Maßarbeit war das Abladen eines U-Bootes vor der Firma Bruker in Ettlingen | Foto: jodo

Ausstellungsstück bei Bruker

Ein U-Boot fährt durch Karlsruhe

Ein U-Boot ging auf Reisen, allerdings nicht im Wasser. Die letzte Reise für ein Forschungs-U-Boot der Firma Bruker erfolgte an Land, nämlich von der Wikingerstraße im Rheinhafen über die Südtangente und L 605 bis ins Industriegebiet Ettlingen-West. Das Unternehmen Bruker hat  sein  Areal in der Wikingerstraße verkauft, das U-Boot ist seit Donnerstag am Firmensitz von Bruker in der Rudolf-Plank-Straße in Ettlingen ausgestellt. Bereits am Mittwochmittag wurde der orangene Stahlkoloss auf einen Tieflader verladen und ordentlich befestigt, am Donnerstagmorgen ging es in aller Frühe ins Ettlinger Industriegebiet. „Das ist schon eine echte Herausforderung für uns,“ so Manuel Genther von der gleichnamigen Karlsruher Transportfirma. 33 Tonnen wiegt das U-Boot, hinzu kommt noch ein vier Tonnen schwerer Stahlträger, der das Boot beim Auf- und Abladen in der Waagrechten hält. In Ettlingen hob ein Autokran von Böhler das U-Boot vorsichtig vom Tieflader und setzte es in Zentimeterarbeit auf das eigens vorbereitete Fundament. Für den Transport musste allerdings die Kanzel des U-Bootes demontiert werden, sonst hätte der Schwertransport nicht unter die Brücken auf dem Weg nach Ettlingen hindurch gepasst.

Neugierige Zuschauer

Zahlreiche Bruker-Mitarbeiter inklusive Geschäftsleitung verfolgten das Schauspiel in knackiger Kälte: Das eigens optisch noch einmal aufpolierte U-Boot steht nicht nur für ein Stück Karlsruher Industriegeschichte sondern auch für ein Stück Unternehmensgeschichte. 1977 erfolgte die Gründung der Bruker Meerestechnik GmbH. Das in den 90-er Jahren zum Weltkonzern gewachsene Unternehmen Bruker hatte die Meerestechniksparte in den 1990-Jahren wieder aufgegeben. Günther Laukien, 1960 Gründer des Unternehmens Bruker und Karlsruher Universitätsprofessor, sah in der damals stark von der EU geförderten Shelf-Forschung und Öl-Exploration ein lukratives Gebiet für kleine Unterwasserfahrzeuge, erinnert sich der einstige Bruker-Manager Toni Keller im Gespräch mit den BNN. Bruker-Begründer Laukien war zeitlebens von der U-Boot-Technik fasziniert.

Kein Käufer gefunden

Der heute 79 Jahre alter Keller war früher Geschäftsführer der Tochterfirma Bruker Analytische Meßtechnik, ist aber heute noch als Consultant für Bruker aktiv. Er ist einer der wenigen, die sich überhaupt noch an die einstige U-Boot-Sparte erinnert. Die Sparte war für einige Jahre recht erfolgreich, erinnert sich der der Schweizer Staatsbürger Keller, der in Spiez am Thunersee lebt.  Wie viele U-Boote in der damaligen Bruker Niederlassung im Rheinhafen genau gebaut wurden, weiß Klein nicht mehr genau, aber mehr als ein knappes Dutzend waren es nicht, ist Keller überzeugt. Es gab sogar Testfahrten im Rhein. Sie kamen beispielsweise auch als Rettungs-U-Boote weitweit zum Einsatz. Höhepunkt war sicher die Rettung eines anderen Unterwasserfahrzeuges in der Nordsee. Das nun als Ausstellungstück genutzte Boot fand damals keinen Käufer, in den vergangenen Jahren wurde es erfolglos über das Internet zum Kauf angeboten.