Den Einkauf im Online-Shop revolutionieren wollen Thorsten Mühling (links) und Michael Bernhard von der Ettlinger Softwareschmiede epoq GmbH mit einem neuen Produkt.
Den Einkauf im Online-Shop revolutionieren wollen Thorsten Mühling (links) und Michael Bernhard von der Ettlinger Softwareschmiede epoq GmbH mit einem neuen Produkt. | Foto: Landengörfer

Gesucht und gefunden

epoq GmbH: Ettlinger mit Künstlicher Intelligenz auf Erfolgskurs

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Eine junge Frau geht ins Schuhgeschäft: Neue Pumps will sie, passend zum Businessanzug, den sie gerade trägt. Die versierte Verkäuferin bringt ihr eine Auswahl Schuhe und lernt schnell im Beratungsgespräch mit der Kundin, was dieser gefällt und was nicht. Rasch ist der passende Schuh gefunden. Sie empfiehlt ihr zusätzlich noch ein paar High Heels, die zur Kleidung und zu einem Theaterbesuch passen.

„So oder ähnlich arbeiten unsere Algorithmen“, sagt Michael Bernhard, Gründer der epoq internet services GmbH – nur eben im online-Handel eingesetzt. „Unsere Intention ist es, Vorteile des stationären Handels in den online-Handel zu übertragen“, erläutert Thorsten Mühling, Chef bei epoq. Das Unternehmen sorge also mit seiner Software dafür, dass sich der Kunde eines online-Shops genauso gut beraten und inspiriert fühlt wie von einem guten Verkäufer eines stationären Ladens.

epoq bietet dem online-Einkäufer Orientierung

Mühling spricht von customer journey – der Reise des Kunden mit mehreren Phasen beim Besuch eines online-Shops: Anbahnung, Information, Beratung und Vergleich, Kaufabschluss, Bezahlung, After-Sale. „Als einziger deutscher Anbieter personalisieren wir die ganze customer journey“, sagt der Betriebswirt. „Das Ganzheitliche, das ist, was uns stark macht.“ Letztlich geht es darum, dem online-Shopper Orientierung, Beratung und Anregungen zu bieten. Nichts schlimmeres, als wenn sich ein Kunde müde klickt oder bei seiner Suche nichts passendes findet. Dann bleibt dieses digitale Warenhaus eben ein undurchdringlicher Dschungel – und ist der nächste online-Shop nur einen Klick entfernt.

Auftraggeber sind TUI, Bogner, notebooksbilliger.de

Auftraggeber, die Mühling und Bernhard nennen können, sind beispielsweise: notebooksbilliger.de, Bogner, Planet Sports, TUI, exlibris, Babor, Picard und Miles & More. Über 550 Integrationen vor allem in Deutschland, Österreich und in der Schweiz kommen insgesamt zusammen.

Die Zeichen stehen auf Wachstum: 2003 gegründet, werde epoq bis zum Jahresende über 40 Mitarbeiter haben. Nach dem Umzug von Karlsruhe ins „Square“-Gebäude in Ettlingen habe man auch mehr Platz.
Das Unternehmen sei von Beginn an profitabel, lege bei den Umsätzen kräftig zu – konkrete Angaben macht epoq dazu aber nicht.

„epoq ist komplett eigenfinanziert“

Komplett eigenfinanziert, versprechen sich die beiden Unternehmer einen weiteren Impuls vom Produkt „epoq my stream“, das demnächst auf den Markt kommt. „Damit sind wir am Puls der Zeit“, sagt Bernhard. Der angelsächsischen Konkurrenz sei man voraus. „Wir verkaufen Autos, die verkaufen nur Ersatzteile“, erklärt der Produktmanager bildhaft. Der Kunde werde bei „epoq my stream“ wie bei einem Instagram-Stream bei seiner Einkaufstour im Internet unterstützt. Künstliche Intelligenz merkt beispielsweise, wenn ein Kunde noch unentschlossen ist und unterstützt ihn beim Stöbern.

VOM GEBÄUDE „SQUARE“ in Ettlingen aus sieht die epoq GmbH reichlich Möglichkeiten für eine Expansion. | Foto: Amann

Künstliche Intelligenz (KI): Das ist ein Stichwort, das viele Endverbraucher schaudern lässt. Bernhard weiß das. Er ist ein deutscher KI-Experte der ersten Stunde. Es sei falsch, wie die Amerikaner auf Datenflut zu setzen. „Das verzerrt die Welt“, betont Bernhard. „Wir machen den europäischen Weg.“ epoq garantiere seinen Auftraggebern, dass KI „bei uns sauber in einer ethischen Form“ eingesetzt werde. Der Physiker Bernhard der auch Philosophie studiert hat, war Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und bringt demnächst als Autor ein Fachbuch in den Handel, auch weil ihm der korrekte Einsatz von KI wichtig sei.

„Unser Credo ist, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und dabei die Persönlichkeit zu wahren“, pflichtet Mühling bei. Die epoq-Software analysiere nur während der Sitzung die Klicks des Kunden. „Es klingt erst mal nach Big Brother, ist es aber nicht.“ Man erfasse keine persönlichen Daten.
Die epoq-Auftraggeber profitierten dank der selbstlernenden epoq-Software von zufriedenen, treuen Kunden, niedrigeren Retouren und können die Beziehungen über den Kauf hinaus mit personalisierten E-Mails pflegen.