Rehkitze bei Jägeraktion zwischen Malsch und Sulzbach gefunden | Foto: pr

Maßnahmen gegen den Mähtod

Jägervereinigung Karlsruhe will Rehkitze mit Drohnen retten

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Jedes Jahr werden in Deutschland unzählige Rehkitze durch Mähwerke zerrissen, die sich gerade während der Grasernte im hohen Gras verstecken. Das Verhältnis zwischen Jägern und Landwirten ist oftmals nicht das Beste, wenn es um die Absprachen vor Einsatz der Maschinen und mögliche Rettungsaktionen für die Rehbabys geht.

Eine Jäger-Aktion in Malsch macht im Kleinen Mut, die Jägervereinigung Karlsruhe indes plant statt aufendiger Durchsuchungen der Wiesen und Felder künftig einen Drohneneinsatz mit Wärmebildkameras. „Nähert sich ein Traktor mit Mähwerk flüchten die Kitze trotz Maschinenlärm nicht, sondern verlassen sich auf ihren natürlichen Tarnkappenschutz“, erklärt Jäger Hans-Peter Mauderer, der die Aktion in Malsch mitorganisierte. Rehgaisen legen ihre jungen Kitze „im hohen Gras ab, während sie auf Nahrungssuche gehen“. Sieben Waidmänner rückten aus, da der Informationsaustausch mit den Landwirten funktioniert. Die Jäger waren über den Beginn der Mahd informiert – und retteten fünf kleine Rehe. Ohne, dass diese durchs Anfasen den menschlichen Geruch annahmen. „Sonst würde die Rehmutter nicht zurückkehren und das Kitz verhungern.“

Urteil wegen Jagdwilderei nach 15-fachem Mähtod

Gefahr in Verzug: Wenn Landwirte mit ihren Mähmaschinen unterwegs sind, sind Wildtiere im hohen Gras akut gefährdet. | Foto: Ebener/dpa

Nicht überall funktioniert es aber mit der Lebensrettung wie in diesem Fall. Im April wurde ein Landwirt im Saarland nach einer verlustreichen Mäh-Aktion sogar wegen Jagdwilderei verurteilt – laut Amtsgerichtsurteil zu 7.200 Euro Geldstrafe. Er hatte die örtlichen Jagdpächter vorab nicht informiert und mit einem neun Meter breiten Mähwerk mit hoher Geschwindigkeit abgemäht. Zwölf Kitze, eine trächtige Rehgais und zwei Böcke kamen ums Leben.
Zum Einen werde teils von Landwirten einfach nicht informiert, zum Anderen sei die Jägerschaft mitunter aber auch zu überaltert, um Rettungsaktionen auf die Beine zu stellen, meint etwa der Ettlinger Jäger Uwe Bratek gegenüber den BNN. Die Jungen nähmen sich eher die Zeit.

Manchmal kann man einfach nicht miteinander

Im hohen Gras sind Rehkitze geschützt – wird gemäht, sind sie in akuter Lebensgefahr. | Foto: pr

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Karlsruhe, Landwirt Werner Kunz, sieht beide Seiten in der Pflicht und räumt ein: „Manchmal kann man einfach nicht miteinander.“ Er sieht das Anmelden der Mahd eher als Empfehlung. Er empfiehlt jedenfalls engen Kontakt zu den Jagdpächtern zu halten, denn „niemand mäht gerne über ein Rehkitz“. Es sollte auch von innen nach außen auf den Wiesen gemäht werden, da im Fall der Flucht das Wild ungern über abgemähte Flächen renne. Der Bauernverband sieht das Problem weniger beim Einsatz von Mähdreschern, als eben beim Einsatz der Kreiselmäher wie bei der Grasernte zur Heugewinnung und an waldnahen Wiesen. Die Deutsche Wildtier Stiftung geht von 50.000 bis 100.000 durch Mähwerke umkommende Rehkitze in Deutschland pro Jahr aus. „Wer einmal ein Rehkitz mit abgemähten Beinen gesehen hat, das versucht aufzustehen und seine Mutter zu suchen, wird verstehen, dass schon ein ausgemähtes Rehkitz eins zu viel ist“, so Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur- und Artenschutz der Stiftung.

Pilotprojekte laufen teilweise schon mit Erfolg

„Es gibt eine Selbstverpflichtung des Bauernverbands, dass sie vor der Mahd mitteilen“, so Kreisjägermeister Thomas Maier. Aber man müsse ja als Jägerschaft auch erstmal jeweils acht oder neun Mann zusammen

Flugortung: Teils werden Drohnen schon zum Einsatz gebracht, um Rehkitze aufzuspüren, hier im thüringischen Gera. | Foto: dpa

bekommen, um die Flächen abzugehen. Die aktuelle Grasernte ist so gut wie gelaufen, die Jägervereinigung Karlsruhe wolle aber beim Thema auf jeden Fall voran kommen. Der Einsatz von Drohnen sei angedacht, die ausgestattet mit Wärmebildkamera das Gelände abfliegen und so Rehkitze orten können. „Wir beschäftigen uns seit drei Jahren damit“, 2020 solle es konkret werden. Die Kamera sei dabei der große Kostenfaktor – 3.000 bis 5.000 Euro schlügen in etwa zu Buche. Erfolgreiche Pilotprojekte gebe es zum Beispiel schon bei Tübingen und am Bodensee. Mittel vom Land fordert der Jagdverband, „aber die Politik sperrt sich noch etwas“. Man müsse letztlich an einem Strang ziehen, hofft Maier. Grundsätzlich schätzt er die Situation so ein: „Es gibt Jäger, denen es Wurst ist und es gibt Landwirte, die einfach drüber fahren.“