Schichtbetrieb, Kurzarbeit und geschlossene Bäder- Stadtwerkechef Eberhard Oehler ist an vielen Fronten gefordert. | Foto: hei

Corona-Krise trifft Versorger

Ettlinger Stadtwerkechef: „Für die Bäderöffnung gilt das Prinzip Hoffnung“

Anzeige

Eberhard Oehler ist seit beinahe 30 Jahren Chef der Ettlinger Stadtwerke. Die Corona-Krise hat auch sein 260 Mitarbeiter starkes Unternehmen getroffen. Es geht um Kurzarbeit, Schichtbetrieb und Verluste  durch weiterhin geschlossene Bäder.

In Ettlingen  gehen  nicht alle Baustellen der Stadtwerke  derzeit so richtig voran. Woran  liegt`s?

Oehler:  Das hat verschiedene Gründe. Unsere Netzgesellschaft, die  im Leitungsbau in Ettlingen aktiv ist, konnte beispielsweise die Baustelle im Musikerviertel nicht wie geplant Ende April fertig stellen, sondern es wird hier Ende Juni. Die Heizzentrale steht zwar, es hapert im Quartier aber beim Rohrleitungsbau. In der Corona-Krise arbeiten die Baufirmen nicht in gewohntem Umfang. Es gibt teilweise auch  Engpässe bei der Materialanlieferung.

Wir haben unsere Netzgesellschaft so organisiert, dass immer die Hälfte der Mitarbeiter 14 Tage im Dienst ist und die andere im Homeoffice. Diejenigen, die präsent sind, rücken auch bei Störungsfällen oder Versorgungsunterbrechungen aus. Wenn Reparaturen anfallen oder Ersatzteile eingebaut werden müssen, beliefert unsere Werkstatt die Betreffenden kontaktlos.

Mit diesem Schichtbetrieb, bei dem sich die Mitarbeiter nicht begegnen, haben wir eine reine Vorsichtsmaßnahme für unsere Versorgungssicherheit getroffen. Sollte Corona-Quarantäne für den einen Teil der Belegschaft notwendig werden, stellt der andere die Einsatzfähigkeit der Netzgesellschaft sicher. Bislang war das zum Glück nicht notwendig. Wir hoffen, Anfang Juni wieder den Regelbetrieb aufnehmen zu können.

Was ist mit Kurzarbeit im Unternehmen?

Oehler: Kurzarbeit zu 100 Prozent haben wir beispielsweise in unserem Veranstaltungszentrum Buhlsche Mühle. Wir hätten dort eigentlich jedes Wochenende für zwei Hochzeiten vermietet und in einem normalen Jahr unter der Woche für Tagungen und Seminare. All das ist seit Mitte März komplett weggebrochen. Wir werden das auch 2020 nicht mehr aufholen, selbst wenn jetzt wieder Veranstaltungen bis 100 Personen erlaubt sind. Allein in der Buhlschen Mühle kostet uns der Corona-Shutdown 50.000 Euro pro Monat. Abschreibungen stehen dort keinerlei Einnahmen gegenüber.

Auch interessant: Pack die Abstandsnudel ein: Freibäder starten in die Saison 

 Und das Kerngeschäft, Strom, Gas, Wasser?

Oehler: Beim Strom haben wir im April gut 17 Prozent weniger an unsere großen Gewerbe- und Industriekunden verkauft. Die verordnete Schließung in der Gastronomie oder auch die wegfallenden Dienstleistungen bei Freiberuflern haben zwar auch dort den Stromabsatz einbrechen lassen. Das wird aber nach einer ersten groben Schätzung dadurch kompensiert, dass unsere Privatkunden mehr zu Hause waren und dort mehr Strom verbraucht haben.

Man kann sagen: Gastronomie und Kleingewerbe haben 40 bis 60 Prozent weniger Strom verbraucht.  Privathaushalte 20 Prozent mehr. Wegen Herabsetzung der Vorauszahlungen haben etwa zwei Dutzend Betriebe bei uns angefragt. Denen sind wir entgegengekommen, da die Stadtwerke nicht diejenigen sein wollen, die bei den Betreffenden für Liquiditätsprobleme sorgen.

Beim Gas und in der Wärmeversorgung hatten wir eine für die Jahreszeit übliche Abnahme. Da hat Corona nicht durchgeschlagen. Ärgerlich sind für mich Verschwörungstheorien, wonach sich das Corona-Virus über die Trinkwasserversorgung ausbreite. Die Kontrolle unseres wichtigsten Lebensmittel durch Gesundheitsamt und Labore ist in dieser Zeit genauso sichergestellt wie sie es vor Corona war.

Auch interessant: In Corona-Krise kein Wachdienst an Badeseen

Was ist mit den Bädern, die den Stadtwerken ja auch jenseits von Corona jedes Jahr ein Millionen-Defizit bescheren? Sie sind immer noch zu.

Oehler: Da gilt das Prinzip Hoffnung, Mitte Juni mit dem Freibadbetrieb wieder beginnen zu dürfen. Eigentlich wäre Start am 1. Mai gewesen. Jeder nicht geöffnete Monat kostet uns bereinigt 200 000 Euro. Wir haben in den Bädern 36 Menschen beschäftigt. Sie arbeiten teilweise kurz, teilweise haben wir sie  andernorts eingesetzt, etwa auf unseren Grüngutplätzen, oder wir haben sie an den kommunalen Ordnungsdienst der Stadt ausgeliehen. Ich gehe davon aus, dass wir ins Albgaufreibad vielleicht 1.000 Leute täglich reinlassen dürfen. Sonst haben wir dort im Sommer bis zu 4.500 Gäste an einem heißen Tag.

Gleiches gilt für den Buchtzigsee. Im kleineren Waldbad Schöllbronn werden sicher nur in paar hundert Besucher am Tag erlaubt sein. Es wird ein Badebetrieb mit Online-Tickets, die man bis zu drei Tage im Voraus kaufen kann. Wir brauchen wegen der Corona-Vorschriften auf jeden Fall mehr Personal und Security. Das Hallenbad bleibt wohl noch eine Weile zu, bei der Sauna sehe ich gar keine Öffnung mehr in diesem Jahr. Das Lehrschwimmbecken könnte man separat für den Schulunterricht betreiben, wann sich da etwas tut, wissen wir aber zur Stunde auch noch nicht.

Auch interessant: Karlsruher Schwimmbäder nutzen die Corona-Zwangspause

In der jüngeren Vergangenheit haben die Stadtwerke  zur Freude der Stadt ein positives Jahresergebnis geliefert. Wie sieht‘s 2020 aus?

Oehler: Das werden wir mit Sicherheit nicht schaffen. Ich gehe auch nicht von einer schwarzen Null, sondern einem sechsstelligen Minus aus. Das ist für uns aber noch nicht bedrohlich.