Herdenschutzhunde bewachen jetzt die Walliser Schwarznasen von Schafzüchter Michael Krüger in Auerbach. Die Maremmano Abruzzese sollen es im Ernstfall mit dem Wolf aufnehmen, auch wenn sie noch nie Kontakt mit den Raubtieren hatten. | Foto: Rainer Obert

Erste Herdenschutzhunde

„Jeder sieht plötzlich den Wolf“ – Rückkehr sorgt für banges Warten

Kaum ein Naturthema wird so stark diskutiert wie die Wolfsrückkehr. Aber spätestens seit Ausweisung der „Förderkulisse Wolfsprävention“ durch das Land ist der Auerbacher Schafzüchter Michael Krüger (55) stinksauer. „Das war ein Schnellschuss.“ Nachdem im April 44 Schafe durch eine Wolfsattacke im nahen Bad Wildbad umkamen, wurde das Gebiet umrissen – und Karlsbad liege wegen ein paar hundert Metern so nicht drin.

Mehr Sicherheit für seine Schafe verspricht sich Michael Krüger in Auerbach durch Schutzhunde. | Foto: Obert

Obwohl dort eine Ballung an Schafzucht vorhanden ist, betont Krüger. Er kommt somit also nicht an die 90 Prozent Kostenersatz für Herdenschutzmaßnahmen und 1.950 Euro für Unterhalt und Ausbildung von Herdenschutzhunden. „An den Haaren herbeigezogen“, nennt der Schafzüchter die ganze Vorgehensweise. Das sehe man schon am krummen Betrag von 1.950 Euro. Wer denke sich den sowas aus? Krüger schüttelt mit dem Kopf.

Berghunde auf Patrouille in Auerbach

Er selbst bringt es auf etwa 150 Tiere im Schnitt, insgesamt sind es in Karlsbad geschätzt 1 500 Mutterschafe. Dem Wolf könne man keinen Vorwurf machen. „Ich werfe das denen vor, die den Wolf ums Verrecken wollen.“ Er hat selbst gehandelt und sich zwei Herdenschutzhunde angeschafft, sich selbst ausbilden lassen. Die imposanten Berghunde der Rasse Maremmano Abruzzese bewachen gerade seine Walliser Schwarznasen-Schafe, eine von drei Rassen, die er züchtet. Neben den Hütehunden

Schilder weisen bei Auerbach auf die eingesetzten Schutzhunde hin. | Foto: Rainer Obert

nun also noch Schutzhunde. Warnschilder mit Verhaltensregeln etwa für Hundehalter hat er aufgestellt. „Die Hunde machen ihren Job.“ Tatsächlich sind die agilen Tiere ständig auf der Hut. „Sie wurden praktisch in die Herde hineingeboren.“ Sobald es dämmert, gehen sie noch konzentrierter auf Patrouille. „Sie wissen, dass nachts die Gefahr größer ist.“

Ich schlafe keine Nacht mehr ruhig

Michael Krüger hat enge Kontakte nach Brandenburg, wohin der Wolf schon vor Jahren zurückgekehrt ist. „Die haben das alles schon erlebt. 2017 gab es dort 1 500 Nutztier-Risse. Das bekommen wir hier ja gar nicht mit.“ Frankreich habe zuletzt 15 Millionen entschädigt – und nun 40 Wölfe zum Abschuss freigegeben.
Die jetzigen Zäune seien kein ausreichender Schutz. Am besten gut über einen Meter hoch, nach außen überhängend, mit Flatterband versehen. „Aber wer soll das machen?“ Arbeitszeit werde eh nicht bezuschusst. „Wir stehen finanziell sowieso mit dem Rücken zur Wand.“ In der Zucht könne man ein Mutterschaf nicht einfach ersetzen. „Ich schlafe keine Nacht mehr ruhig.“

Jäger melden keine Sichtungen

Wolfgang Huber von der Naturschutzbund-Gruppe Murgtal hatte Ende 2017 schon von einer Sichtung eines vermeintlichen Wolfspärchens bei Bruchhausen nahe der B3 berichtet. Die Jägerschaft vor Ort zweifelt an dauerhaften Aufenthalten. „Das kann ich mir bei uns nicht vorstellen, hier ist es total zersiedelt“, so Thomas Hahn, Hegeringleiter für Ettlingen, Rheinstetten und Malsch. Die Schafrisse von Bad Wildbad haben

Mit Vorsicht sind private Wolfssichtungen zu interpretieren. Die Menschen sind sensibilisiert. | Foto: Pleul (dpa)

aufgerüttelt. „Jeder sieht plötzlich den Wolf“, so Züchter Michael Krüger. Er verlasse sich nur noch auf bestätigte Wolf-DNA. Dass die Menschen sensibler geworden sind, wird von Jägerseite bestätigt. Der Karlsbader Waidmann Volker Ried: Man höre viel, doch sei er „täglich im Revier“ und habe noch keinen Wolf gesehen. Erzählt werde einiges. Klar sei für ihn eins: „Der Wolf gehört im Leben nicht hier her.“ Ein Jäger aus dem Bereich Ettlingen kennt ebenfalls die eher diffusen Wolfssichtungen von Privatleuten seit dem Vorfall in Bad Wildbad. In Richtung Wolfartsweier oder auch auf den Albtalhöhen.  Ein privates Video aus Karlsbad soll einen Wolf zeigen – man erkenne aber so gut wie nichts. Auch wenn die Gefahr für den Menschen – wie von Tierschützern betont – sehr begrenzt erscheint, sieht Michael Krüger auf Dauer mit Blick auf den Wolf ein Umdenken beim Menschen. „Das Freizeitverhalten wird sich ändern.“