„DANACH SCHREIT DIE WELT“: Herrmann Ultraschall will bei der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien global mitspielen – daher der junge Geschäftsbereich „Metall“. Das Foto zeigt den Chef Thomas Herrmann (li.) mit Anwendungsentwickler Johannes Pohl. | Foto: Fabry

Karlsbader Erfolgsunternehmen

Herrmann Ultraschall expandiert global kräftig

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An dem Hochsitz im neuen Firmenmuseum werkeln die Handwerker noch am Tag des BNN-Besuchs. „Ideen für bahnbrechende Erfindungen hat mein Vater, ein passionierter Jäger, auf dem Hochsitz bekommen“, sagt Thomas Herrmann. Am Mittwoch soll das kleine, aber feine Museum von Herrmann Ultraschall fertig sein. Es ist Teil der neu gestalteten Zentrale samt ihres Neubaus, der mit 200 Gästen offiziell eröffnet wird. Auch die Tage darauf sind Feier-Tage: für 220 eingeladene Kunden und für 850 Mitarbeiter und deren Familien. Schließlich hat der Pionier des Ultraschallschweißens 22 Millionen Euro in den Neubau, in die Renovierung der Bestandsgebäude und in den Maschinenpark investiert.

Die Geschäfte brummen: 2007, als Thomas Herrmann von der US-Tochter nach Deutschland zurück kam, lag der Umsatz bei 34 Millionen Euro. 2018 sollen es über 90 Millionen Euro sein. „Wir stellen pro Monat in Deutschland durchschnittlich zehn Mitarbeiter ein.“ Zwar hat die Herrmann Ultraschall-Gruppe 24 Standorte in 18 Ländern. Produziert wird aber, von kleineren Werkzeugbau-Abteilungen in Japan, USA und China abgesehen, ausschließlich in Karlsbad. Dort sitzt auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E) mit 72 Mitarbeitern. Weil das expandierende Unternehmen weitere Softwareentwickler braucht, sucht es derzeit nach einer Mietimmobilie für eine F&E-Dependance in der Karlsruher Innenstadt. Potenzielle neue Mitarbeiter wollten das, so der Diplomingenieur Herrmann (55) im BNN-Gespräch.

Herrmann Ultraschall plant F&E-Dependance in Karlsruhe

Mit dem Neubau wurde die Werkzeugfertigung verdoppelt. Das Unternehmen setzt mehr denn je auf Lean Production, um den Standort Karlsbad wettbewerbsfähig zu halten und die Kundennachfrage befriedigen zu können. So gibt es mittlerweile sieben Fräszentren, die von Palettiersystemen umgeben sind: Diese liefern automatisch die nötigen Werkzeuge und Werkstücke. In einer von drei Schichten sind keine Mitarbeiter vor Ort. Kommt es während dieser „Geisterschicht“ zu einem Stillstand, dann erhält ein Mitarbeiter zu Hause automatisch eine SMS-Nachricht auf sein Handy (Herrmann: „Wie bei einem Arzt in Rufbereitschaft“). Dafür, dass er dann nach dem Rechten schaut, bekomme er eine Prämie.

ULTRASCHALL-GESCHWEISST statt geklebt: Herrmann Ultraschall arbeitet für viele Kunden weltweit, unter anderem für Automobilzulieferer. | Foto: Fabry

Gerade mal ein halbes Jahr alt ist der Geschäftsbereich Metall, der die Segmente Kunststoffe, Verpackungen und Hygieneprodukte ergänzt. Dort geht es vor allem um Lithium-Ionen-Batterien, „nach denen wegen der E-Mobilität die Welt schreit. Wir haben die ganz großen Hersteller als Interessenten“, so Herrmann. Diese wollten ein robustes, zuverlässiges System beim Ultraschallschweißen der Alu- und Kupferfolien der Batterien. 2023 wolle man über zehn Prozent des Gesamtumsatzes mit dem jungen Geschäftsfeld erzielen. Damit stelle sich Herrmann Ultraschall noch breiter auf und werde parallel die Internationalisierung voran treiben.

SETZT AUF DEN STANDORT KARLSBAD: Zwar hat die Herrmann Ultraschall-Gruppe 24 Standorte in 18 Ländern. Produziert wird aber, von kleineren Werkzeugbau-Abteilungen in Japan, USA und China abgesehen, ausschließlich in Karlsbad. Dort sitzt auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E) mit 72 Mitarbeitern. | Foto: Fabry

Herrmann Ultraschall-Gruppe (Karlsbad)
Gründungsjahr: 1961
Produkte: Maschinen zum Verschweißen von thermoplastischen Kunststoffen und von Nichtmetallen mit Ultraschall
Vorsitzender der Geschäftsführung: Thomas Herrmann
Umsatz: geplant über 90 (2017: 82) Millionen Euro
Jahresüberschuss: k. A.
Auslandsanteil am Umsatz: voraussichtlich 71 (2017: 66) Prozent
Mitarbeiterzahl: 520 (2017: 410)
Mitarbeiter in Karlsbad: 420 (2017: 330)
Präsenz: Headquarter in Karlsbad, USA, China und Japan, zusätzlich 20 Tech-Center
Homepage des Unternehmens: www.herrmannultraschall.com

Mehr lesen Sie in der Printausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten vom  28. November 2018