Neues Entrée der Fußgängerzone. Mit Umbau des Postgebäudes an der Leopoldstraße zieht auch der Einzelhandel ein, gegenüber ist nun statt des Gasthauses Alte Post ein modernes Café.
Neues Entrée der Fußgängerzone. Mit Umbau des Postgebäudes an der Leopoldstraße zieht auch der Einzelhandel ein, gegenüber ist nun statt des Gasthauses Alte Post ein modernes Café. | Foto: Obert

Wirtschaft – was tut sich?

Gastronomie und Einzelhandel in Ettlingen wandeln sich: zwischen Tradition und Trends

Anzeige

Die einen finden die Ettlinger Altstadt quirlig und lebendig, für andere hat sie zu wenig Pepp. Fest steht, dass sich einiges tut im Flanier- und Ausgehzentrum zwischen Kronenstraße und Leopoldstraße. In Handel und Gastronomie gab es einiges an Schließungen und Abwanderungen, aber auch Neueröffnungen und Neuausrichtungen.

Eine Bestandsaufnahme: Wenn sich diesen Freitag beim „Blue Night Shopping“ Geschäftsinhaber und Gastronomen präsentieren, dann werden auch die Veränderungen in der Ettlinger Szene so manchem auffallen.

Citymanagerin: Angebot an Bekleidungsgeschäften dünnt sich zu sehr aus

Der Branchenmix ist einem ständigen Wandel unterzogen, nach dem Geschmack der Ettlinger Citymanagerin Nicole Bär dünnt sich aktuell das Angebot an Bekleidung teils zu sehr aus, zudem verhindere die Preispolitik der Inhaber von Ladenflächen mitunter eine zügige Wiederbelegung von Leerständen.

Nichts tue sich insofern im Geschäft Leopoldstraße 40, wo Stefan Schenk sein Herrenmodegeschäft (vormals Doc Morris-Apotheke) aufgab und laut Bär ins Angestelltenverhältnis wechselte. Das Haus soll verkauft werden.

Ebenso wenig in Aussicht hat man bei der Stadtbau GmbH etwas für die große Ladenfläche in der Marktpassage 12 (vormals anziehbar). Man überlege, die Räume zur nächsten Saison nochmals als Schlossfestspiele-Werbefläche zu nutzen.

Relativ viele Optiker und Friseure

Gerade an junger Mode, besonders für Herren, fehle es inzwischen in der Altstadt, so die Citymanagerin. Gefühlt fehlt es indes keinesfalls an Optikern und Friseurgeschäften, jüngst zog Apollo ins bisherige Lebensmittelgeschäft Unverpackt in der Badener-Tor-Straße, „das leider in der Breite nicht angenommen wurde“. Das Geschäft am Karlsruher Hauptbahnhof besteht weiter.

Bär sieht keine Übersättigung, auch wenn es „relativ viele Optiker und Friseure sind“. Im fortgeschriebenen Einzelhandelskonzepts der Stadt habe sich „keine Überdeckung“ ergeben – die Nachfrage sei da. „Es ist immer noch schwierig, einen Friseurtermin zu bekommen.“

Auch interessant: Die zehn besten Shopping-Adressen in der Region

Gastronomie à la „klein aber fein“ ist aufstrebend

Aufstrebend ist die Branche der gastronomischen Angebote nach dem Anspruch „klein aber fein“. Hier hat jüngst die inhabergeführte Salatbar Schlotti in der Marktpassage eröffnet. Keiner Kette angehörig ist auch, was sich in den Räumen des Wirtshauses „Alte Post“ an der Ecke Leopoldstraße/Friedrichstraße/Schöllbronner Straße mit Café Lavandou getan hat. Bisher eine verrauchte „Beiz“, wurde nun investiert und umgebaut und jetzt Selbstgemachtes von Kuchen bis Burger kredenzt.

Zu diesem Zeitgeist passt ebenso die Brasserie AnMas, die das Fondue-Restaurant in der Quergasse 2 an der Alb ablöste und mit regionaler Frische wirbt, oder KostBar (Badener-Tor-Straße). Und in der Marktstraße 6 wird Süßes bei Smile Waffel’s aufgetischt, wo zuvor eine Boutique Mode verkaufte.

Auch interessant: Online-Experte glaubt an stationären Handel

Citymanagerin: Drohende Schließungen sind nicht bekannt

Drohende Schließungen sind der Citymanagerin nicht bekannt, doch müsse man zuweilen aufpassen bei Sonderverkäufen unter dem Titel „Räumungsverkauf“. Gerüchte entstünden schnell im Städtchen, so geschehen bei Betten Füger und Jump-Mode. Nichts tut sich (noch) an der Marktstraße, Wo Pelzmoden Schmidt nach Jahrzehnten den Betrieb eingestellt und Quick Schuhe geschlossen hat (der wurde betrieben von Christian Rissel vom gleichnamigen Schuhhaus – Info weiter unten). Interessenten gibt es wohl, aber bevor die Sparkasse ihren Gebäudekomplex in bester Lage nicht saniert hat, wird es keine neuen Pächter geben.

Die Traditionalisten gibt es aber auch im Ettlinger Gastronomie-Reigen. Die traditionsreichen Ratsstuben am Marktplatz sollen nach Umbau durch die Stadt im Oktober 2020 durch Pächter Leonhard Bader wieder öffnen. Eine Renaissance des Badischen Hofs (der „Schlabbe“) in der Leopoldstraße 28 geht Thilo Florl nach dem Kauf des Gebäudes an. Der Betreiber des beliebten Pakistanischen Restaurants Shalimar hatte dort am Montag seinen letzten Tag vorm Gang in den Ruhestand.

Leerstand und Neustart: Nackte Schaufenster in der Leopoldstraße 40 (links), ein paar Schritte weiter soll im November der Badische Hof („Schlabbe“) neu eröffnen.
Leerstand und Neustart: Nackte Schaufenster in der Leopoldstraße 40 (links), ein paar Schritte weiter soll im November der Badische Hof („Schlabbe“) neu eröffnen. | Foto: Obert

Badischer Hof soll Mitte November neu eröffnet werden

Florl wird beim Gasthaus mit Tradition seit 1698 ein eigens gegossenes Schild aufhängen. Am 3. Oktober (14 Uhr) ist die Öffentlichkeit eingeladen, bevor nach Komplettumbau Mitte November neu eröffnet werde.

Eingezogen wird und wurde inzwischen ins sanierte und umgebaute Postgebäude am Ende der Leopoldstraße als weiterer Lückenschluss der Flaniermeilen-Verlängerung von der Fußgängerzone hin zu den Geschäften am Oberen Albgrün an der Schöllbronner Straße. Das Schuhhaus Rissel (Albstraße) eröffnet diesen Donnerstag seinen modernen Ableger Chriss.

Daneben bezieht Betten Füger rund 100 Quadratmeter Fläche im Gebäude, womit die Ausstellungsfläche des Geschäfts verdoppelt wird. Christian Rissel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Ettlingen, sieht sich wandelnde Trends in immer kürzeren Abständen kommen. „Die Zeiten sind härter geworden – man darf sich nicht ausruhen.“