Geschlossenes Fitnessstudio
In vielen Fitnessstudios und bei anderen nicht lieferbaren Dienstleistungen erhalten Kunden Gutscheine. | Foto: Jonas Walzberg/dpa

Nervöses Muskelzucken

Fitnessstudios wollen nach Corona-Schließung schnell wieder öffnen

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Seit rund sieben Wochen bleiben die Hanteln und Trainingsgeräte in den Fitnessstudios in Baden-Württemberg unberührt. Um die Infektionsketten des Coronavirus zu unterbrechen, wurden die Studios, in denen oft viele Menschen gleichzeitig auf engem Raum trainieren, Mitte März geschlossen.

Sabine Gebarski kann das nicht nachvollziehen. Sie würde ihr Sportstudio „easyfit“ in Waldbronn am liebsten sofort wieder öffnen. „Ich könnte mir zum Beispiel einen Zirkelbetrieb vorstellen, sodass drei Trainierende eine halbe Stunde lang im Wechsel trainieren können und dann das Studio verlassen. Umkleidekabinen bleiben gesperrt.“ Auch das Benutzen von Einwegshandschuhen und das Tragen eines Mundschutzes beim Training sei vorstellbar.

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Siebenseitiges Schreiben an Waldbronner Bürgermeister

An Bürgermeister Franz Masino schickte sie einen offenen Brief, den mehrere Fitnessstudio-Betreiber in ganz Deutschland verbreitet hatten. Darin heißt es etwa: „Das Trainieren in Fitness- und Gesundheitsstudios leistet einen relevanten Beitrag dafür, dass das Immunsystem der Menschen gestärkt wird und damit auch die Risikogruppen reduziert werden.“

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In dem insgesamt siebenseitigen Schreiben ist als Anhang eine medizinische Studie zur Bedeutung von Bewegung und Muskeltraining beigefügt. Und es beinhaltet ein erstes Konzept, wie die Öffnung in der Praxis aussehen könnte. So sollen unter anderem einzelne Geräte gesperrt werden, um den Mindestabstand einhalten zu können. Auch von einer durchschnittlichen Trainingsfläche von zehn Quadratmetern pro Trainierendem ist die Rede.

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Landesregierung hat Betriebsverbot verlängert in der Corona-Krise

Ob diese Vorschläge in der Politik Gehör finden werden, ist noch vollkommen unklar. Die Landesregierung hat das Betriebsverbot für Fitnessstudios gerade erst wieder verlängert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) deutete allerdings bereits an, dass er sich eine schnelle Wiedereröffnung vorstellen könnte. „Partys oder Volksfeste bergen ein extrem hohes Risiko. Wer dagegen mit dem nötigen Abstand zu anderen in einem Geschäft einkaufen geht oder sich beim Sport im Fitnessstudio fit hält, sollte das tun können“, sagte Spahn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ein Studio-Betreiber aus Baden-Württemberg versuchte bereits, das von der Landesregierung verhängte Verbot zu kippen. Er zog bis vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, doch Ende April scheiterte er dort – zumindest vorläufig im Eilverfahren. Sein Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass die beeinträchtigte Berufsfreiheit gegenüber den bestehenden Gefahren für Leib und Leben zunächst zurücktreten müsse. Das Gericht bewertete die Klage aber nicht als komplett aussichtslos, sie bedürfe jedoch einer eingehenden Prüfung.

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Verbraucherzentrale empfiehlt Mitgliedern Kontaktaufnahme

Für die Kunden der Fitnessstudios hat die Schließung unterschiedliche Auswirkungen. Manche Studios verzichten komplett auf den Einzug von Mitgliedsbeiträgen. Andere ziehen die Beiträge zwar ein, verlängern den Vertrag jedoch kostenlos um die ausgesetzten Monate.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt den Mitgliedern, sich aufgrund der Beiträge mit den Betreibern in Verbindung zu setzen. Eine Gutschein-Lösung, wie sie derzeit in der Bundesregierung diskutiert wird, lehne die Verbraucherzentrale ab. Rund elf Millionen Mitglieder sind bundesweit in Fitnessstudios angemeldet.