitter“ findet. Denn für diese Gruppe gibt es kaum eine Perspektive, dass sich ihre Situation wieder ändert. Thoma und Rashedi sind froh über den guten Ruf, den der Ettlinger Tafelladen genießt – und das nicht nur in der heimischen Bevölkerung. „Wir haben Gönner und Sponsoren auch von weiter her“, sagt Thoma.

Kirchengemeinde bringt regelmäßig Waren

Beispiel: Die evangelische Kirchengemeinde Grötzingen bringt regelmäßig Spenden vorbei – in den Tagen vor Weihnachten wurde wieder eine Palette mit Konserven, Schokolade, Kaffee und mehr angeliefert. Gut gelaufen ist für den Tafelladen auch die Aktion „Kauf heute eins mehr“, die er im Advent in mehreren Märkten veranstaltete. Die Einkäufer seien da wirklich großzügig gewesen und so mancher habe zusätzlich Bares in die Spendenbüchse gesteckt.

Ärgernis: Es fehlt die Biotonne

Dass im neuen Jahr die alten, Strom fressenden Tiefkühltruhen durch neue ersetzt werden können, verdankt der Tafelladen einer 5000 Euro hohen Zuwendung der Ettlinger Firma Rotec, deren Chef Heinz Peters regelmäßig soziale Einrichtungen in der Stadt fördert. Für solch großzügige Hilfe sind Sibylle Thoma und Beate Rashedi dankbar, denn der Tafelladen verursacht laufend Kosten. Größtes, unverändert nicht gelöstes Problem, ist die Entsorgung von Biomüll. Das „Nein“ des Landkreises zur Biotonne hat die Konsequenz, dass Biomüll anderweitig abgefahren werden muss. Kostenpunkt im Monat: 800 bis 1000 Euro.