Wie lange kann die Volksbank Ettlingen- hier der Hauptsitz in der Wilhelmstraße - noch selbstständig bleiben? | Foto: Weis

Vertreterversammlung Ettlingen

Fusion für Volksbank (noch) kein Thema

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Die Volksbank Ettlingen will weiter selbständig bleiben, weiß aber nicht, ob ihr das angesichts der anhaltenden Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gelingen wird. So lautete die Kernaussage sowohl des Vorstandsvorsitzenden Wolfram Trinks als auch des Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Schreiber bei der Vertreterversammlung am Dienstagabend.

Herausforderung durch Negativzinsen

Beide sprachen von großen Herausforderungen für das Kreditinstitut durch die Zinssituation, die Digitalisierung und die „Regulierungswut“ der Politik. Schreiber erklärte, die Zahl der selbstständigen Genossenschaftsbanken, zu denen auch die Voba Ettlingen zählt, sei bundesweit auf „unter tausend“ gesunken. Ziel für die nächsten Jahre sei, das Eigenkapital weiter zu stärken.

Keine Gebühren am Geldautomat

Applaus für den Aufsichtsratsvorsitzenden gab es seitens der Vertreter in der Schlossgartenhalle, als er ankündigte, auch „weiterhin keine Gebühren zu verlangen, wenn unsere Kunden am Automaten Geld holen“. Hier verhalte sich die Volksbank anders als beispielsweise so manche Sparkasse. Vorstandssprecher Wolfram Trinks betonte, dass sein Haus angesichts der widrigen EZB-Zinspolitik mit dem Ergebnis 2016 zufrieden sei.

4,5 Prozent Dividende

Die Rahmenbedingungen würden „immer schwieriger“, dennoch zahle die Volksbank bei einem Bilanzgewinn von 1,98 Millionen Euro ihren rund 19 500 Mitgliedern die erkleckliche Dividende von 4,5 Prozent. „Das wird in Zukunft so nicht mehr möglich sein“, meinte Wolfram Trinks mit Blick auf 2017 und bat bereits um Verständnis für einen dann „reduzierten Dividendenvorschlag“.
Die Bilanzsumme der Volksbank Ettlingen stieg im abgelaufenen Jahr von 726 auf 760 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 4,25 Prozent entspricht. Man liege mit dieser Steigerung im Verbandsdurchschnitt, so Trinks.

Kundenkredite erhöhten sich

Die Kundenkredite erhöhten sich um gut zwei Prozent auf 412 Millionen Euro; 61 Millionen Euro wurden als neue Kredite zugesagt, „da könnten wir noch besser sein“. Um 3,3 Prozent in die Höhe gingen die Kundeneinlagen, die sich bei 664 Millionen Euro bewegen. Mehr als 80 Prozent waren auf Tagesgeldkonten geparkt – ein schlechtes Geschäft angesichts null Zinsen. Trinks appellierte daran, sich beraten zu lassen, um „das Geld besser anzulegen und das Ersparte wachsen zu lassen“.

Mitarbeiterzahl geht leicht zurück

Leicht abgenommen hat die Mitarbeiterzahl der Volksbank Ettlingen mit ihren insgesamt 14 Filialen. Sie sank von 184 auf nunmehr 168. Schließungen von Geschäftsstellen schloss der Vorstandssprecher ausdrücklich nicht aus, ohne hier konkreter zu werden. Zugleich betonte er, Entlassungen oder betriebsbedingte Kündigungen seien kein Thema.

Keine strukturellen Risiken  im Kreditgeschäft

Dem Prüfbericht des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes zu entnehmen ist, dass die Vermögens- wie Finanzlage der Bank geordnet ist. Die Ertragslage sei durch einen gegenüber 2015 reduzierten Zins- und Provisionsüberschuss bei ebenfalls gesunkenem Verwaltungsaufwand (Sach- und Personalkosten) gekennzeichnet. Im Kreditgeschäft seien keine besonderen strukturellen Risiken erkennbar.

90 000 Euro für Sponsoring

Die Voba Ettlingen zahlte 2016 rund drei Millionen Euro Steuern; 90 000 Euro steckte sie ins lokale und regionale Sponsoring. In den Aufsichtsrat, der aus acht Mitgliedern besteht, wiedergewählt wurden bei jeweils einer Gegenstimme aus dem 165 Vertreter starken Plenum Martina Betz-Weber, Waldemar Josef Kunz und Heinz Peters.