Vom Gebäude der ehemaligen entory-AG blickt man auf den Grünzug Richtung Karlsruhe, der Baugebiet werden soll. | Foto: Fabry

Wohnraum für 900 Menschen

Kaserne Nord soll neues Baugebiet in Ettlingen werden

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Schleifweg /Kaserne Nord heißt ein neues Baugebiet, das Ettlingen plant. Das Gelände, das sich an den neuen Teil der Rheinlandkaserne anschließt, ist landwirtschaftliche Fläche. Es wird begrenzt von der Karlsruher Straße  und  der Ludwig-Erhard-Straße, liegt gegenüber von Neuwiesenreben.   Dort könnten laut Verwaltung  480 Wohneinheiten entstehen. Das entspricht Wohnraum für  gut 900 Menschen. Bis allerdings die Bagger anrollen, wird es noch eine Weile dauern, denn es gibt bislang keinen Bebauungsplan. Da  es dort diveres Grundstückeigentümer gibt , denkt man an ein Umlegungsverfahren nach dem Vorbild von „Gässeläcker“ in Oberweier.

OB hofft auf Baubeginn 2021

„Wenn wirklich alles gut läuft, reden wir über einen Baubeginn 2021“,  so  Oberbürgermeister Johannes Arnold im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats.  Für Schleifweg / Kaserne  Nord erarbeitete das Büro Astoc in Köln einen Rahmenplan. Demnach sind gut 43 000 Quadratmeter fürs Wohnen vorgesehen und rund 15 000 für Gewerbe in drei Gebäuden entlang der Karlsruher Straße. Ein viertes Gebäude darf auch höher ausfallen, um so einen  städtebaulichen Akzent am Ettlinger Stadteingang zu setzen.

Geschosswohnungsbau und Gewerbe

Angedacht ist in Schleifweg / Kaserne Nord  eine winkelförmige, drei- bis viergeschossige Wohnbebauung, außerdem ein zentraler Quartierplatz, wo beispielsweise soziale Einrichtungen geschaffen werden oder sich kleinere Läden ansiedeln könnten. Als Begrenzung zur freien Landschaft hin beziehungsweise zum Grünzug sind Einzelbaukörper vorgesehen. Abstand nimmt die Planung von dem, was mal als Fortsetzung der Kasernenbebauung Ende der 1990er-Jahre geplant war: Ein streng von Nord nach Süd orientiertes Bebauungssystem, erschlossen via Sackgassen und Wendeflächen.

Nicht so dicht wie Oberes Albgrün (Archivbild) bebaut werden soll laut Planungsamt Ettlingen das Gebiet Schleifweg / Kaserne Nord. | Foto: Alabiso

Nicht so dicht wie Oberes Albgrün

Statt dessen setzt Astoc auf eine ringförmige Erschließung und verabschiedet sich zudem von früheren Reihenhauslösungen. Auf die Weise steht ein Drittel mehr Wohnfläche zur Verfügung als bei der 20 Jahre alten Überlegung. Zudem wird weniger neue Fläche verbraucht. Außer einer Quartiertiefgarage soll es auch unter den einzelnen Gebäuden Stellplätze geben. Stadtplanungsamtsleiter Wassili Meyer-Buck ließ wissen, die Bebauung sei zwar kompakt, aber „nicht so dicht wie die im Oberen Albgrün“.

EnBW ist mit im Boot

Mit im Boot beim Projekt  Schleifweg / Kaserne Nord ist die EnBW, die Kommunen anbieten , ihren Innovationscampus für intelligente Quartierslösungen zu nutzen. Vertragliche Verpflichtungen sei die Stadt damit nicht eingegangen, so Rathauschef Arnold auf eine Frage aus dem Ausschuss. Die EnBW hat sich Gedanken über die Energieversorgung im Gebiet gemacht (etwa Blockheizkraftwerk), außerdem über E-Mobilität (Stichwort Ladelösungen in Tiefgaragen/öffentliches Laden), öffentliches WLAN und Straßenbeleuchtung.

Ausschuss nicht nur begeistert

Im Auschuss waren die Reaktionen zunächst gemischt. Die CDU sprach sich dafür aus, die Planung aus dem Jahr 1997 nicht fallen zu lassen. Vor allem junge Familien seien  auf der Suche nach Reihenhäusern. Grundsätzlich, so Lorenzo Saladino, sei man aber froh, dass sich in Sachen mehr Wohnraum etwas tun werde. Simon Hilner (SPD) warb auch für sozialen Wohnungsbau in dem Gebiet. Reinhard Schrieber (Grüne) lobte das innovative Energie- wie Mobilitätskonzept. Er wollte aber zur weiteren Begleitung ein Projektteam eingesetzt wissen, in dem sich neben der Verwaltung Vertreter des Gemeinderats engagieren. Das soll geschehen. Uwe Künzel (FE) regte an, die Stadtwerke und den Ettlinger Klimaschutzmanager einzubeziehen. Für die Freien Wähler setzte Berthold Zähringer Fragezeichen hinter das EnBW-Quartierskonzept. Tenor: „Was will man damit überhaupt  erreichen?“