Fabian Link, Stefan Löffler und Adrian Ortmann (von links) sind FPV-Piloten im Team "KA-Nickel".
Fabian Link, Stefan Löffler und Adrian Ortmann (von links) sind FPV-Piloten im Team "KA-Nickel". | Foto: cf

Team „KA-Nickel“

Fliegen wie bei Star Wars: FPV-Racing ist Rennsport mit Drohnen

Anzeige

Teurer als Golfspielen, mindestens so zeitaufwendig wie ein Teilzeitjob, aber dafür fliegen wie bei Star Wars: FPV-Racing, also Rennsport mit Drohnen, bestimmt den Alltag von Adrian Ortmann fast vollständig. Der Eggensteiner hat zusammen mit vier anderen Hobbypiloten das FPV-Racingteam „KA-Nickel“ gegründet. Die Mitglieder bestreiten Hochgeschwindigkeitsrennen in der Luft mit Quadrocoptern – und erleben dank Videotechnik alles aus der Cockpit-Perspektive.

„FPV“ steht für den englischen Begriff „first person view“. Das bedeutet, die Piloten erleben den Flug aus der Sicht des Copters, den sie steuern. Auf diesem ist eine kleine Kamera montiert, die ihr Videobild in Echtzeit an die Videobrillen der Piloten überträgt. Das ist wie fliegen. Allerdings nicht mit Vogel-Geschwindigkeit, sondern wesentlich schneller. Rund 150 Kilometer pro Stunde erreichen die kleinen Fluggeräte in der Spitze. Für die Piloten bedeutet das eine große Verantwortung, aber auch eine gehörige Portion Adrenalin. Und natürlich Spaß.

Picknick mit Lötkolben

Wenn sich die „KA-Nickel“-Piloten Adrian Ortmann, Stefan Löffler und Fabian Link alias „Ronny5“, „EumelFPV“ und „FlinkiFPV“ – so lauten ihre Pilotennamen – zum Training treffen, ist von Hochspannung allerdings erst mal nichts zu spüren. Es herrscht Picknickatmosphäre. Klappstühle werden auf- und Getränke bereitgestellt, jeder packt erst einmal in Ruhe den Rucksack aus. Was dann aber zum Vorschein kommt, hat mit einem Picknick wenig zu tun: Mehrere Quadrocopter, kleine unbemannte Luftfahrzeuge mit jeweils vier Motoren, die je einen Propeller antreiben, eine Vielzahl an Lithium-Polymer-Akkus, Werkzeug und sogar Lötkolben liegen Minuten später bereit. Kurz darauf zerschneiden drei Copter surrend die Luft über dem Sportplatz, fegen durch Tore und biegen scharf um Fahnen und Wimpel. So schnell, dass die Renn-Drohnen mit bloßem Auge fast nicht mehr erkennbar sind.

Begriff „Drohne“ verpönt

Mit den schwebenden Drohnen, die Pakete ausliefern, Dachrinnen kontrollieren und Rehkitze im hohen Gras aufspüren, haben die Racing-Copter allerdings nicht viel gemeinsam. Die Bezeichnung „Drohne“ sei in der FPV-Szene deshalb verpönt, erklärt auch Ortmann. Drohnen sind unbemannte Luftfahrzeuge – so weit sind sich FPV-Copter und „herkömmliche Drohnen“ gleich. Was die Renn-Drohnen jedoch unterscheidet, ist die Tatsache, dass diese nicht selbstständig fliegen können. Die schnellen Fluggeräte fliegen nur dorthin, wo der Pilot hinter der Videobrille sie hinmanövriert. Beim FPV-Racing kommt es also besonders auf die ruhige Hand, die ausgeprägte Reaktionsfähigkeit und letztlich auch auf die Nerven der Piloten an.

Mehr zum Thema: Jägervereinigung Karlsruhe will Rehkitze mit Drohnen retten

Mit einem Video fing alles an

Am Anfang von Ortmanns FPV-Faszination stand ein Youtube-Video. Das war ungefähr 2014, etwa um die Zeit, als der FPV-Motorsport als Amateursport in Australien zum ersten Mal weltweit von sich reden machte. Im Video lenkten FPV-Piloten ihre mit LED-Leuchten ausgestatteten Copter durch einen Wald. „Das sah aus wie bei Star Wars“, sagt Ortmann. Dabei sprang der FPV-Funke über. Auch bei Löffler und Link war ein Video der Auslöser für den Start ins FPV-Racing. „Nach dem Video habe ich beschlossen, dass ich das genauso machen und können will wie dieser Pilot“, sagt Löffler.

Mit diesem Video fing bei Adrian Ortmann alles an:

Von der Wiese auf den Race-Track

2015 gründete Ortmann schließlich „KA-Nickel“. Der Name hat zum einen mit dem Standort Karlsruhe zu tun, aus dessen Einzugsgebiet die Mitglieder kommen. Zum anderen geht er auf die Anfangszeit zurück, in der das Training noch „auf einer Karnickelwiese“ stattfand. Inzwischen dürfen die mittlerweile knapp 15 „KA-Nickel“ auf dem Vereinsgelände des SV Sulzbach trainieren.

Mehr zum Thema: „Aggronauts“ – Karlsruher Drohnen erforschen die Tiefsee

Mindestens 20 Stunden die Woche trainieren Ortmann und Löffler im Schnitt. Das bedeutet „zwei bis drei Mal fünf bis sechs Stunden fliegen“ plus die Zeit, die für die Wartung der Copter anfällt. „FPV-Racing bestimmt so ziemlich mein Leben“, sagt Ortmann. „Den einen Tag fliegt man, den anderen repariert man.“ Und das viele Training zahlt sich aus. Im vergangenen Jahr wurde Ortmann baden-württembergischer Meister im FPV-Racing und gehört zu den besten zwölf Piloten in Deutschland.

So sieht ein FPV-Training aus Sicht eines Copters aus:


„Ein bisschen löten sollte man können“

Ganz ohne den Einsatz von Werkzeug kommt kein FPV-Pilot aus. „Ein bisschen löten sollte man können“, sagt Ortmann. „Löten und ein bisschen schrauben“, ergänzt Link. Dass mindestens ein Satz Propeller bei einem Training sein Leben lässt, ist keine Seltenheit. Manchmal ist noch deutlich mehr kaputt. Auch die Akkus „sterben vor ihrem chemischen Tod oft den mechanischen“, sagt Löffler. Im Rennbetrieb hält ein Akku den Copter etwa eineinhalb Minuten in der Luft, dann ist Schluss. Beim gemächlicheren „Freestyle-Flug“, bei dem der Pilot mit dem Copter Kunstfiguren in der Luft fliegt, kann eine Ladung bis zu vier Minuten halten.

Mehr zum Thema: Führerschein für zivile Drohnen wird Pflicht

All das kann ganz schön ins Geld gehen. „Für das, was ich für die Copter ausgegeben habe, hätte ich sicher eine Fünfjahresmitgliedschaft im Golfclub abschließen können“, vermutet Löffler. „FPV-Racing ist definitiv kein billiges Hobby.“

So sieht ein FPV-Rennen aus Sicht des Piloten aus:

Eine Menge Regeln

FPV-Racing ist als Motorsport noch verhältnismäßig jung. Trotzdem gibt es Regeln, an die sich alle Piloten halten müssen – auch außerhalb der Rennen. Die Race-Copter dürfen nicht an jeder beliebigen Stelle geflogen werden. Wohn-, Naturschutz- und Industriegebiete sind tabu. Manche Gemeinden untersagen auch Drohnenflüge in Landschaftsschutzgebieten. Unter dieses Verbot fallen dann auch die schnellen FPV-Copter. Außerdem gilt es, immer 100 Meter Abstand zu Strommasten und mindestens einen Kilometer Abstand zu Flughäfen und Gefängnissen zu halten.

Außerdem ist ein sogenannter „Spotter“ Vorschrift, also jemand, der die Umgebung im Auge behält. Da FPV-Piloten durch die Videobrille nur sehen, was ihr Copter sieht, muss der Spotter ein Auge darauf haben, was um den Piloten herum passiert. Er muss zum Beispiel Bescheid sagen, wenn Personen in der Nähe sind, auf die der Pilot beim Fliegen achten muss. Vorschrift ist daher auch, dass nur in dem Bereich geflogen werden darf, den der Spotter einsehen kann.

Mehr zum Thema: Ufo-Sichtungen über Karlsruhe – das steckt dahinter 

Wie wird man FPV-Pilot?

Wer mit FPV-Racing starten möchte, braucht vier Dinge: einen Copter, eine Fernsteuerung, eine FPV-Videobrille und mindestens einen Akku. Dann heißt es üben. Wer zufällig in ein Training der „KA-Nickel“ platzt, darf auch mal einen Testflug machen. Zuschauer gibt es nämlich „ziemlich oft, eigentlich immer“, sagt Ortmann. Für die haben die FPV-Piloten meistens auch eine „Gästebrille“ dabei, mit der die Gast-Piloten den Flug aus Sicht des Copters erleben können. Es empfiehlt sich allerdings, sich dabei hinzusetzen. Denn die „KA-Nickel“-Piloten wissen: „Am Anfang kann es einem auch mal schwindelig werden.“