Der Ettlinger Bürgermeister Theophil Kaufmann spielte im Parlamentarischen Rat eine wichtige Rolle. | Foto: Erika Wagner-Hehmke/Stiftung Haus der Geschichte

Theophil Kaufmann

Grundgesetz: Der „Moderator“ kam aus Ettlingen

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Vor 70 Jahren ist das Grundgesetz in Kraft getreten. Namen wie Konrad Adenauer (CDU), Theodor Heuss (FDP), Carlo Schmid (SPD) sind mit diesem Werk als „Verfassungsväter“ bis heute verbunden. Ein Name hätte es verdient, im gleichem Atemzug genannt zu werden. Theophil Kaufmann, Bürgermeister von Ettlingen von 1946 bis 1948. Er war mit dabei, als 61 Männer und vier Frauen im Parlamentarischen Rat das Grundgesetz schufen.

Ettlinger Bürgermeister saß im Parlamentarischen Rat

Im Sommer 1948 wird Kaufmann vom Landtag Württemberg-Badens in
den Parlamentarischen Rat gewählt. Er gehört dem Hauptausschuss an. Er ist im Geschäftsordnungsausschuss . Dort stellvertretender Vorsitzender. Ab Februar 1949 ist er Mitglied im Ältestenrat.

„Im Parlamentarischen Rat trägt er als Vermittler zwischen den Vertretern unterschiedlicher Standpunkte wesentlich zum Gelingen der Arbeiten bei“, so Professor Erhard Lange in einer Abhandlung über die Entstehung des Grundgesetzes für die Stiftung Haus der Geschichte.

Kaufmanns Bedeutung weitgehend unterschätzt

Die Bedeutung des Christdemokraten für die Entstehung des Grundgesetzes ist bis heute weitgehend unterschätzt. Dabei gilt der gebürtige Frankfurter als jener Politiker, der mit die größten Verdienste hatte, dass die scheinbar provisorische Verfassung so schnell zustande gekommen ist.

Der im Archiv für Christliche Demokratische Politik Sankt Augustin gelagerte umfangreiche Nachlass von Kaufmann ist Beleg dafür. Kaufmann gehörte sowohl dem Ende Januar 1949 gebildeten Fünferausschuss als auch dem im März 1949 etablierten Siebenerausschuss des Parlamentarischen Rates an, der den Auftrag hatte, festgefahrene Verhandlungspositionen unter den Parteien von links bis rechts aufzulösen.#

„Primus inter pares“ bei den Verhandlungen zwischen den Parteien

„Hier nimmt Kaufmann unangefochten die Stellung eines Primus inter Pares ein, der sich als dem Parteienstreit entzogener, abgeklärter Moderator versteht“, so Lange in seiner 2008 erschienenen Abhandlung weiter. Entsprechend habe er sich im Auftrag der CDU/CSU-Fraktion zeitweilig an den Beratungen des Ausschusses für Wahlrechtsfragen und des Ausschusses für Finanzfragen, um eine Kompromissbildung zu erleichtern, obwohl er keinem dieser Ausschüsse als Mitglied oder Stellvertreter angehört.

CDU-Mann war Mittler zwischen CDU, FDP und SPD

Für seine Mittlerrolle prädestiniert ihn sein unbedingter Wille, das Verfassungswerk möglichst zügig einem positiven Ergebnis auf breiter Grundlage zuzuführen. Er wird hierbei von Konrad Adenauer (CDU) unterstützt. Kaufmann bemüht sich auch um eine Verständigung mit den Sozialdemokraten und den Freien Demokraten. Gleichermaßen sucht er einen Ausgleich mit den Interessen der Ländervertreter und denen der westlichen Besatzungsmächte.

In Ettlingen züchtete er Geflügel und baute Gemüse an

Theophil Heinrich Kaufmann war im Frühjahr 1933 als „politisch untragbar“ aus allen öffentlichen Ämtern entlassen worden. Im Sommer 1935 zieht er weitgehend mittellos nach Ettlingen, wo er auf dem Anwesen seines Vaters zurückgezogen lebt und sich mit Geflügelzucht und Gemüseanbau seinen Lebensunterhalt verdient. 1945 ist er Mitbegründer der CDU in Ettlingen und im Landkreis Karlsruhe, deren Orts- und Kreisvorsitz er jeweils übernimmt (bis 1950), seit 1946 im CDU-Landesvorstand Nordbaden. Seit Januar 1946 im Stadtrat von Ettlingen, April 1946 bis 1948 Bürgermeister.

Mitbegründer der CDU in Ettlingen und im Landkreis

Außerdem zeitweilig Mitglied des Kreistags des Landkreises Karlsruhe. Wird im Sommer 1946 in die Verfassunggebende Landesversammlung von Württemberg-Baden gewählt. Sommer 1947 bis Sommer 1949 Mitglied des Frankfurter Wirtschaftsrats. Bei der ersten direkten Volkswahl zum Bürgermeisteramt in Ettlingen ist Kaufmann gegen Hugo Rimmelspacher (SPD) chancenlos. Der intellektuelle, freikirchlich engagierte Christ passt nicht ins katholische Ettlingen. Er fällt aus der Zeit.

Tunnelvorschlag sorgt für Gespött

Und mit Vorschlägen, die AVG-Trasse beim Schloss Ettlingen in einen Tunnel zu legen, macht er sich damals zu Gespött, wie sich Ehrenbürger Erwin Vetter an Gespräche mit Bürgermeister Camill Siegwart und Kaufmanns Bürgermeister-Vorgänger Carnier erinnert. Für seine Verdienste erhielt Kaufmann 1958 als erster Bewohner des Landkreises Karlsruhe das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik.