Im Hausgarten in Waldbronn stehen die Bienenstöcke von Hedwig Kohler. Die Vorsitzende des Bienen-züchtervereins Ettlingen und Albgau spricht von Einbrüchen bei der Honigernte. | Foto: Weber

Manche Völker ohne Ertrag

Ernte-Einbußen: Lange Gesichter auch bei den Imkern in der Region

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Die Imker haben in diesem Jahr bundesweit deutlich weniger Honig geerntet als im Vorjahr. Die Einbußen trafen besonders den Südwesten. Und wie stellt sich nun die Situation in der Region dar? Ähnlich – die Qualität des Honigs stimmt aber trotzdem.

Von unserem Mitarbeiter Gustl Weber

Seit 19 Jahren widmet sich der evangelische Pfarrer im Ruhestand, Horst Buck in Karlsbad-Spielberg, der Imkerei. Seine Bienenstöcke stehen am heimischen Waldrand in idyllischer Lage, inmitten einer sehr vielfältigen Vegetation. „Noch nie habe ich erlebt, dass drei meiner acht Bienenvölker völlig ohne Ertrag waren“, so Buck. Der Durchschnitt lag bei gerade mal knapp elf Kilogramm pro Volk.

Ertragseinbruch in neuen Dimensionen

Rainer Quellmalz aus Ettlingen-Oberweier gehört seit über 30 Jahren zu den erfahrenen Akteuren in Sachen Imkerei. Trotz Reduzierung pflegt er heute noch immer 16 Bienenvölker. Sein durchschnittlicher Ertrag lag in diesem Jahr bei zwölf bis 13 Kilo pro Volk. Dabei kann man in guten Jahren, je nach Standort, zwischen 25 und 40 Kilogramm erreichen. „Einen Einbruch in dieser Größenordnung habe ich seit Jahren nicht mehr gehabt. Klar ist allerdings, dass es schon immer gute und schlechte Jahre gab“, so Quellmalz, der seine Produkte auf dem Ettlinger Wochenmarkt anbietet. Auf elf Kilogramm pro Volk kam Hedwig Kohler mit ihren vier Völkern im Hausgarten in Waldbronn. Sie ist seit diesem Jahr Vorsitzende des „Bienenzüchtervereins Ettlingen und Albgau“ mit seinem Lehrbienenstand mit Vereinsheim im Waldgebiet bei Ittersbach.
Zwischenzeitlich zählt der Verein über 120 Mitglieder, darunter auch zahlreiche jüngere „Neu-Imker“. „Bei unserem letzten monatlichen Imkertreff mit über 40 Aktiven wurde der schlechte Ertrag, bis zum totalen Einbruch, auf breiter Basis bestätigt“, berichtet Hedwig Kohler.

Imker mussten zufüttern

Doch woran liegt es? Wichtig sei die Temperatur in Februar und März, da dort die ersten Pollen und Nektar zur Förderung der Brut eingetragen werden. Hier war es schon noch recht kalt. Dann gab es im April mit Beginn der Obstblüte zunächst recht gute Ansätze. Die folgenden drei bis vier Wochen waren wieder zu kalt, und den bis dahin eingetragene Honig mussten die Bienen überwiegend zur Fütterung der Brut verwenden. Viele Imker haben in dieser Zeit sogar zufüttern müssen. Horst Buck verweist zudem auf eine Ostwindphase im Frühjahr, in der die Bienen nicht flogen. Ein weiterer Grund der schlechten Ernte ist nach seiner Auffassung auch der extrem trockene Sommer im vergangenen Jahr, der in diesem Frühjahr für eine veränderte Vegetation sorgte.

Milbe aus Asien bereitet Sorge

Sorge bereitet den Imkern seit Jahren die aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Varroa-Milbe, die sich in die Brut setzt und ohne Gegenbehandlung, die heute mit biologischen Mitteln passiert, diese komplett auffressen würde. Nicht förderlich für die Imkerei sind bekanntlich auch die zum Teil schon industriellen Monokulturen in der Landwirtschaft mit großen einheitlichen Flächen mit Einsatz von Insektenbekämpfungsmitteln. Positiv gesehen wird hier der Trend zur biologischen Landwirtschaft. „Wir hier in Baden haben trotzdem noch eine recht günstige, eher kleinteilige Landschaft mit Biotopflächen für unsere Imkerei“, so das Fazit von Rainer Quellmalz.