KLICK UND WEG: Ein großes Thema ist auch im Bereich des Polizeireviers Ettlingen der Raddiebstahl. Künftig soll es weiter Präventionsarbeit geben. Symbolfoto: Warnecke | Foto: Warnecke dpa

Aufklärungsquote ein Prozent

Hunderte Fälle: Fahrraddiebstahl als Dauerproblem im Albtal

Das Thema Fahrraddiebstahl ist ein grundsätzliches Ärgernis, das die Bürger immer wieder beschäftigt. Seit Jahrzehnten kennt man zur Abschreckung der Kriminellen die Fahrradcodierungen durch die Polizei – die aber wie berichtet landesweit „eingespart“ wurden. Beim Revier Ettlingen bedauert man dies einerseits, will aber auf andere Weise weiter Präsenz zeigen und präventiv vorgehen.

Thema Personal schwingt mit

„Das Thema Personal schwingt mit“, bewertet Revierleiter Alexander Seifert die Abkehr von der Fahrradcodierung. Mit der kann im Fall eines gefundenen Rads direkt der Eigentümer ausfindig gemacht werden. Die eingefräste „Visitenkarte“ des Radfahrers wird auch als Abschreckung von Tätern gesehen, auch wird ein Weiterverkauf erschwert. Ob bei der Ettlinger Leistungsschau oder zur Eröffnung der Jugendverkehrsschule – die Codierungs-Aktionen der Polizei gehörten mit dazu. Beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr im kommenden Juni hätte man eigentlich auch codiert. „Eine schöne Sache für die Bürger“, so Seifert, der nach wie vor betont, dass er es für sinnvoll hält, jedes Rad zu codieren. Doch habe man sich im Land gerade auch angesichts der knappen Polizistenzahl für die Fülle der Aufgaben über „Sinn und Unsinn“ Gedanken gemacht.

Ende der Fahrradcodierung mit gemischten Gefühlen

Dass die Codierung abschreckt, sei durch Zahlen nicht zu belegen. Schlagen Diebstahlbanden zu – die in Osteuropa vermutlich ihre Heimat hätten – dann würden die Räder ohnehin oft zerlegt und die teure Technik verkauft. „Rahmen landen auf dem Schrott.“ Komplette Räder würden eher ins Ausland geschafft. Fakt ist laut Revierleiter, dass er keinen Fall benennen kann, bei dem ein Rad mit Codierung bei der Polizei aufschlug und der glückliche Eigentümer verständigt wurde. „Entweder wir codieren die falschen Räder oder die Diebe werden sehr abgeschreckt.“ Beim Codieren sei zudem oft ein Hemmnis gewesen, dass die Polizei einen Eigentumsnachweis braucht, um einzufräsen und in die neuen Carbon-Fahrräder gar nicht gefräst werden kann. „Wir werden am Raddiebstahl aber dran bleiben“, verspricht Seifert. Etwa mit sicherheitstechnischer Beratung. Problem sei, dass eben oftmals billige Schlösser verwendet werden, „die man mit Seitenschneider einfach durchknipsen kann“.

Örtliche Schwerpunkte sieht die Polizei nicht

Das Thema bleibe brisant. Die Aufklärungsquote liege bei einem mageren Prozent – was weg ist, bleibt in der Regel weg. „Wir haben Diebstähle verteilt über den ganzen Revierbereich.“ Wirkliche Ortsschwerpunkte sehe man bei der Polizei nicht. Der Blick auf die Statistik verdeutlicht, dass der Fahrraddiebstahl viele Opfer hinterlässt, wobei die Zahlen schwanken: An schwerem Diebstahl (abgeschlossene Räder) zählte man 2013 210 Fälle, 2014 dann 290, 2015 waren es 207, dann 264 und vergangenes Jahr 234. Diebstähle nicht abgeschlossener Räder wurden 2013 nur 40 angezeigt, dann 45, 44, 45 und 2017 53. Man könne davon ausgehen, dass Geschädigte bei der Anzeige erklären, das Rad war abgeschlossen, auch wenn es nicht stimmt. Erstens ist das Gegenteil nicht zu beweisen, zweitens zahle die zuständige Hausratsversicherung sonst nicht. Wie auch immer: Zu den 287 Raddiebstählen etwa 2017 könne man getrost noch von einer stattlichen Dunkelziffer an Fällen ausgehen, die nicht angezeigt wurden.

Die Polizei informiert zum Thema Fahrraddiebstahl und gibt Verhaltenstipps auf der Polizei-Beratungsseite