Morgenstimmung: Die Sonne bestrahlt die Ettlinger Rathausfassade und den Rathausturm. | Foto: Johannes-Christoph Weis

Rathausglocken machen Mut

Ettlinger Coronavirus Tagebuch: „Danke für diesen guten Morgen“

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Das Coronavirus Tagebuch aus Ettlingen und Umgebung schreibt in seiner neunten Auflage über ein Lied, das jeden Morgen in Ettlingen die Stimmung aufhellt, ein Marxzeller Reisebüro, das um seine Provisionen bangt, und Arbeiten während der Schließung der Siebentälertherme in Bad Herrenalb.

Die Straßen sind fast menschenleer, Geschäfte und Cafés geschlossen – würde die Frühlingssonne nicht so unermüdlich strahlen, könnte man von Geister-Atmosphäre sprechen. Neben der Sonne verbreiten auch das Rathaus-Glockenspiel in der Ettlinger Altstadt Optimismus:

Jeden Morgen um halb zehn Uhr erklingt die Melodie von Martin Gotthard Schneiders „Danke für diesen guten Morgen“. Zwar spielen die Glocken das Lied, das es in den 1960er Jahren in die deutsche Hitparade schaffte, nicht erst seit Beginn der Corona-Epidemie – gerade jetzt scheinen die Textzeilen aber besonders gut zu passen.

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Fitnessstudio schloss früher

Mario Hirschler, Leiter eines Fitnessstudios in Rheinstetten und Vorsitzender des Hilfevereins „Sentiree“ ist gut vernetzt. Er hat viele Freunde in Österreich. Vielleicht hat die strenge Ansage des dortigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz ihm imponiert. Er schloss sein Studio bereits am Sonntag, 15. März.

Gleichzeitig stornierte er bei treuen Dauerkunden die Abbuchungen. Tenor: „Schwierige Zeiten erfordern schnelle Entscheidungen. Ich möchte, dass meine Kunden nach der Krise wieder kommen.“ Jetzt gelte es, den Gürtel enger schnallen.

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Wenn es sehr lange mit seiner Auszeit gehe, sei er auch bereit, als Regalauffüller zu arbeiten. „Die werden ja
gesucht“, sagt Hirschler in ernsthaftem Ton.

Hat Solidarität „kurze Beine“?

Eine lebhafte Diskussion gibt es aktuell laut der Marxzeller Reisebürobesitzerin Alexandra Heußner unter Reisebüros in den branchenspezifischen Social-Media-Gruppen über die Rückzahlung von Provisionen.

„Unsere Handelsherren schreiben uns E-Mails, drücken ihr Bedauern aus, beklatschen uns, wie tapfer wir sind und fordern uns auf, die Kunden zu informieren, zu betreuen und ihnen Umbuchungen schmackhaft zu machen“, meint die Dame von Terrasol-Reisen in einem E-Mail an das Corona Tagebuch. Die Solidarität habe aber kurze Beine.

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Rückbuchung von Provisionen

Einige Reiseveranstalter, die durch üppige Staatshilfen abgesichert würden, buchten bereits an Reisebüros bezahlte Provisionen zurück. Sie werde „an jeden Veranstalter schreiben, dass er nicht mehr abbuchen darf, so lange die Provisionsfrage nicht gelöst ist“, so Heußner. Wenn Bund und Land ihre Provisionen übernehmen, werde sie sofort reagieren und die Summe zurück überweisen.

Reparatur statt Badesaison

Die Zwangspause in der Siebentälertherme Bad Herrenalb beschert jeden Monat einen Verlust von 40.000 Euro. | Foto: Dietmar Glaser

Seit 14. März 2020 ist die Siebentäler Therme geschlossen. Daran wird sich bis 30. April nichts ändern. So bestimmt es die Allgemeinverfügung von Bad Herrenalbs Bürgermeister Klaus Hoffmann. Etliche Mitarbeiter feiern jetzt Überstunden ab. „Aber mittelfristig kommen wir um das Thema Kurzarbeit nicht herum“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführerin Karina Herrmann.

Die Zwangspause will sie nutzen, um Revisionsarbeiten vorzuziehen. Normalerweise geschieht das am Ende der Thermalbadsaison, also Ende Juni. Böden werden überarbeitet, Reparaturen gemacht, zum Beispiel an den Unterwasserlautsprechern. Notwendige Arbeiten an Pumpen und Fliesen sind bereits vergeben. Trotz kostensenkender Maßnahmen rechnet Herrmann mit rund 40.000 Euro Verlust pro Monat.

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