Festredner im Etzenroter Gasthaus Hirsch: OB Frank Mentrup spricht auf der Feier der SPD Waldbronn. | Foto: Klaus Müller

100 Jahre SPD Waldbronn

Frank Mentrup: „Keine alten Antworten aufwärmen“

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Von  Klaus Müller
Seit  100 Jahren  besteht die SPD Waldbronn.  Damals, Anfang Februar 1919, gründeten Arbeiter der Spinnerei  Neurod in Etzenrot im „Hirsch“  den „Sozialdemokratischen Verein Etzenrot“.  Zahlreiche Besucher, darunter auch etliche Nicht-Genossen, konnte die Vorsitzende des SPD Ortsvereins Waldbronn, Gabrielle Bitter, zur Jubiläumsfeier im voll besetzten „Hirsch“ begrüßen.Festredner war Karlsruhes OB Frank Mentrup. Ein bisschen konnten und durften sich die Sozialdemokraten anlässlich des „100.“ selbst feiern, konnten sie in Erinnerungen an vielleicht dann doch bessere (Wahlergebnis-)Zeiten schwelgen, verbunden mit dem entsprechend postulierten Eindruck, dass ihre Partei über die Jahrzehnte deutschlandweit vieles bewegt habe.

Festredner Frank Mentrup bedient sich Willy Brandts

Bei allen wohlmeinenden Rückblicken versuchte  Frank Mentrup sozialdemokratische Hoffnung und Zuversicht unters Volks zu bringen. Der Karlsruher Oberbürgermeister und Sozialdemokrat bediente sich dabei Willy Brandts, eines der wohl bedeutendsten SPD-Politiker überhaupt.
Antworten, an welchem roten Faden sich die SPD in der Gegenwart orientieren kann, fand Mentrup in einem Zitat von Willy Brandt (Kongress der Sozialistischen Internationale, 1992): „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum — besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“ Dies zugrunde gelegt, sollte die SPD keine „alten Antworten aufwärmen“, sondern vielleicht auch mehr den Mut haben, Antworten zu finden und zu geben, die nicht immer populär sein müssten, folgerte Mentrup.
Antworten auf die „große Politik“, und das in einer Zeit, die ungleich heftiger, schwieriger und unsicherer war als die Gegenwart, versuchten ab 1919 die Etzenroter SPDler zu geben.

SPD hatte in dieser Zeit viel zu sagen

Und dass die SPD in dieser Zeit viel zu sagen hatte und bewegen konnte, verdeutlichte in seinem historischen Rückblick Joachim Hemer vom Vorstand des SPD Ortsvereins. „Sonderapplaus“ gab’s von der Zuhörerschaft, als Hemer an das SPD-Ergebnis in Etzenrot bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung (1919) erinnerte: 60 Prozent holte die SPD.

SPD holte in Etzenrot 60 Prozent

Das Unterfangen, Menschen für Parteipolitik, gar für den Eintritt in eine Partei zu gewinnen, sei heute jedoch keine Selbstverständlichkeit mehr, konstatierte SPD-Frau Bitter. Politischer Alltag hin oder her, gefeiert wurde der „100.“ ausgiebig – mit Flammkuchen und Torte. Zu den Gratulanten gehörten Bürger, Gemeinderäte, Vertreter von Einrichtungen und Vereinen, der SPD-Kreisverbandsvorsitzende Christian Holzer und viele mehr. Musikalisch begleitete Sophie Kingdon den Abend.