In der Tunnelröhre herrschte bei der Großübung ein inszenierter Ausnahmezustand durch einen Busunfall mit verletzten Passagieren, die unter anderem von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht wurden. | Foto: Klaus Müller

Wattkopftunnel-Großübung

Horrorszenario Bus-Unglück fordert die Einsatzkräfte in Ettlingen

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Von Klaus Müller

Das Szenario, und da sind sich die Einsatzleiter der Feuerwehr, des DRK und der Polizei einig, ist durchaus realistisch: Im Ettlinger Wattkopftunnel kam es zu einem Unfall mit einem Bus. Es gibt Verletzte und der Tunnel ist nicht mehr befahrbar. Nicht befahrbar, das trat tatsächlich ein – am Samstag war der knapp zwei Kilometer lange Tunnel vom frühen Vormittag bis gegen 14.30 Uhr komplett gesperrt. Grund dafür war eine groß angelegte Übung, an der sich insgesamt 180 Personen beteiligten; darunter Feuerwehrkräfte der Wehr Ettlingen, die mit Kommandant Martin Knaus auch den Einsatzleiter stellte, der Freiwilligen Feuerwehr Waldbronn sowie weitere Rettungsdienste (DRK), Schnelleinsatzgruppen, Polizei (Revier Ettlingen) und Mitarbeiter des Landratsamtes.

180 Einsatzkräfte sind vor Ort am Wattkopftunnel

Alle vier Jahre gebe es so eine Großübung, berichtet Patrick Bohner, Leiter des Amtes für Straßen im Landratsamt. Die Kreisbehörde ist übrigens für das Tunnel-Management zuständig. Kommt es zum Unfall,

Hand in Hand musste bei der Übung gearbeitet werden, um die „Verletzten“ in Sicherheit zu bringen. | Foto: Klaus MÜller

rückt laut Knaus die Ettlinger Feuerwehr zum Westportal des Tunnels aus, die Waldbronner Wehr zum Ostportal und zusätzliche Wehren aus Ettlingen zum Fluchtstollen. Entscheidend, vor allem mit Blick auf den Zeitfaktor, ist dabei die Alarmierungskette. Bei einem Unfall geschehe das normalerweise über die 110 oder die 112, erklärt Tunnel-Manager und Mitarbeiter des Straßenamts im Landratsamt, Jens Schmidtgen. Bei einem Brand mit entsprechender Rauchentwicklung wird der Tunnel automatisch über Schranken an den Portalen geschlossen. Gleichzeitig rückt neben den Rettungskräften der Tunnel-Bereitschaftsdienst aus, um vor Ort das Geschehen zu überwachen. „Wir können jederzeit von außen auf die 64 Kameras im Tunnel zurückgreifen – noch bevor der Bereitschaftsdienst da ist“, erklären Bohner und Schmidtgen. Überdies, was besonders bei starker Rauchentwicklung ganz wichtig ist, werden die gewaltigen Lüfter angeworfen. Und dass diese nicht nur laut, sondern sehr effektiv sind, ließ sich im Inneren des Tunnels bei der Übung schnell und nachhaltig feststellen und spüren.

Gewaltige Lüfter gegen gefährlichen Rauch

Allemal realistisch ist die Vielzahl an Einsatzkräften bei so einer Großübung. Immerhin galt es, rund 30 teils verletzte Personen, die waren entsprechend geschminkt, aus dem verunfallten Bus zu bergen – möglichst schnell aus den Tunnel in Sicherheit zu bringen. Wahrscheinlich dürften es im Ernstfall, bei solch einer Großschadenslage, sogar noch viel mehr Einsatzkräfte sein. Allein von 50 Polizisten geht der Ett

Ein Großaufgebot an Fahrzeugen war im Einsatz. Für mehrere Stunden war der Wattkopftunnel gesperrt. | Foto: Klaus Müller

linger Revierleiter Alexander Seifert aus. Deutlich weniger waren es bei der Übung. Den Part der Polizeieinsatzleitung übernahm Martin Oechsler. Mit Knaus und dem DRK-Kreisbereitschaftsleiter Alexander Schmidt bildete er das Einsatzleiter-Trio, das direkt und ohne Umwege im Bereich eines mobilen Einsatzzentrums (oberhalb des Tunnel-Westportals) zusammenarbeitete.
Entscheidend für den Ernstfall, darüber herrschte Einigkeit, sind die Erkenntnisse, die sich aus so einer Übung ziehen lassen. Kurzum: Zu optimieren gibt es immer etwas. Darüber soll eine umfassende Übungsnachbetrachtung Aufschluss geben. Die erste Zwischenbilanz fiel schon mal recht positiv aus.

Unfälle im Wattkopftunnel
Statistik: Folgende Unfälle gab es laut Landratsamt in fünf Jahren:
•2014: drei Unfälle ohne Verletzte; drei Unfälle mit drei Verletzten.
•2015: zwei Unfälle/drei Verletzte.
•2016: keine Unfälle.
•2017: zwei Unfälle ohne Verletzte.
•2018: bislang keine Unfälle.
Unfallursachen: Kollision mit der Tunnelwand, Berührung mit Gegenverkehr, acht Mal Auffahrunfälle bei Stau oder stockendem Verkehr.
Sperrung: Bei allen Unfällen erfolgte eine Tunnelsperrung. Allein schon, um der Polizei die Möglichkeit zu geben, den Unfall aufzunehmen. In Summe war wegen Unfällen der Tunnel in den vergangenen viereinhalb Jahren 14 Stunden gesperrt.
Verkehrsaufkommen: Knapp 19 000 Fahrzeuge, darunter rund 600 Lkw, haben 2017 täglich (24 Stunden) den Tunnel befahren.