St. Martin ist Ettlingens ältestes Bauwerk und berühmt für das Deckengemälde von Emil Wachter. Eine Generalsanierung steht an. | Foto: jcw

Sanierung: 3,6 Millionen Euro

Finanzspritze für St. Martin Ettlingen

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St. Martin ist Ettlingens ältestes Gebäude mit Relikten aus der Römerzeit. Obendrein ist die Kirche ein kulturhistorisches Bauwerk von zentraler Bedeutung. Sie bildet zusammen mit dem Schloss und dem Rathaus den Kern der historische Altstadt. Bei Stadtführungen sind Gäste vor allem vom Deckengemälde des Rheinstettener Ehrenbürgers Emil Wachter begeistert und beeindruckt gleichermaßen.

Jetzt steht eine Generalsanierung des Gebäudes an, bei der sich auch die Stadt Ettlingen in der Verpflichtung sieht. Entsprechend beschäftigte sich der Gemeinderat jüngst mit der Frage, in welchem Umfang das Vorhaben finanziell gefördert.

Gemeinderatsmehrheit deckelt den Zuschuss

Das Resultat: Es gibt einen Zuschuss von maximal 160.000 Euro für die Renovierung des Innenraumes (inklusive des Deckengemäldes) und eine Finanzspritze in Höhe von maximal 664.000 Euro für die anderen Sanierungsarbeiten an St. Martin. Mit dem Beschluss, die Förderung auf konkrete Beträge zu deckeln, folgte eine knappe Mehrheit des Gemeinderats dem Antrag der Fraktion Für Ettlingen/Freie Wähler und stellte sich gegen den Vorschlag der Verwaltung.

Wir haben Spielregeln

Herbert Rebmann (FE/Freie Wähler) argumentierte, es gebe bei den Förderrichtlinien der Stadt „Spielregeln, an die wir uns halten sollten“.Man wolle keine „nebulöse Lösung“, sondern eine Obergrenze fixiert haben und zwar mit konkreten Zahlen. Kirstin Wandelt pflichtete für die SPD genauso bei wie Reinhard Schrieber (Grüne). „Die Tür für die Kirche ist damit nicht zugeschlagen. Wenn die Renovierung am Ende teurer kommt, müssen wir uns im Gemeinderat eben nochmals damit beschäftigen“, lautete der Tenor bei den Befürwortern einer finanziellen Deckelung.

Wir sollten verlässlicher Partner sein

Die CDU hielt durch ihren Fraktionsvorsitzenden Albrecht Ditzinger dem entgegen, die Kommune solle der Kirche ein „verlässlicher Partner sein“ und sie bei dem anspruchsvollen Vorhaben „nicht im Stich lassen“.Ähnlich die Haltung von OB Johannes Arnold, der den Vergleich mit der Schloss-Sanierung vor ein paar Jahren zog und davon sprach, dass „ wir dumm aus der Wäsche geschaut hätten, wenn das Land seinen Zuschuss damals gedeckelt hätte“.

Projekt soll 3,6 Millionen Euro kosten

Er gehe davon aus, dass die Kirche „größtes Interesse“ daran habe, die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Der Einwand Arnolds half nichts; die Ratsmehrheit schloss sich Rebmann an. Insgesamt ist das Projekt St. Martin auf rund 3,6 Millionen Euro kalkuliert. Der Ettlinger Architekt Matthias Buchmüller ist damit befasst.

Dach und Fassaden marode

Er stellte den Volksvertretern die insgesamt sechs Bauabschnitte vor und lieferte ein paar Schadensbilder von Dach, Turm und Fassaden. Unter anderem muss das Dach des Langhauses und des Chörles komplett neu eingedeckt werden mit Biberschwanzziegeln, die Sandsteinflächen an den Fassaden und Gewänden müssen instand gesetzt werden, außerdem ist die Reinigung aller Wand und Deckenflächen (inklusive Wachter-Gemälde) erforderlich. Die elektroakustische Anlage von St. Martin soll erneuert, die Heizung von Gas auf Nahwärme umgestellt werden.

Sanierungsstart noch 2018?

Auf BNN-Nachfrage sagte der stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende Norbert Clour, die Seelsorgeeinheit Ettlingen-Stadt sei froh über die kommunale Unterstützung. Die vorgesehenen Arbeiten und ihre finanziellen Auswirkungen müssten noch durch das Denkmalamt und das Erzbischöfliche Bauamt genehmigt werden. „Wenn möglich, wollen wir noch 2018 anfangen“. St. Martin werde während der Renovierungszeit bedingt nutzbar sein. Für Gottesdienste könne man auch auf Herz Jesu und Liebfrauen ausweichen. Die Sanieurng wird zwei Jahre dauern.