Gärtnern verbindet: Im Interkulturellen Garten in Karlsbad hegen und pflegen insgesamt 20 Familien aus zehn Nationen ihr Gemüse – und verbessern ihr Deutsch.
Gärtnern verbindet: Im Interkulturellen Garten in Karlsbad hegen und pflegen insgesamt 20 Familien aus zehn Nationen ihr Gemüse – und verbessern ihr Deutsch. | Foto: Weber

Gemeinsames gärtnern

Integration am Zucchini-Beet: Interkultureller Garten in Karlsbad wächst und gedeiht

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Hier wird geharkt, gepflanzt, gegossen und in wenigen Wochen wohl schon das erste eigene Gemüse geerntet: in dem vor zwei Jahren angelegten „interkulturellen Garten“ oberhalb der Kleinkartenanlage in Karlsbad-Langensteinbach.

Von unserem Mitarbeiter Gustl Weber

„In der Fremde Wurzeln schlagen“, lautete vor zwei Jahren die Zielsetzung der Initiatoren, des Runden Tisch Asyl Karlsbad und des BUND Karlsbad/Waldbronn. Die Gemeinde stellte 2018 ein rund 20 Ar großes Ackergrundstück zur Verfügung, auf dem, fein säuberlich durch kleine Schurgerüste abgetrennt, 19 Parzellen ausgewiesen sind.

20 Familien gärtnern  zusammen

Immerhin 20 Familien aus zehn Nationen gärtnern hier zwischenzeitlich gemeinsam. Mit dabei Geflüchtete aus Syrien, Iran, dem Irak, Palästina oder Tschetschenien, schon länger hier lebende Familien aus Albanien, Ecuador oder Portugal (darunter einige aus Waldbronn) sowie drei Karlsbader Familien.

„Der Garten ist eine ideale Möglichkeit zur Integration von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kulturkreise auch in unserer Gesellschaft“, sagt Manfred Müller, Koordinator und unermüdlicher Motor dieses Projekts. „Unsere einheimischen Hobbygärtner bieten dabei nicht nur Ratschläge, was in unseren Breitengraden am besten wächst und gedeiht, sie fördern auch das Erlernen der deutschen Sprache, was deutlich hörbar wird.“

Müller hat gleich schon mal 100 Tomatensetzlinge aus dem eigenen Garten mitgebracht. Unterstützt wurde er anfangs von der damaligen Ehrenamtskoordinatorin des Runden Tisch Asyl Karlsbad, Sabine Meglio. Seit Mitte 2015 ist Husam Alsamarei, mit seiner Frau und drei Kindern aus dem Irak geflüchtet, hier: „Wir freuen uns, wenn wir wieder eigenes Gemüse ernten können, auch wenn es manchmal etwas anders schmeckt als früher zu Hause.“

Der Garten ist eine ideale Möglichkeit zur Integration von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kulturkreise auch in unserer Gesellschaft

Manfred Müller

Der Besuch des gemeinsamen Gartens mache auch den Kindern, die hier Spielkameraden haben, riesigen Spaß. „Hier ist mehr als ein Garten. Hier ist ein Treffpunkt.“ Aus Syrien ist 2015 Imad Estifan mit Frau und drei Kindern geflüchtet. Er ist für die Unterstützung der Initiatoren des interkulturellen Gartens und der aktiv beteiligten Karlsbader Familien überaus dankbar. Man habe schon sehr viel über das Leben hier gelernt. Wenn auch noch etwas mühsam, so verstehe man die Sprache immer besser und könne auch selbst sprechen.

Favoriten in den Beeten sind Zucchini, Paprika, Mangold, Tomaten, Kürbisse, Auberginen, aber auch landestypische Kräuter und Gewürze der Herkunftsländer. Gedüngt wird mit Pferdemist. Der in den zunehmend trockenen Sommermonaten erhebliche Wasserbedarf – laut Müller pro Saison bis zu 30.000 Liter – wird mit großer Unterstützung durch den naheliegenden Bio-Milchhof Thomas Knodel gestillt. Für die Gerätschaften steht ein Bauwagen zur Verfügung. Nun möchte man eine kleine Spielfläche für die Kinder gestalten. Die Anlage wird rein ehrenamtlich, ohne öffentliche Mittel betreut, betonen die Vertreter des Runden Tisch Asyl.