Die Justiz hat gesprochen: Eine 28 Jahre alte Mutter aus Marxzell muss drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. | Foto: Keystone

Versuchter Mord an Kindern

Freiheitsstrafe für 28-Jährige aus Marxzell

Von Klaus  Müller 

Zu drei Jahren und drei Monaten  Freiheitsstrafe  wegen versuchten Mordes verurteilte die Schwurgerichtskammer am Karlsruher Landgericht  eine  28-jährige Frau aus Marxzell.  Die sackte während der Urteilsbegründung am Donnerstag mehr und mehr in sich zusammen.  Vielleicht gingen ihr die  folgenschweren Ereignisse in komprimierte Form durch den Kopf  – kaum anders ließen sich ihr Gesichtsausdruck, ließen sich ihre Tränen interpretieren.

Wir müssen uns an das Gesetz halten

, sagte der Vorsitzende  Richter Leonhard Schmidt und wandte sich dabei direkt an die Angeklagte. Außer Frage stand   für die Kammer, dass die Mutter den Willen gehabt habe, ihre beiden kleinen Mädchen zu töten. Und das könne nur als versuchter Mord  mit entsprechender Freiheitsstrafe geahndet werden. Die Mindeststrafe dafür beträgt drei Jahre. Weitestgehend folgte das Schwurgericht damit dem Antrag von Oberstaatsanwalt Klaus Armbrust, der drei Monate mehr beantragte.

Gefährlicher Medikamentenmix

Im Juni vergangenen Jahres mixte die angeklagte Altenpflegerin fast alle Medikamente aus ihrer Hausapotheke zu einem gefährlichen „Cocktail“ zusammen. Vermischt mit Fanta forderte sie ihre beiden arglosen Töchter auf, den Medikamentenmix zu trinken. An dem Tag wollte sich die Frau gemeinsam mit den Kleinen umbringen – aus Verzweiflung, weil sie ihr Ehemann (der sie zuvor betrog) unwiderruflich verlassen wollte, weil die Wohnung gekündigt war, weil sie kein Geld hatte.

Traurige Lebensgeschichte

Von einer wirklich „miesen Liebessituation“ und überhaupt von einer „traurigen Lebensgeschichte“ sprach das Gericht. Den angedrohten, wenngleich etwas verklausulierten Selbstmordgedanken, kündigte sie dem Ehemann via WhatsApp an. Nein, das sei kein Appell gewesen, sondern ein Fanal, bemerkte dazu Richter Schmidt. Der Mann informierte die Polizei, die gemeinsam mit Rettungskräften wahrscheinlich das Schlimmste verhinderten. Mag der Medikamenten-Cocktail auch nicht wirklich lebensbedrohlich gewesen sein, bestand dennoch die Gefahr einer „abstrakten Lebensgefährdung“. Die Kinder, sie leben inzwischen bei ihren jeweiligen Vätern, hätten bewusstlos an ihrem Erbrochenen ersticken können.

Kammer sieht Heimtücke

Als „heimtückisch“, eben ein Mordmerkmal, bewertete die Schwurgerichtskammer die Tötungsabsicht: Argloser als kleine Kinder gegenüber ihrer Mutter seien, könne niemand sein, so Schmidt. Auch dieser Umstand spreche eindeutig für den Vorwurf des versuchten Mordes. Dem Gedankengang von Rechtsanwalt Nikolas Rheinboldt aus Rastatt, die Handlung seiner Mandantin sei eine „Kurzschlussreaktion“ aus Verzweiflung gewesen, wollte die Kammer nicht folgen.