Die Rucksäcke hängen wieder an der Garderobe: Es ist wieder mehr los in den Kindergärten. Mehrere Wochen waren sie Corona-bedingt geschlossen – in Malsch müssen die Eltern die Beiträge für diese Zeit der Zwangsschließung nicht zahlen. (Symbolfoto)
Die Rucksäcke hängen wieder an der Garderobe: Es ist wieder mehr los in den Kindergärten. Mehrere Wochen waren sie Corona-bedingt geschlossen – in Malsch müssen die Eltern die Beiträge für diese Zeit der Zwangsschließung nicht zahlen. (Symbolfoto) | Foto: dpa

Für Zeit der Corona-Pause

Eltern in Malsch müssen keine Beiträge für Kinderbetreuung zahlen – mit einer Ausnahme

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Keine Leistung – keine Bezahlung: Nach diesem Prinzip erlässt die Gemeinde Malsch für die Zeit der Corona-Schließung zwischen April und Juni die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung. Die Nutzung von Notbetreuung, erweiterter Notbetreuung und reduziertem Regelbetrieb wird tageweise berechnet.

Einstimmig votierten die Fraktionen im Gemeinderat für den Erlass der Gebühren für Betreuungsleistungen, die in Kitas und Kindergärten während der Corona-bedingten Schließung in den Monaten April bis Juni nicht erbracht werden konnten.

Corona-Krise: Kein Erlass für Monat März

Die Elternbeiträge für den Monat März, in dem die Einrichtungen nur zwei Wochen geschlossen waren, müssen unterdessen vollständig gezahlt werden.

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Die Benutzungsordnung sehe vor, dass es zu zusätzlichen Schließtagen kommen könnte, erklärte Kämmerer Harald Becker in der Gemeinderatssitzung, „etwa wegen Krankheit oder behördlicher Anordnungen“.

Außerdem hätten die meisten Eltern die Gebühren für März zum Zeitpunkt der Schließung bereits beglichen gehabt.

In Malsch gibt es insgesamt sieben Kindergärten: Die Kindertagesstätte St. Martin, die Kindertagesstätte „Villa Federbach“, der katholische Kindergarten Konrad-Reichert und der Evangelische Kindergarten in Malsch sowie der Kindergarten „Regenbogen“ in Völkersbach nehmen bereits einjährige Kinder auf. In den Kindergärten „Keschdenest“ in Sulzbach und „Zauberwald“ in Waldprechtsweier werden Kinder ab zwei Jahre betreut. (www.malsch.de)

Nachträgliche Gebühren für Notbetreuung ab 1. Mai

Für die Notbetreuung und erweiterte Notbetreuung werden ab 1. Mai und für den reduzierten Regelbetrieb ab 25. Mai tageweise Gebühren erhoben.

Diese Regelung gilt auch für die Betreuung in den Pfingstferien. Essensgelder werden erlassen, weil derzeit keine Mahlzeiten gestellt werden.

Defizit von 300.000 Euro im Haushalt von Malsch

Durch den Verzicht auf die Elternbeiträge entsteht im kommunalen Haushalt ein Defizit von rund 300.000 Euro. Abgefedert wird es durch Soforthilfen des Landes in Höhe von 190.000 Euro.

Für die Gemeinde heißt es natürlich, dass sie einen Teil der Kosten schlucken muss.

Jahn Beichel, Freie Wähler Malsch

Von den Malscher Räten wurde der teilweise Beitragserlass begrüßt: „Für die Gemeinde heißt es natürlich, dass sie einen Teil der Kosten schlucken muss“, sagte Jahn Beicher (Freie Wähler), „aber dafür bekommt sie ja Soforthilfe.“

200 Millionen Euro Soforthilfe des Landes sind schon geflossen

Tatsächlich ist die Soforthilfe des Landes nicht allein als Ausgleich für wegfallende Elternbeiträge gedacht. Hauptziel ist es zwar, Familien zu entlasten.

Das Geld – bislang hat das Land den Kommunen 200 Millionen Euro überwiesen – kann aber etwa auch an Volkshochschulen und Musikschulen fließen, um ausbleibende Einnahmen auszugleichen.

Dass nur erbrachte Leistungen bezahlt werden müssen, ist eine gerechte Lösung.

Elke Schick-Gramespacher, CDU Malsch

Als „gerechte Lösung“ bewerteten Elke Schick-Gramespacher (CDU) und Susanne Toball (BfU/Grüne) die Regelung zu den Elternbeiträgen in Malsch. Auch Veronika Wehr-Schwander (SPD) bezeichnete den Erlass als „gerechten Ausgleich“.

SPD-Chefin kritisiert nachträgliche Berechnung von Notbetreuung

Nur in einem Punkt war Wehr-Schwander nicht mit ihren Ratskollegen und -kolleginnen einverstanden: bei der nachträglichen tageweisen Berechnung der Notbetreuung für Eltern aus systemrelevanten Berufen und der erweiterten Notbetreuung für Eltern, die ihre Präsenzpflicht am Arbeitsplatz nachweisen. Unter anderem sei der Aufwand für diese Einzelfall-Auswertung ist zu hoch.

Das Thema wurde in Eltern-Chats heiß diskutiert.

Linda Eberhardt, Mutter aus Malsch

Linda Eberhardt aus Malsch ist vor allem froh, dass nun endlich Klarheit herrscht. „Das Thema wurde in Eltern-Chats heiß diskutiert“, berichtet die Mutter. Die jetzt gefundene Lösung bewertet sie als „angemessen und unterstützend“.

Betreuung zuhause erforderte Organisationstalent

Auch die tageweise Berechnung der Notbetreuung und erweiterten Notbetreuung. „Ich bin heilfroh, dass es sie gibt“, sagt die 39-Jährige. Sechs Wochen lang haben die Arzthelferin und ihr Mann, der selbstständig als Vertriebler arbeitet, sich abwechselnd zuhause um ihre Tochter gekümmert, weil sie sich nicht für die Notbetreuung qualifizierten. „Das hat schon einiges an Organisationstalent erfordert.“

Seit dem 27. April darf die sechsjährige Lena in die erweiterte Notbetreuung. An vier Tagen pro Woche kommt ihre Mutter sie mittags am katholischen Kindergarten Konrad-Reichert in Malsch abholen – wie vor Corona.

In einem rollierenden System werden im Kindergarten Konrad-Reichert aktuell drei Gruppen mit jeweils zehn bis 15 Kindern betreut. Eigentlich hat die Betreuungseinrichtung 88 Plätze für Kinder ab einem Jahr. Nach den Vorgaben des Landes darf die Hälfte der Kinder im reduzierten Regelbetrieb vor Ort sein. Im Konrad-Reichert-Kindergarten sind es nicht ganz so viele – auch weil drei von elf Erzieherinnen zur Risikogruppe zählen und deshalb nicht arbeiten können. Aktuell sind laut Kindergarten-Leiterin Petra Burster vier Vollzeitkräfte sowie eine Anerkennungspraktikantin und eine FSJ-lerin im Einsatz.

Frage nach der Kostendeckung

„Ich hab’s erwartet“, kommentiert Catherine Rapp, deren fünfjährige Tochter Martha seit einer Woche wieder den Kindergarten besucht, den Gebührenerlass. Sie sei zwiegespalten: Einerseits freue sie sich, dass die Eltern entlastet werden, andererseits wisse sie, dass „die Kitas natürlich ihre Kosten decken müssen“.

Da fielen teilweise 800 Euro pro Monat an.

Catherine Rapp, Mutter aus Malsch über Elternbeiträge

Für sie selbst sei die Schließung kein Problem gewesen: Sie ist in Elternzeit und konnte auf Martha und deren knapp zweijährige Schwester Theresa zuhause aufpassen.

Freunde, die die Ganztagsbetreuung genutzt haben, bevor Corona kam, hätten deutlich mehr Probleme gehabt – für sie sei der Gebührenerlass eine große Erleichterung: „Da fielen teilweise 800 Euro pro Monat an.“

Ohne diesen offiziellen Erlass waren die Eltern in der Schwebe – und sie sind eh genug geschröpft worden.

Sascha Cerveny, Kindergartengeschäftsführer der katholischen Kirche

Auch Sascha Cerveny, Kindergartengeschäftsführer von der Verrechnungsstelle der katholischen Kirche in Durmersheim, ist erleichtert, dass die Kommune nun Nägel mit Köpfen gemacht hat: „Ohne diesen offiziellen Erlass waren die Eltern in der Schwebe – und sie sind eh genug geschröpft worden.“