In die endlose Diskussion um den Fortbestand des Eistreffs Waldbronn könnte Bewegung kommen.
In die endlose Diskussion um den Fortbestand des Eistreffs Waldbronn könnte Bewegung kommen. | Foto: Klaus Müller

Erneut Thema im Gemeinderat

Eistreff Waldbronn sucht weiter nach tragbarem Überlebens-Konzept

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Je länger die Diskussion um die Zukunft des Waldbronner Eistreffs andauert, desto mehr Interesse scheint der Einrichtung von unterschiedlichen Seiten zuteil zu werden. Jetzt tauchte ein neuer möglicher Mitspieler auf, der angeblich Interesse an der Einrichtung zeigt.

Von Klaus Müller

Ein entsprechendes Schreiben schlug in der Verwaltung auf. Es soll sich nach BNN-Information um die Anfrage eines Eislaufhallenbetreiber aus Hessen handeln. Wer hat aktuell alles Interesse am Eistreff – und aus welchen Gründen? Ein Zwischenstand:

Zwei „Player“ treten in Erscheinung

Zwei „Player“ treten derzeit in Erscheinung: Die RWM, eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in Sinzheim. Nach eigenem Bekunden vertritt sie „zwei Mandanten“, die „einen Kauf der Immobilie Eistreff unter Beibehaltung der bisherigen Nutzung als Eishalle in Erwägung ziehen“. Bislang sind Gemeinderat und Verwaltung die Namen besagter Mandanten nicht bekannt.

Bürgermeister Franz Masino, gleichzeitig Geschäftsführer der Kurverwaltung als Betreiber des Eistreff, hat dem Büro eine Frist gesetzt, sich bei ihm bis zu diesem Dienstag, 11. Februar, zu melden. Unlängst ging bei ihm aber die besagte weitere Anfrage mit der Bitte um einen Gesprächstermin in der Causa Eistreff ein.

Der neue „Player“ wolle aber noch nicht genannt werden. Dass der Betreiber aus Hessen ist, ist dabei gar nicht abwegig. Eine in dem Bundesland ansässige Firma betreibt auch in Wiesloch eine Eislaufhalle. Und dass sich in Waldbronn etwas tut, hat sich – was verbrieft ist – bis in die hessische Eislaufwelt herumgesprochen.

Aldi will den Eistreff pachten

Die Firma Aldi zeigt nach wie vor Interesse, den Eistreff für rund zwei Jahre zu pachten. Die dortige Fläche könnte zu einer Ladenverkaufsfläche umgebaut werden. Aldi möchte damit die vorübergehende Schließung eines bestehenden Geschäftes in der Waldbronner Talstraße kompensieren. Ein erstes Angebot (mit 144.000 Euro Jahrespacht), das nochmals konkretisiert werden soll, liegt der Waldbronner Verwaltung vor.

Ob Aldi jedoch felsenfest an dem Projekt „Eistreff“ festhalten will, ist nicht mehr so sicher. Aus Kreisen des Waldbronner Gemeinderats jedenfalls war zu hören, dass sich der Discounter vorstellen könne, auf das Vorhaben dann doch zu verzichten. Entscheidet sich der Gemeinderat letztlich für den Discounter, dann wäre dies das Aus für den Eistreff.

Betreibermodell Förderverein

Der Förderverein Eistreff setzt sich dafür ein, dass die Einrichtung über ein Betreibermodell weitergeführt werden kann. In einem ersten Angebot ist die Rede von einer jährlichen Pacht von 100.000 Euro. Der Betrieb des Eistreffs, einschließlich Personalkosten, soll unter anderem durch Eintrittsgelder, durch Mietzahlungen des ERC (bislang 12.000 Euro im Monat) oder durch eine verstärkte Sommernutzung finanziert werden.

Als „realistisches Angebot“, bezeichnen Alexander Schroth, Vorsitzender des Fördervereins, und Volker Auracher, stellvertretender Vorsitzender ERC Waldbronn, die Zahlen. Die „Gegenzahlen“ der Verwaltung, ergänzt der ERC-Vorsitzende Carlheinz Löschner, seien im Einzelnen nicht immer nachvollziehbar. „Wir wollen das alles auf ein sicheres finanzielles Fundament stellen“, so Auracher.

An einem Strang ziehen in Sachen Eistreff Carlheinz Löschner, Alexander Schroth und Volker Auracher (von links). Ein Crowdfunding zur Finanzierung wurde gestartet.
An einem Strang ziehen in Sachen Eistreff Carlheinz Löschner, Alexander Schroth und Volker Auracher (von links). Ein Crowdfunding zur Finanzierung wurde gestartet. | Foto: Klaus Müller

Crowdfunding auf den Weg gebracht

Auf den Weg wurde auch ein Crowdfunding (crowd für Menschenmenge und funding für Finanzierung) gebracht, um Kapital zu sammeln (E-Mail funding@eistreff.net, www.erc-waldbronn.de). Gerechnet wird mit einem Betrag jenseits der 100.000er-Marke.

Abhängig von der Gesellschaftsform können Anteile an der Betreibergesellschaft erworben werden; was auch eine Option für die Gemeinde wäre, um Mitspracherecht und Einsicht in die Geschäftsunterlagen zu erhalten. Vorstellbar, meint Auracher, wäre zudem eine gestaffelte Pacht, die sich abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg erhöhen könnte.

Gemeinderat soll Grundsatzentscheidung treffen

In seiner Sitzung am Mittwoch, 19. Februar, soll laut Bürgermeister Masino der Gemeinderat nun eine Grundsatzentscheidung treffen, ob der Eistreff verkauft werden soll oder eben nicht. Es gehe nicht um eine Entscheidung für oder gegen den Eistreff, betont der Verwaltungschef ausdrücklich. Die Entscheidung war zuletzt vertagt worden.

Stimmung hat sich geändert

Stand der Eistreff vor einigen Monaten im Gemeinderat noch vor dem Aus, hat sich inzwischen die Stimmung doch geändert. Der Tenor dabei: Bei einem tragbaren Konzept, das ohne eine kommunale Trägerschaft der Gemeinde auskomme, könnten sich immer mehr Gemeinderatmitglieder einen Weiterbetrieb des Eistreffs vorstellen.

Mehr zum Thema: Eishallen und Eisbahnen am Oberrhein

Eistreff Waldbronn
In der Saison 2019/20 hat der Eistreff Waldbronn wie folgt geöffnet: freitags von 15 bis 23 Uhr, samstags von 12 bis 23 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr, in den Herbstferien täglich. (Motto-)Partys gibt es freitags und samstags jeweils von 18 bis 22 Uhr.