Stehende Ovationen beim Schlussapplaus der Oper „Die Zauberflöte“ gab es vom begeisterten Publikum, das somit den ersten Baustein der neuen Intendantin und Regisseurin Solvejg Bauer bejubelte, die sich mit allen Akteuren feiern ließ. | Foto: Werner Bentz

Schlossfestspiele Ettlingen

Gefeierte „Zauberflöte“-Premiere: „Ich bin sehr gerührt und ergriffen“

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Von Ulrich Krawutschke und Klaus Müller

Strahlende Gesichter aller Orten im Schloss: Die Premiere der Oper „Die Zauberflöte“ hat bei den Schlossfestspielen Ettlingen eingeschlagen, für minutenlangen stehenden Beifall und begeistertes Trampeln mit den Füßen schon im Schlosshof und für Glücksgefühle nicht nur bei Intendantin Solvejg Bauer und ihrem Ensemble danach gesorgt.

„Das ist ein wirklicher Neuanfang“ zeigt sich Oberbürgermeister Johannes Arnold bei der Premierenfeier im Asamsaal unter fast schon frenetischem Beifall der Gäste begeistert. Seine kurze Ansprache stellte er unter den Begriff „Schloss-Fest-Spiele“.

Bürgerchor überzeugt das Publikum

„Das Schloss ist Kulisse und Inhalt, der Boden ohne Bühne wirkt, einfach wieder Schlossfestspiele“, meint Arnold und nennt es „ein Fest, dem Bürgerchor zu lauschen, in dem meine Hausärztin, ein Priester und ein früherer Grünen-Vorsitzender mitsingen“. Das Ensemble habe es gemeistert, mit der Spiel-Herausforderung umzugehen – „mein Respekt“. Zu den Zuhörern gerichtet sagt er, „sie sind ein sagenhaftes Publikum“ und er dankt allen, die dazu beigetragen haben. „Solvejg Bauer hat große Erwartungen geweckt und sie noch übertroffen“ schließt der Rathauschef.

Anspannung fällt ab

Intendantin Bauer betont, „ich bin über den grandiosen Start sehr gerührt und ergriffen“, stellt die „wunderbare Arbeit mit dem Bürgerchor“ als beglückend und anstrengend zugleich heraus, und dankt dem

Ein Klassiker ist die Oper „Die Zauberflöte“, die durch einen hörenswerten Bürgerchor ergänzt beim Publikum sehr gut ankam. | Foto: SFS

gesamten Team, vom Ensemble, musikalischen und technischen Leitern bis zu den Helfern und Helferinnen hinter den Kulissen, von den Näherinnen bis zum Einlasspersonal, insbesondere auch Katja Doll vom künstlerischen Betriebsbüro, die „einen großartigen Job gemacht hat“. Der Dank kommt postwendend zurück: Bettina Maria Bauer, eine der drei Königinnen der Nacht, übergibt an die Verantwortlichen der Oper auf der kleinen Bühne im Asamsaal Seife und Rotwein „gegen den Stress der Proben“.

Wieder ein richtiges Bürgergefühl

Viel Lob kommt auch vom Bürgerchor selbst zur Arbeit mit Intendantin und Chorleiter Mauro Barbierato. „Ich bin der einzige Geistliche hier im Priesterchor“, erklärte etwa Pfarrer Engelbert Baader, der schon bei den Proben gemerkt hat, „das wird toll“. Und auch der erfahrene 89-jährige Heinz Günter Blank, 28 Jahre Chorsänger am Badischen Staatstheater, hat „gleich gewusst, das gibt einen guten Chor“.
Dass Schloss und der ganze Innenhof ohne Bühne „so richtig zur Geltung kommen“ freut Christel Dufner vom Förderverein „Freunde der Schlossfestspiele“ ebenso wie Ex-OB Josef Offele, der „wieder ein richtiges Bürgergefühl rund um die Festspiele“ spürt. Dann aber ist Zeit zum Feiern, für Gespräche über einen tollen Abend, den unter den Zuschauern offensichtlich auch Generalbundesanwalt Peter Frank genossen hat, dessen Personenschutz im Schlosshof und später im Schloss nicht zu übersehen war.

Neuerungen machen Eindruck bei Besuchern

Bei der Umfrage im Schlosshof unter den Schlossfestspiele-Besuchern, wurde die Zufriedenheit ebenfalls deutlich. Eine Oper bei den Schlossfestspielen? Und wann gab es schon einen Schlosshof ohne „echte Bühne“? Oder der neue Eingang in die Kulturstätte – bisher ging’s doch „hintenherum“ rein. Mit der Wahl, sich gerade für diese Oper zu entscheiden, mit der Auswahl des Ensembles und der Art der Inszenierung hat Intendantin und Regisseurin Solvejg Bauer ein glückliches Händchen bewiesen, war schon der Tenor vieler Pausengespräche. „Das ist eine tolle Inszenierung“, freuen sich Ruth und Volker Dietel. Und sie sind überrascht – darüber „wie gut der Bürgerchor ist“. Dass es keine echte Bühne gebe, tue der Oper gut. „So entsteht ein bemerkenswertes Schlossgefühl. Dazu trägt auch das neue Dach seinen Teil mit bei. Gelungen ist die Wahl der Oper. Alles in allem eine überzeugende Aufführung.“

Bewertung von Akustik und Gestaltung

„Für mich ist es die erste Oper. So was kann, muss aber nicht unbedingt sein. Aber es ist echt in Ordnung hier“, urteilt Jung-Operngänger Theo Stadelmann. Anders sieht es Kim Umbach – beide haben sich zufällig in der Pause getroffen, aus: „Seit meiner Kindheit besuche ich Opern. Und das hier, die Zauberflöte, ist richtig gute Unterhaltung. Erst habe ich gedacht – oh, das wird ja alles klassisch aufgeführt. Aber dem ist nicht so. Da sind originelle Ideen dabei. Es macht Spaß hier mittendrin zu sein.“
„Eine wirklich gute und spritzige Aufführung. Und ein tolles Orchester. So etwas könnte es immer wieder bei den Schlossfestspielen geben“, befindet Marianne Bleier. „Aber man muss, gerade wenn man weiter oben sitzt, gut zuhören. Am besten ist, man kennt die Zauberflöte. Nicht alle Rollen sind gleich verständlich.“ „Der neue Eingang hat schon was“, schiebt ihr Mann Werner nach. „Allerdings wird es beim Aufgang schon mal eng und es dauert, bis alle sitzen. Das muss sich noch einspielen.“ „Die Idee, auf die Bühne zu verzichten, ist gut. Als Zuschauer vermisst man da gar nichts. Im Gegenteil. Dadurch gewinnt die Atmosphäre im Schlosshof noch mehr“, sagt Rolf Osburg.