Weihnachtskrippe in der Kirche Sankt Josef in Ettlingen-Bruchhausen mit Maria und dem Verkündigungsengel | Foto: Werner Bentz

Thesen von Theo Breisacher

Jesus Christus: Einziger Weg zu Erlösung und Heil?

Die Christologie – die Lehre von Jesus Christus als dem wirklichen Sohn Gottes – ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Der evangelische Pfarrer Theo Breisacher aus Spielberg wehrt sich entschieden dagegen, die Gestalt Jesu von Nazareth zu relativieren. Er gehört zu einer Minderheit evangelischer Seelsorger, die nicht der Versuchung unterliegen, als Zugeständnis an den Zeitgeist Jesus Christus, das Kind in der Krippe, auf die gleiche Stufe wie Propheten oder Heilige, zu stellen. Das Besondere an Jesus sei vielmehr, dass er keinen menschlichen Vater habe: Maria sei durch das göttliche Wirken des Heiligen Geistes schwanger geworden.
Schon zur Feier der 500-jährigen Wiederkehr des Anschlags der 95 Thesen von Martin Luther, zu den Reformationsfeierlichkeiten am 31. Oktober 2017, hat Theo Breisacher mit sechs Thesen „festgestellt“, dass in der Kirche der Reformation erneut elementare biblische Wahrheiten in Frage gestellt würden: Eine christliche Kirche, die diese Wahrheiten aufweicht, so der seit acht Jahren in Spielberg tätige evangelische Pfarrer, beraubt sich ihrer eigentlichen Kraft.

Jesus ist durch Tod am Kreuz und Auferstehung einzigartig

Breisachers These 1: Es entspricht nicht der biblischen Wahrheit, sofern in der evangelischen Kirche gelehrt wird, dass es neben Jesus Christus noch andere Wege zu Heil und Erlösung gibt. Kernpunkt der biblischen Lehre, gerade auch an Weihnachten sei, „in Jesus von Nazareth ist der ewige Gott Mensch geworden. Durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz und durch das Wunder seiner Auferstehung ist Jesus einzigartig unter allen Religionsstiftern. Das ist der konfessionsübergreifende Kern der christlichen Botschaft. Eine Kirche, die diese Wahrheit aufgibt, verliert ihre Überzeugungskraft und sondert sich von der Gemeinschaft mit den anderen Kirchen ab.“

Pfarrer Theo Breisacher fordert seine evangelische Landeskirche mit seinen Thesen zur Gottessohnschaft Jesu heraus. | Foto: Werner Bentz

Er sehe auch mit Sorge, so Breisacher in seiner zweiten These, dass in vielen Predigten der Eindruch vermittelt werde, dass für die Menschen auch ohne Vertrauen auf Jesus Christus das Heil gelte und sie im „letzten Gericht“ deshalb nicht verloren gehen können.

Wunder  keine nachträglichen Erfindungen

Auf diese Weise werde die Gnade Gottes so groß gemacht, dass der persönliche Glaube, der das Heil in Jesus Christus begreift, letztlich belanglos wird. Ein Zentrales gerade der Reformation sei dagegen gewesen, dass das angebotene Heil in Jesus Christus allein durch den Glauben ergriffen werden müsse.
Breisacher ärgert, dass viele Wunder Jesu oft nur noch als nachträgliche „Erfindungen“ der ersten Christen verstanden würden. Damit werde die Bedeutsamkeit der Botschaft von Jesus, dessen Geburt an Weihnachten gefeiert wird, verwässert. Das Glaubensverständnis der Jünger Jesu sei ein anderes gewesen: Sie sind Augenzeugen von außergewöhnlichen Taten, die kein gewöhnlicher Mensch vollbringen kann. Die Wunder sind laut Theo Breisacher ein starker Hinweis für die Einzigartigkeit Jesu: „Wer seine göttliche Herkunft und seine bleibende Gottessohnschaft leugnet, raubt ihm die Ehre und das Lob, das ihm gebührt, und stellt die Rettungstat Jesu (Kreuzestod und Auferstehung) in Frage, so Breisacher in seiner These 3.
Breisacher erinnert daran, dass es eklatant den Lutherschen Selbstverständnis der Heiligen Schrift („allein die Bibel“) widerspricht, wenn die theologische Wissenschaft lehre, die Texte der Bibel seien ausschließlich subjektive Äußerungen der Glaubenden.

Zehn Gebote mehr
als innerweltlicher Denkprozess

Er sehe mit Sorge, dass selbst zentrale biblische Gebote – dabei deutet er auf ein Gemälde mit Moses und den Zehn Geboten in seinem Spielberger Arbeitszimmer – nur als innerweltlicher Denk- und Traditionsprozess angesehen werde. „Es ist an der Zeit“, so Breisacher sinngemäß in seinen Thesen 5 und 6, die Monopolstellung der historisch-kritischen Bibelauslegung in der theologischen Ausbildung und Forschung zu überwinden.
Pfarrer Roland Merz von der katholischen Seelsorgeeinheit Ettlingen Land weiß, was er an dem Kind in der Krippe von Bethlehem hat: „Durch ihn wird der unfassbare Gott fassbar“. Eine streng wörtliche Auslegung der Bibel ist seine Sache dennoch nicht. Ein Katholik dürfe gerne die Tradition und das Lehramt seiner Kirche hinzuziehen, aber alles durchaus unter Miteinbeziehung von Vernunft. Die Einbeziehung der Aufklärung sei kein Fehler. Dennoch: Die Wunder Jesu bestätigten den Glauben an Jesu Christus. Aber: Sein eigener Glaube brauche keine „Sensationen“.

Mein eigener Glaube
braucht keine „Sensationen“

Er halte es mit dem großen Kirchenlehrer Thomas von Aquin „Gott muss in uns den Glauben wecken. Der Mensch könne von sich selbst aus nicht glauben.“ Sein eigenes Fundament sei das Große Glaubensbekenntnis und hier heiße es „Wir glauben… an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“