Albrecht Glaser im April vergangenen Jahres bei einem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD). Foto: Christoph Schmidt | Foto: dpa

Ex-Bürgermeister von Waldbronn

Ist Albrecht Glaser als Bundestagsvizepräsident eine Zumutung?

Anzeige

Albrecht Glaser, Kandidat der AfD für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten, ist in Ettlingen und Umgebung kein Unbekannter. War er doch von 1980 bis 1987, als er Knall auf Fall zum hessischen Wohlfahrtsverband wechselte, Bürgermeister des Kurortes Waldbronn. Bundestagsabgeordnete von SPD, FDP, Grünen und Linkspartei sträuben sich dagegen, den AfD-Kandidaten Albrecht Glaser zum Bundestagsvizepräsidenten, wie von der AfD gewünscht, zu wählen.

Albrecht Glaser war Bürgermeister in Waldbronn

Zur Begründung verwiesen sie in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auf Äußerungen Glasers, in denen er die Religionsfreiheit für Muslime in Abrede gestellt haben soll. Sie gelte demnach nicht, da der Islam eine politische Ideologie und keine Religion sei, hatte Glaser in verschiedenen Interviews ausgeführt.
Die älteren Waldbronner, insbesondere frühere Mitarbeiter aus Verwaltung und Gemeinderäte, erinnern sich noch gut an ihren früheren Schultes. So auch Herbert Masino, ehemals – insbesondere in der Ära von Martin Altenbach, Nachfolger von Glaser auf dem Rathaussessel – „Macher“ in der Waldbronner Verwaltung: Ihn habe schon erstaunt, dass Glaser, der in seiner Waldbronner Amtszeit politisch nicht zu Extremen geneigt habe, bei der AfD gelandet sei. Beleg dafür sei, dass in der Zeit – ähnlich wie auch in der Ära Altenbach – über die Fraktionen hinweg fast alle Beschlüsse einstimmig gefasst worden seien. Ob er Glaser bei der Wahl für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten seine Stimme geben würde?

Würden Sie für Glaser stimmen?

Die Frage, so Herbert Masino, der einst öfter Glaser nach nächtelangen Gemeinderatssitzungen, vielleicht auch „Nachsitzungen“, nach Hause chauffierte, müsse er zum Glück nicht beantworten, das sei nun mal Aufgabe der gewählten Abgeordneten.
Ein CDU-Gemeinderat aus jener Zeit, der nicht namentlich genannt werden will, erinnert sich noch genau an Glaser. Der sei ausgesprochen eloquent gewesen. In den Gemeinderatssitzungen – obwohl schon alles in der damals mit absoluter Mehrheit „regierenden“ CDU vorberaten gewesen sei – seien noch mal stundenlange Reden gehalten worden, bei denen Glaser ohne Punkt und Komma mitgemischt habe. Glaser habe die Zügel in der CDU-Fraktion fest in der Hand gehabt. Letztmals habe er Glaser beim 25-jährigen Bestehen des Waldbronner Jugendtreffs – das sei einige Jahre her – als Gast in Waldbronn gesehen. Glaser sei stets „Ich“-bezogen gewesen. So habe er nach einer Fraktionssitzung einmal gesagt, er werde Bundeskanzler.

1982: Glaser schickte Glückwünsche an Kohl

Und als 1982 Helmut Kohl zum Bundeskanzler gewählt worden sei, habe Glaser ein bereits fertig formuliertes Glückwunschschreiben in die CDU-Fraktion gebracht, das alle CDU-Gemeinderäte unterschrieben hätten und in dem Kohl insbesondere aufgefordert worden sei, Europa weiter zu entwickeln. Der CDU-Mann würde Glaser aber nicht zum Bundestagsvizepräsidenten wählen. Dem Islam abzusprechen eine Religion zu sein, sei ebenso absurd, wie wenn man dem Christentum die Religionsfähigkeit wegen Exzessen im Mittelalter abspreche. Der frühere CDU-Landesminister Erwin Vetter dagegen, würde Glaser wählen: „Der Mann ist demokratisch legitimiert, ich halte es für einen Grundfehler der Politik, mit taktischen Manövern solche Leute aus Ämtern fernzuhalten.“ Er sage seiner Partei schon seit Jahren, die AfD mit Argumenten hart zu bekämpfen. „Bekriegt sie nicht mit Ausschluss“, betont Vetter weiter.

Bekriegt sie nicht mit Ausschluss

Das sei ein „Riesenfehler“. Die AfD biete inhaltlich genügend Angriffsflächen. Beispielsweise hätten die meisten Menschen in diesem Land noch nicht mitbekommen, dass diese Partei die Sozialversicherung abschaffen wolle. Waldbronns Bürgermeister Franz Masino (SPD), Nach-Nach-Nachfolger Glasers, dagegen, würde ihm keine Stimme geben. In der AfD hätten die Rechtsradikalen immer mehr das Sagen. Da gehe es nicht nur um die Aussagen zum Islam. Die Personalie Glaser, zu dessen Tätigkeit in Waldbronn er nichts sagen könne und wolle, sei aktuell in Waldbronn ein großes Thema. Dies habe er auch beim Kerwe-Feschd bei den Tischgesprächen gespürt. Er habe dabei den Eindruck gehabt, dass die große Mehrheit „Nein“ zu einer Tätigkeit Glasers im Bundestagspräsidium sage. Wahrscheinlich sei dies auch der Verdruss über Glasers „Untätigkeit“ in Sachen „Kommunaler Zusatzversorgung und Ruland-Kliniken“, weswegen ja Waldbronn finanziell ziemlich im Schlamassel sei.

Hat Glaser  Waldbronn finanziell in Schlamassel getrieben?

Der neue FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung, Wahlkreis Karlsruhe-Land, ließ mitteilen, er werde den AfD-Politiker Glaser nicht zum Bundestagsvizepräsidenten wählen. „Für uns als FDP ist Herr Glaser eine Zumutung. Denn er lehnt pauschal das Grundrecht der Religionsfreiheit für alle Muslime ab. Diese Position ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“, sagte Jung.