Hanspeter Münch lebt seit 40 Jahren in Ettlingen. Die Stadt würdigt den Künstler zum 80. Geburtstag mit einer Sonderschau im Schloss.,
Hanspeter Münch lebt seit 40 Jahren in Ettlingen. Die Stadt würdigt den Künstler zum 80. Geburtstag mit einer Sonderschau im Schloss., | Foto: Bentz

Kultur

Ettlingen würdigt Hanspeter Münch mit Sonderausstellung – Künstler wird 80

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Mit einem Rekordbesuch rechnet das Ettlinger Museum und hat sich dafür gewappnet: Die Vernissage „Hanspeter Münch – Lebensraum Farbe“ wird am Sonntag ab 11.30 Uhr vom Rittersaal in die Städtische Galerie übertragen, damit möglichst viele Gäste das Geschehen mitbekommen.

„Wir haben schon jetzt mehr als 300 Anmeldungen und immer noch kommen Zusagen zurück“, erzählt Museumschefin Daniela Maier. Wen wundert‘s, gehört Hanspeter Münch doch zu den bekanntesten Künstlern in der Stadt, hat zudem eine nationale Fangemeinde.

Im Schloss, in der Schlossgartenhalle, in Banken und anderen gewerblichen Räume hat er an Wänden und Decken seine Spuren hinterlassen. Grund genug, ihn zum 80. Geburtstag, den er im Sommer feiern wird, mit einer Ausstellung zu würdigen.

Hanspeter Münch wurde in Potsdam geboren und studierte zwischen 1963 und 1966 Malerei sowie Kunstgeschichte an der Staatlichen Kunstakademie in Stuttgart. Seine Studien setzte er dann an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg fort.
Von 1969 bis 1974 hatte er ein Atelier in Frankfurt am Main. Mitte der 1970er Jahre zog es ihn nach London, weitere Stationen seines Werdegangs waren die Villa Romana in Florenz und die Villa Massimo in Rom. Zwischen 1974 und 1985 hatte Münch einen Lehrauftrag für Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, wo er seit 1982 auch Honorarprofessor ist.
Er realisierte ab Mitte der 1980 Jahre viele architekturbezogene Arbeiten wie Wandbilder, Deckengemälde und Glasfenster. Zahlreiche Einzelausstellungen, etwa im Badischen Kunstverein Karlsruhe, in Galerien im In- wie Ausland, im Augustinermuseum Freiburg oder auch in der Städtischen Galerie im Karmeliterkloster in Frankfurt liegen hinter ihm. Hanspeter Münch wohnt und arbeitet seit 40 Jahren in Ettlingen.

Nicht zum ersten, sondern schon zum vierten Mal, hat Münch nachgerechnet. 42 Arbeiten Acryl auf Leinwand sowie eine limitierte Auflage an Siebdrucken hat er für die Sonderschau ausgesucht und mit entschieden, wo welches Werk gehängt werden soll. Das macht er immer so, denn eine dramaturgische Spannung ist Münch wichtig.

Bilder entstanden in den Ateliers in Ettlingen und Ligurien

Die meisten seiner farbenfrohen Bilder sind in den vergangenen fünf Jahren entstanden – sowohl in Ettlingen, als auch in seinem Atelier in der Nähe von Imperia (Ligurien). Dort verbringt er mehrere Monat im Jahr, lasse sich vom „besonderen Licht und der Landschaft inspirieren“, sagt der Bald-Jubilar beim Vorabrundgang.

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Ältere Werke im Dialog mit den Zeitgenössischen

Um zu zeigen, wie sich Münchs Stil im Laufe der Zeit verändert hat, präsentiert das Museum auch einige seiner Werke aus den 1990er Jahren im Dialog mit den Zeitgenössischen. Der Unterschied? „Ich habe früher viel mehr Lasuren verwendet, heute sind meine Arbeiten heller und transparenter“, erklärt der 79-Jährige. Noch immer entstehen seine „Modulationen“, wie er sagt, auf dem Boden und nicht an der Staffelei .

Die Malerei ist mein Leben

Hanspeter Münch

„Das Bein zwickt dann schon mal“, meint er augenzwinkernd, um gleich hinzuzufügen, dass er nicht ans Aufhören denke. „Die Malerei ist mein Leben. Ich bin wie ein Pianist, der sich jeden Tag ans Klavier setzt“. In Münchs Werken sind fein nuancierte Farbschleier hell und warm leuchtend bis zu nebelhafter, kühler Dichte übereinandergelegt, lasierend modulierend bis kraftvoll dynamisch. Seine komplexen Farbräume wecken Assoziationen zu Motiven aus dem Naturraum.

Inspiration beim Besuch englischer Gärten

Eine Reise nach Cornwall und der dortige Besuch englischer Gärten lieferten Hanspeter Münch beispielsweise die Basis für „In the lost gardens of Heligan I, II“, zwei Arbeiten, die den Betrachter unwillkürlich an Blumensträuße denken lassen, wiewohl diese konkret nicht erkennbar sind.

Und genau das möchte der Künstler: Dass sein Publikum der Fantasie freien Lauf lässt, sich einfach hineinziehen lässt ins so typische Münch‘sche Farbenmeer.

Zeitgleich Ausstellung in Chur in der Schweiz

Neben dem Museum Ettlingen widmet sich derzeit übrigens auch das Forum Würth im schweizerischen Chur der Malerei des gebürtigen Potsdamers.

Dem finanziellen Engagement von Mäzen und Sammler Reinhold Würth („wir kennen uns seit langem und schätzen uns“) ist es zu verdanken, dass zur Sonderschau dort ein Katalog gedruckt werden konnte, der nicht nur die in der Schweiz gezeigten 40 Werke umfasst, sondern auch einen Blick auf das wirft, was in Ettlingen zu sehen ist. Er liegt zur Vernissage im Schloss aus.

Die Würdigung darin stammt von der Kunsthistorikerin Andrea Nisters aus Speyer, die bei der Vernissage am Sonntag die Laudatio auf Münch hält.

Hanspeter Münch „Lebensraum Farbe“ bis 19. April in der Städtischen Galerie im Ettlinger Schloss. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Künstlergespräch mit Hanspeter Münch in der Ausstellung am Mittwoch, 4. März, um 18 Uhr. Weitere Infos gibt es hier.