Hat es nicht leicht: An einer vererbten, seltenen Blutkrankheit leidet Gökhan (5) – hier mit der Mutter auf dem Weg in die Ettlinger Moschee. | Foto: pr

Typisierung am Karfreitag

Kampf um das Leben des fünfjährigen Gökhan in Ettlingen

„Die Ärzte sagen, es muss jetzt sein.“ Pirsene Yilmaz von der Türkischen Frauengemeinde an der Ettlinger Moschee schildert das Leiden des kleinen Gökhan Simsek durch die seltene Blutkrankheit Fanconi-Anämie eindrücklich. Man hofft auf Hilfe für den Fünfjährigen. Er ist der Sohn des Imam in Ettlingen, seit rund drei Jahren ist die Familie im Land. Sie hat Pirsene Yilmaz um Hilfe gebeten, denn sie ist auch als Übersetzerin in der türkischen Gemeinde tätig. In eineinhalb Jahren wird der Imam in die Türkei zurückkehren. Die

Wirbt für die Typisierungsaktion: Pirsene Yilmaz von der Türkischen Frauengemeinde. | Foto: Rainer Obert

Geistlichen werden immer nur auf Zeit entsendet. Die Anämie seines Sohnes wurde vor einige Monaten entdeckt und bewirke, dass dieser blass ist, überall blaue Flecke bekommt, stets schlapp ist und schier nicht zu stoppendes Nasenbluten auftritt. Die Synthese von roten und weißen Blutkörperchen ist stark eingeschränkt, auch werden die Zellen von seinem Körper verstärkt abgebaut.

Blut schoss in Strömen aus der Nase

Er bekommt in Klinikaufenthalten Thrombozyten (Blutplättchen) – die Suche nach einem Stammzellenspender werde aber immer dringender. Untersucht wurde bereits sein älterer Bruder, jedoch passten die Stammzellen nicht hundertprozentig. Die Ärzte schlugen zuletzt Alarm. „Auf einer Fahrt nach Freiburg schoss ihm das Blut plötzlich aus Mund und Nase“, berichtet Pirsene Yilmaz. Mit Eisbeuteln habe man verzweifelt versucht, die Blutung zu stoppen, alle seien am Ende völlig blutverschmiert gewesen. Die Typisierungsaktion soll in der Ettlinger Mevlana Moschee (Rheinstraße 16) kommenden Karfreitag von 13 bis 19 Uhr stattfinden (die BNN berichten in ihrer Samstagsausgabe). Warum am christlichen Feiertag? Dann kämen viele – auch junge – Muslime in die Moschee zum traditionellen Freitagsgebet, da sie nicht arbeiten müssen, begründet Yilmaz die Entscheidung. Sie hofft auf Verständnis und eine große Teilnahme.

Es ist eine gute Tat

„Es ist eine gute Tat.“ Wie die Ärzte im Städtischen Klinikum Karlsruhe erklärten, lassen sich bisher leider wenige Türken typisieren. „Viele denken, es könnte gefährlich sein“, weiß die Türkin. Verwechslungen einer Blutstammzell- oder Knochemarkspende mit einer Rückenmarkspende seien nicht selten. Notwendig ist nur ein Wangenabstrich bei der Typisierung, Ärzte und Krankenschwestern sind vor Ort. Patienten türkischer Abstammung haben laut Blut e.V. schlechtere Chancen, einen fremden Spender zu finden. Grund dafür seien genetische Merkmale – deshalb müssten sich noch viel mehr türkisch-stämmige Menschen registrieren lassen.  Die türkische Gemeinde wird am Karfreitag während der Aktion bewirten und so auch um Spenden für die Kosten der Typisierung bitten.

Jeder Gesunde zwischen 17 und 45 Jahren könne sich registrieren lassen, mitzubringen ist die Krankenkassenkarte. Man sollte laut Blut e.V. mindestens 50 Kilogramm wiegen. Wer sich schon bei einer anderen Spenderkartei erfassen hat lassen, muss sich nicht noch einmal typisieren lassen. Mitorganisator der Aktion ist der Blut e.V., Info unter (0 72 44) 6 08 30 und auf www.blutev.de.