Jubelstürme gab es nach „Rocky Horror“ 2017 auch in der Festspielsaison 2018 für das Broadway-Musical „Chicago“. Neben dem traditionellen Zugpferd hat aber nach Jahren des Dahindümpelns das Schauspiel wieder gut zugelegt. | Foto: Michael Junga

Auslastung von 83,8 Prozent

Goldene Bilanz der Schlossfestspiele Ettlingen für Intendant Udo Schürmer

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Entspannt, fast beschwingt wirkt Udo Schürmer bei der Bekanntgabe der Zahlen zu den Ettlinger Schlossfestspielen 2018 am Freitag. Das kann er auch sein. „Wir haben eine gute und erfolgreiche Festspielsaison hinter uns“, betont er. Zwölf Jahre wirkte der Intendant an der Alb. Neben ihm pflichtet Ettlingens Rathauschef Johannes Arnold bei. „Je nach Maßstab vielleicht das erfolgreichste Jahr überhaupt“, denn die Auslastungsquote betrug 83,8 Prozent. Die Botschaft kommt an, den Satz notieren alle zur Abschlusskonferenz erschienenen Journalisten im noblen Ambiente des Hotel-Restaurant „Erbprinz“.

Musical der Schlossfestspiele war wieder das Zugpferd

97 Veranstaltungen in elf Wochen bildeten das üppige Festspielprogramm. Und das Zugpferd war zwar wiederum das Musical – „Chicago“ lockte 16 275 Kulturfreunde in den Schlosshof. Zwar 1 762 weniger als beim Erfolg „The Rocky Horror Show“ 2017, aber 2 844 mehr als „Sunset Boulevard“ 2016. Die vielleicht schönste Botschaft für Schürmer: Das Schauspiel hat mit 6 501 Zuschauern wieder funktioniert. Schürmer

Lob und Dank zum Abschied: Intendant Udo Schürmer (links) und die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros mit Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold. | Foto: Rainer Obert

hat immer am Schauspiel festgehalten, in der Jubiläumssaison „40 Jahre Schlossfestspiele“ 2018 die Regie zur Chefsache erklärt und nun mit dem Shakespeare-Stück „Der Kaufmann von Venedig“ 50 Prozent im Vergleich zu „Lysistrata“ 2017 zugelegt. „Das Wagnis hat sich gelohnt“, so Schürmer. Das Stück löste an anderen Spielorten in der Vergangenheit Antisemitismus-Diskussionen aus. Fast schon ein Phänomen ist das Kinderstück. „Das kleine Gespenst“ toppte noch „Jim Knopf“ aus 2017 und war nahezu immer ausverkauft. „Das hätten wir nicht gedacht“, so Schürmer. „Wir werden am Ende auch finanziell gut abschneiden.“ Da dürfte er Recht haben. Endabgerechnet ist erst im Spätjahr, doch spülte der Ticket-Verkauf rund 850 000 Euro in die Kasse, an Zuschuss flossen laut Büro der Intendanz 860 000 Euro.

Keine Absagen wegen des Wetters

Das Wetter begünstigte die Saison 2018, wenngleich Kreislaufprobleme ob der Hitze mehrere Notarzt-Einsätze nötig machten. Nur zwei Vorstellungen mussten wegen Regen unterbrochen werden. Dass neun Umbesetzungen nötig wurden – wegen Kehlkopfentzündung, Muskelfaserriss oder Bienenstich mit Verdacht auf Blutvergiftung – hat man so unter Schürmer noch nicht erlebt. Hier zahlte sich das familiäre Wir-Gefühl des Ensembles aus, das der Intendant im Team mit Barbara Fleck und Katja Speck traditionell immer wieder erzeugte. „Die Leute fühlen sich aufgehoben.“ Das sei ein wichtiger Faktor.
OB Arnold erklärt, Schürmer habe in zwölf Jahren „neuen Schwung“ in die Festspiele gebracht und „eine halbe Million Menschen glücklich gemacht“. Der von ihm initiierte Müller-Graf-Publikumspreis bleibe erhalten. „Sie haben auch sehr erfolgreich für sich gewirkt“, sagt er und wünscht Schürmer alles Gute nach der Zeit in der Stadt an der Alb. „Wir sind gespannt, wie es weiter geht.“ Es bleibt spannend – 2019 werden mit Intendantin Solvejg Bauer die Karten neu gemischt. „Erbprinz“-Chef Bernhard Zepf jedenfalls hofft schon mal auf eine gewisse Kontinuität: „Ich würde mich freuen, wenn wir nächstes Jahr wieder ein Programm bekämen.“

Zuschauerzahlen:
Die Auslastung im Einzelnen: „Chicago“ 16 257 Zuschauer (Auslastung 86,12 Prozent). „Der Kaufmann von Venedig“ 6 228 Zuschauer (57,19 Prozent). „Das kleine Gespenst“ 8 874 Zuschauer (98,60 Prozent). Revue „Immer wieder sonntags“ 2 347 Zuschauer (62,09 Prozent), Jugendstück „Einer für alle“ 155 Zuschauer, Krimi-Lesung und „Werther“-Lesung 113 Zuschauer (56,5 Prozent), Gastspiel „The Cast: Oper macht Spaß“ 238 Zuschauer (36,9 Prozent), „Mr. Rod – The No.1 Rod Stewart Show“ 572 Zuschauer (78,8 Prozent), Erbprinz, Specials mit Kulinarik: „La Mer – Chansons und mehr“ 149 und „Anatevka kurz-weilig“ 169 Zuschauer. Restaurant Padellino „Italiener schlafen nackt“ 560 Zuschauer.