Auf dem Eis tummeln sich freitag- und samstagabends bei Eispartys viele Jugendliche, für die der Eistreff Waldbronn fester Anlaufpunkt Woche für Woche ist. Man trifft sich, bewegt sich, hat Spaß.
Auf dem Eis tummeln sich freitag- und samstagabends bei Eispartys viele Jugendliche, für die der Eistreff Waldbronn fester Anlaufpunkt Woche für Woche ist. Man trifft sich, bewegt sich, hat Spaß. | Foto: Klaus Müller

ERC und Förderverein hoffen

Schließung Eistreff Waldbronn: Kein „Tauwetter“ im Gemeinderat

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Die Entscheidung, den Eistreff in Waldbronn aus der kommunalen Verantwortung zum Ende der Saison 2019/20 zu nehmen, traf der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung im November 2017. Das Votum fiel damals mit 17 gegen eine Stimme eindeutig aus. Die BNN fragten bei den Fraktionsvorsitzenden nach, ob sich etwas an ihrer damaligen Entscheidung geändert hat. Ein Investor fehlt noch für eine mögliche Rettung und aus dem Landratsamt erhielt die Gemeinde eine „Abfuhr“ in Sachen Unterstützung für den Erhalt der Eislaufhalle.

Von Klaus Müller und Rainer Obert

Die CDU bleibe bei ihrer Ausrichtung: „Nach der Saison 2019/20 soll es keinen kommunalen Eislaufbetrieb mehr geben“, sagt Roland Bächlein. Finde sich kein privater Betreiber oder Investor, müsse der Eistreff geschlossen werden. Bisher betreibt die Kurverwaltung als 100-prozentige Tochter im Auftrag der Gemeinde den Eistreff. Alles andere, insbesondere die dann folgende Vermarktung oder Umnutzung des Gebäudes, liege zunächst in der Pflicht der Gemeindeverwaltung, die sich darum kümmern müsse.

SPD schwenkt um

Die SPD hat inzwischen ihre Meinung geändert. Jens Puchelt: „Wir sprechen uns klar für den Weiterbetrieb des Eistreffs aus. Er ist eine wichtige und einmalige Einrichtung für viele Jugendliche aus Waldbronn sowie der gesamten Region.“ Seine Fraktion sehe im Gemeinderatsvotum keinen definitiven Schließungsbeschluss. Die Freien Wähler bleiben bei ihrer bisherigen Haltung, so Kurt Bechtel. „Sollte ein privater Träger den Eistreff übernehmen, würden wir das nicht ablehnen.“ Und Beate Maier-Vogel von den Grünen erklärt: „Es bleibt bei unserem Ja zur Schließung 2020 – und zwar ohne Alternative.“ Die CDU hat als stärkste Fraktion sieben Sitze im aktuellen Gemeinderat, die SPD fünf, Bündnis90/Grüne wie die Freien Wähler komme auf je drei Ratsmitglieder. Bürgermeister Masino betont: „Mir schlagen zwei Herzen in der Brust“, sei er doch quasi im Eistreff groß geworden.

Investorensuche mit offenem Ausgang

Schließt die Eislaufhalle also tatsächlich aus Kostengründen nach der nächsten Eiszeit 2019/20 für immer ihre Pforten? Ein Retter, der als Investor die Halle übernimmt, ist noch nicht gefunden. „Es gibt Anfragen, aber sie scheitern an den Preisvorstellungen“, so Bürgermeister Franz Masino im BNN-Gespräch. Der Gemeinderat hatte zuletzt 2017 erklärt, dass der Eistreff noch drei Saisonzeiten bekommt, dann soll Schluss sein, wenn ihn niemand anderes betreibt. Seither hat sich in Sachen Rettung nicht viel getan. Masino berichtet von einem Eislaufhallenbetreiber, der schon drei Standorte in Ostdeutschland und Tschechien hat. Der habe das Thema Eishockey groß aufziehen wollen, doch es fehlten die Zuschauerränge. Die BNN fragten nach. Für den Geschäftsführer der Padok Icerinks Deutschland GmbH ist das nicht das Problem. Vielmehr brauche man Umkleiden für das Konzept; mindestens sechs statt bisher zwei, so Manfred Wolf, früherer Profi-Trainer und Nationalspieler. Er ist verbandelt mit dem Deutschen Eishockey-Bund und wolle neben Publikumslauf Eiszeit verkaufen – von Eishockey-Arten bis Eisschnelllauf so die Faszination Eissport fördern. Alles in einer ganzjährig geöffneten Halle. Waldbronn sei offen. „Wir haben Kontakte und Investoren“, so Wolf, doch die Gemeinde müsse mittun. Ein „kleiner lokaler Investor“ im Boot sei von Vorteil. Ein Interessent aus Nordrhein-Westfalen habe sich vorgestellt,

Viele Fans hat der Eistreff Waldbronn, die sich für eine Rettung aussprechen. | Foto: Klaus Müller

dass die Gemeinde bei der Eishalle mit im Boot bleibt und eine gewisse Sicherheit gibt. Aber das wolle der Gemeinderat nicht. Dass er sich mit der Abdeckung des tatsächlichen Jahresdefizits von etwa 100 000 Euro statt der weitaus höheren Abschreibungen für den Eistreff zufrieden gibt? „Damit wird sich der Gemeinderat nicht abfinden.“ Da es den Ratsentscheid von 2017 gebe, habe man bei der Sponsoren- und Investorensuche „als Gemeinde im letzten Jahr die Füße relativ still gehalten“.

Bürgermeister: Kein Interesse an Namensrechten

Die Übertragung der Namensrechte am Eistreff als Einnahmequelle, der dann etwa den Namen eines Unternehmens tragen könnte, habe keinen Erfolg gebracht. Umgehört hat man sich laut Masino in Waldbronn. „Kein Interesse.“ Eine Sommernutzung des Eistreffs zur Senkung des Defizits gibt es für 2019 (noch) nicht. Ein Anbieter aus dem Südbadischen habe einen Event-Park mit Hochseilgarten, Kletterwand, Spielpark aufziehen wollen. Doch da 2020 das Ende der Halle droht, wird es nichts. „Die wollen längerfristig rein, sonst sind die Kosten zu hoch.“

Landrat winkt ab

Die BNN fragten zudem bei Landrat Christoph Schnaudigel nach, ob sich der Kreis eine Beteiligung am Eistreff als einziger Eislaufhalle, auch mit Blick auf die vielen Besucher aus den Landkreisgemeinden, vorstellen könne?: „Solche Angebote zu machen, ist klassische freiwillige Aufgabe der Städte und Gemeinden“, so Schnaudigel. „Da sie der Förderung von Freizeitaktivitäten dient und nicht der Daseinsvorsorge im engeren Sinn, sehe ich keine Möglichkeit, dass der Kreis sich finanziell beteiligt; schon in Anbetracht der großen Fülle an ähnlichen Angeboten, aber auch aus Gründen der Gleichbehandlung aller Kommunen.“ Eine „Abfuhr“ hat man laut Masino auch von Karlsruhes OB Frank Mentrup erhalten – mit der Gegenfrage, wer denn „sein“ Staatstheater mitfinanziere.

Förderverein und ERC kämpfen um Zukunft

Das Maskottchen des Eistreff grüßt in der Eingangshalle, deren Zukunft ungewiss ist. | Foto: Rainer Obert
Die Hallennutzer hoffen weiter: Laut ERC Waldbronn, der Eishockey, Eiskunstlauf, Curling und Eisstock anbietet, hat man seine finanziellen Leistungen an die Kurverwaltung wie angekündigt um mehrere Tausend Euro auf über 60 000 Euro erhöht. Die Mitgliederzahl des ERC stieg im vergangenen Jahr laut Vorsitzendem Carlheinz Löschner von 270 auf 328. Man sei als Verein auch an Investoren dran und werde mit der Rathausspitze sprechen. Der Eistreff-Förderverein organisiert erfolgreich Eispartys und Sonder-Events. 110 Mitglieder aus der ganzen Region und bis Mannheim hat man laut zweitem Vorsitzenden Alexander Schroth gewonnen. Unter anderem werde die Bandenwerbung im Sommer vervollständigt.

Rund 80 Prozent Kostendeckung
Wie ist es um Kosten und Erträge im Eistreff bestellt? Dass die Gemeinde sich den einiges kosten lässt, ist unbestritten.
Erträge (Einnahmen): 2016 in Höhe von 521 000, 2017 von 563 000 Euro.
Personal- und Sachaufwendungen: 676 000 (2016), 712 000 Euro (2017).
Deckungsgrad: 77 Prozent (2016), 79 Prozent (2017); die durch Einnahmen gedeckten Finanzaufwendungen.
Prognose: Für die nächsten Jahre (falls der Eistreff bestehen bleibt) rechnet Gemeindekämmerer Philippe Thomann mit durchschnittlichem, von der Gemeinde auszugleichendem Defizit von rund 100 000 Euro.
Doppik: Ab 2020 erfolgt die Haushaltsberechnung auf dieser Basis. Demnach müssten die Abschreibungen („Werteverzehr“) erwirtschaftet werden. Dabei geht es im Fall der Eislaufhalle derzeit um einen jährlichen Betrag von um die 210 000 Euro. Die Restabschreibungsdauer beträgt noch etwa 16 Jahre.
Buchwert der Eishalle, bei der technisch alles im grünen Bereich sei: 3,8 Millionen Euro (Stand Ende 2017); was nicht heißt, dass die Gemeinde im Verkaufsfall diesen Betrag bekommt. Im Gegensatz dazu dürfte das Grundstück in Gemeindebesitz einen Millionenwert haben.