Baumstämme am Boden und abgeknickte Bäume: Im Waldgebiet begutachtet Förster Josef Mayer den Schaden, der durch Sturmtief Sabine entstanden ist.
Baumstämme am Boden und abgeknickte Bäume: Im Waldgebiet begutachtet Förster Josef Mayer den Schaden, der durch Sturmtief Sabine entstanden ist. | Foto: Trauden

Tiefs Sabine und Diana

Förster im Albtal, in Ettlingen und Rheinstetten fürchten mehr Schädlinge durch Sturmholz

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Erst kam Sabine und dann auch noch Diana: Die Sturmtiefs, die in den vergangenen Tagen und Wochen über das Land gefegt sind, haben in den Wäldern in Ettlingen, dem Albtal und den Ebenen bei Rheinstetten und Malsch einen teils erheblichen Schaden angerichtet. Die Aufräumarbeiten dauern vermutlich noch Wochen – die Forstarbeiter müssen sich allerdings sputen, denn das Sturmholz zieht Schädlinge an.

Diese könnten die Wälder bei den sehr milden Temperaturen früher als üblich aufsuchen. „Ab 16 Grad kommt es zum Käferbefall“, sagt Josef Mayer, der als Förster für rund 350 Hektar Wald in den Waldbronner Ortsteilen Busenbach, Etzenrot und Reichenbach zuständig ist.

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Die Feuchtigkeit des Bodens durch die häufigen Regenfälle sei ein zusätzliches Problem. Sie hindere die Forstarbeiter zum einen daran, mit schweren Maschinen in den Wald vorzurücken, um Stämme abzutransportieren.

Zum anderen weiche sie den Grund so auf, dass Bäume viel leichter umfallen. Schon schwächere Sturmböen könnten zur Entwurzelung führen. So geschehen bei Sturmtief Diana, das mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern deutlich weniger Wucht hatte als Sabine, aber dennoch einige Bäume umgeworfen hat.

Tausende Festmeter Sturmholz

Dabei hat Sabine in Waldbronn im Vergleich zu anderen Gemeinden relativ wenig Schaden verursacht: Rund 300 Festmeter Holz sind dem Sturm hier zum Opfer gefallen, in Karlsbad waren es nach Angaben der Verwaltung 1.000 Festmeter, in Malsch und Marxzell 1.500 bis 2.000 und in Ettlingen gar 2.500 bis 3.000. Nur Rheinstetten verzeichnete mit 200 Festmetern Sturmholz einen geringeren Schaden als Waldbronn.

Die entwurzelten Bäume liegen
im ganzen Stadtwald verstreut.

Joachim Lauinger, Forstamtsleiter in Ettlingen

Von einem „beträchtlichen Schaden“ durch Sabine spricht derweil der Ettlinger Forstamtsleiter Joachim Lauinger. „Die entwurzelten Bäume liegen im ganzen Stadtwald verstreut, vor allem dort, wo der Wald schon durch Dürre- und Borkenkäferschäden geschädigt und aufgerissen war.“ Die Schadensbeseitigung werde wohl noch bis Ende April dauern.

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Weiterer Preisverfall beim Brennholz

Auch in Waldbronn, Malsch und Ettlingen beschäftigen die Aufräumarbeiten die Behörden noch. Sie verursachen teils hohe Kosten, nicht zu vernachlässigen ist aber auch der Preisverlust beim Holz, den die Kommunen durch die Sturmschäden vorhersehen: „Durch den derzeitigen Preisverfall im Nadelrundholz und durch die beschädigten Stämme rechnen wir mit Preisverlusten von zehn bis 25 Prozent“, sagt Lauinger.

In Europa sind 30 Millionen
Festmeter zu viel auf dem Markt.

Josef Mayer, Förster in Waldbronn

Generell sei der Holzpreis derzeit „am Boden“, berichtet Förster Mayer, der seit 2005 für den Wald in Waldbronn zuständig ist. „In Europa sind 30 Millionen Festmeter zu viel auf dem Markt“, nennt er als Grund. Für einen Festmeter Buchen-Brennholz bekomme man derzeit 56 Euro, für Fichtenholz noch rund 80 Euro.

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Wälder sind durch Trockenheit ohnehin schon belastet

Schädlinge wie der Borkenkäfer und zunehmende trockene Sommer haben in den vergangenen Jahren ohnehin schon immer größere Löcher in die Kassen der Forstabteilungen gerissen. Für Nachpflanzungen aufgrund der Trockenheit sind allein im Ettlinger Forstetat 2020 rund 80.000 Euro vorgesehen.

Noch seien die Wälder in der Region „relativ stabil“, befindet Förster Mayer – allerdings zehrten die immer häufiger auftretenden Stürme an ihrer Substanz. Dies und die zunehmende Trockenheit machten ein Umdenken nötig: Weniger resistente Baumarten wie die Fichte müssten durch stärkere wie Eichen oder Douglasien ersetzt werden – auch um den Wald als sicheres Naherholungsgebiet für die Bürger zu erhalten.