Die Motorradlärm-Diskussion ist nicht neu, soll aber aus Sicht eines Zusammenschlusses von Kommunen und Land konkreter angepackt werden – inklusive Verschärfung der Kontrollen und Strafen. | Foto: Bernd von Jutrczenka

Härtere Strafen gefordert

Karlsbad macht gegen Motorradlärm mobil

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Auch im Albtal gibt es viele Klagen über zu laute Motorrad-Raserei, etwa auf den Strecken von den Höhenorten ins Albtal. Karlsbad tritt deshalb einer Kommunen-Initiative gegen den Lärm bei – und fordert härte Strafen und klare Regeln.

Zu viel Lärm macht krank, dagegen vorzugehen ist insofern fast logisch. Dass sich die Gemeinde Karlsbad jetzt der Initiative baden-württembergischer Kommunen gegen Motorradlärm angeschlossen hat, erschließt sich indes auf den ersten Blick nicht sofort.

Bürgermeister Jens Timm erhofft sich ein Umdenken beim Umgang mit rasenden und lautstarken Motorradfahrern.

In einem Schulterschluss mit dem Land haben sich 30 Kommunen zusammengetan. Darunter sind vornehmlich Städte und Gemeinden mit traditionell überdurchschnittlich hohem Motorradverkehr – etwa an der Schwarzwaldhochstraße oder auf der Schwäbischen Alb gelegene Orte. Ein Forderungskatalog wurde aufgestellt.

Bürgermeister fährt selbst Motorrad

Der Landes-Lärmschutzbeauftragte Thomas Marwein hatte aus ihrer Sicht lärmgeplagte Kommunen nach Stuttgart eingeladen. Auch Jens Timm war vor Ort, um ein Zeichen zu setzen und dem Problem in der Öffentlichkeit mehr Gewicht zu verschaffen. „Auch wir haben entsprechende Strecken auf unserer Gemarkung“, betont Timm im BNN-Gespräch.

Die Beschwerden häuften sich in der Vergangenheit, der Ruf nach mehr Kontrolle werde auch in Karlsbad lauter. Röhrende Motorräder und entsprechende Beschwerden gebe es etwa auf den Gefällstrecken von den Höhenorten hinunter ins Albtal, zwischen Spielberg und Ittersbach, Richtung Mutschelbach und Auerbach und Richtung Keltern.

Auch in den Ortschaften werde mitunter nachts lautstark Gas gegeben. „Die Hersteller müssten mehr in die Pflicht genommen werden“, so Timm.

Und das sage er, obwohl er leidenschaftlicher Motorradfahrer sei – er besitzt eine 400er Suzuki, sei aber ein gesitteter Fahrer. Schon in der Jugend fuhr er Moped. Teils werde man heute durch Motorradfahrer einfach an der Nase herumgeführt.

Kommunen wollen mehr Hilfe vom Land

„Es gibt ja Klappen, die mit einem Fingerdruck geöffnet und geschlossen werden können.“ Kontrolliert die Polizei, werde die Klappe an der Auspuffanlage rasch geschlossen. Der Nachweis, ob sie zuvor auf war, ist schwer oder nicht zu führen.

Hier erhoffe man sich von den Kommunen ebenfalls, dass mit Unterstützung des Landes mehr Druck auf die Hersteller ausgeübt werden kann. „Vielen Motorradfahrer gefällt der Sound, diese Hochfrequenz gibt wohl manchen Fahrern einen Kick“ – er könne das nicht nachvollziehen.

Aus Sicht von Bürgermeister Timm ist eine klare Halterhaftung für Motorradfahrer einzuführen. Wer ist gefahren? Diese Frage stelle sich naturgemäß beim Fahren mit Helm oft zwangsläufig, wenn ein Kradfahrer geblitzt wurde. Verspiegelte Helmvisiere seien ja überdies auch nicht verboten.

Timm will Nummernschilder vorne an Motorrädern

Timm ist zudem für Nummernschilder zusätzlich vorn an Motorrädern, wenngleich inzwischen Anlagen zur Tempokontrolle die Rückseite des Fahrzeugs ablichten können. „Ich habe nichts gegen Spaß“, aber die von Motorradlärm betroffenen Bürger hätten Leidensdruck. „Die Bevölkerung ist sensibel, da sie allgemein in Sachen Lärm oftmals sowieso schon eine Überlastung wahrnehme.“

Bis Frühjahr 2020 soll mit Unterstützung des Verkehrsministeriums ein Forderungskatalog ausgearbeitet sein.

Ansatzpunkte sind: Leisere Motorräder durch Hersteller, Überarbeitung der Genehmigungs- und Zufallsregelungen, härtere Strafe für Manipulationen, neue Messverfahren und Zulassungen, Geräuschmessungen, Definition von Geräuschgrenzwerten, Frontkennzeichen, allgemeine Halterhaftung.