EIN WÄRMESPEICHER ist der Malscher Bühnsee, der in ein Nahwärmekonzept eingebunden wird. Im Hintergrund ist die Bühnsporthalle zu sehen. | Foto: Sabine Röwer

Energie im Wasser

Innovationsprojekt in Malsch: Dem Bühnsee wird Wärme abgezapft

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Das Nahwärmekonzept „Wärme aus dem Bühnsee“ soll jetzt in Malsch Gestalt annehmen, nachdem es um das Projekt still geworden war. Bekanntlich wollte man die Villa Federbach über das Energiekonzept beheizen – das klappte nicht. Vor Ort heizt man nun bereits seit Monaten mit einer mobilen Öl-Heizung.
Kurz gesagt soll die bestehende Nahwärmeversorgung per Hackschnitzel-Heizung im Bürgerhaus wesentlich erweitert werden. Ein Blockheizkraftwerk mit Wärmepumpe und Wärmespeicher soll entstehen. Eine Ausweitung auf das Jugend- und Familienzentrum Villa Federbach ist geplant, die Heizanlage im Bürgerhaus muss jedoch erneuert werden.

Hunderttausende Euro Förderung im Blick

Das von der Förderung her lukrative Seewärme-Innovationsprojekt bringt per Zuwendungsbescheid vom August 2018 rund 760 000 Euro vom Land. Im Herbst 2016 sei die erfolgreiche Teilnahme am „Klimaschutz mit System“-Wettbewerb bestätigt worden. Dass der Förderbescheid mit so viel Verzug kam, ist laut Bürgermeister Elmar Himmel der Grund, warum die Planung nicht mit dem Bau der Villa Federbach in Einklang gebracht werden konnte. Der Bund schießt zusätzlich knapp 140 000 Euro zu. Die gesamte Investition wird mit 1,86 Millionen Euro beziffert, rund 960 000 Euro blieben also an der Gemeinde hängen. Durch Einbindung der Hans-Thoma-Schule und Erreichung des Effizienzhausstandards KfW-70 würden weitere 250 000 Euro vom Land fließen – der Antrag werde noch geprüft. Für Spitzenlastzeiten erhält die Schule einen Zusatz-Gaskessel, da der Platz im Bürgerhaus nicht ausreiche. Versorgt werden sollen auch Bühnsporthalle, Sportpark, das geplante Seniorenzentrum und noch ein privater Neubau Am Hänfig. Das Nahwärmeprojekt habe bei der Versorgung Luft nach oben. Anvisiert ist die Versorgung des Hotels auf der Bühn, möglichst auch von Privathaushalten.

Ein Viertel der Nahwärme aus dem See?

Etwa ein Viertel der erzeugten Energie soll über Seewärme erzeugt werden. Hierzu werden Seekollektorrohre auf einer Fläche von knapp 1 500 Quadratmetern ins flache Gewässer eingebracht und in Kies eingebettet. In diesen zirkuliert ein Wärmeträgerfluid. Einfach ausgedrückt wird dem See, der durch Sonne und Erde erwärmt wird, moderat Wärme entzogen. Der Zeitplan ist ambitioniert: Ab April diesen Jahres soll ausgeschrieben werden, im Mai Aufträge vergeben, im Juli die Seekollektoren installiert und Gaskessel in der Thoma-Schule gebaut werden.

100.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit

Nach Baubeginn im Juni 2020 soll im September die neue Heizzentrale im Bürgerhaus fertig sein. Wer das Wärmekonzept nach Fertigstellung betreut, ist noch nicht klar, es könnte die Gemeinde sein oder auch eine Bürgerenergiegenossenschaft. Gleich drei Planungsbüros sind beim Prestige-Projekt im Boot. Wie wichtig dem Land die Kommunikation der Innovation ist, zeigen die vorgesehenen 100 000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit. Angedacht ist etwa ein informativer Erkundungspfad auf der Bühn.