In diesem Gebäude im Gewerbegebiet Ittersbach wurde die Corona-Quarantänestation für Menschen aus Flüchtlingsunterkünften eingerichtet.
In diesem Gebäude im Gewerbegebiet Ittersbach wurde die Corona-Quarantänestation für Menschen aus Flüchtlingsunterkünften eingerichtet. | Foto: Weber

Coronavirus und Flüchtlinge

Karlsbader Rathauschef zu Quarantäne-Station in Ittersbach: „Überrascht war ich schon“

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Die neue Quarantäne-Station im Gewerbegebiet in Karlsbad-Ittersbach soll helfen, die Corona-Ansteckungsgefahr in den Flüchtlingsunterkünften des Landkreises zu senken. Der Bürgermeister und Mitglieder des Gemeinderats befürworten die Nutzung. Informiert wurden sie darüber allerdings erst relativ spät.

Ende April musste alles ganz schnell gehen. In einer Eilentscheidung hatte der Verwaltungsausschuss des Kreistages beschlossen, die Flüchtlingsunterbringung am Schröcker Tor in Eggenstein-Leopoldshafen an das Land als Außenstelle der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) zu verkaufen.

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Mit Blick auf die Corona-Pandemie sollen Gemeinschaftsunterkünfte entzerrt und damit die Ansteckungsgefahr verringert werden.

Flüchtlinge mussten in Corona-Krise aus Eggenstein-Leopoldshafen verlegt werden

Mehr als 100 Flüchtlinge mussten innerhalb weniger Tage in andere Unterkünfte im Landkreis verlegt werden. Zuvor wurden sie auf eine Corona-Infektion getestet. So kam es, erklärt der Stellvertreter des Landrats, Knut Bühler, dass die ersten drei Personen aus in die kurzfristig eingerichtete Isolierstation im ehemaligen Hotel Maxx in Ittersbach kamen.

Unterkunftsleiterin Gabriele Germer (rechts) und der Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes stehen am Eingang zur Quarantäne-Station.
Unterkunftsleiterin Gabriele Germer (rechts) und der Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes stehen am Eingang zur Quarantäne-Station. | Foto: Weber

Eigentümer hatte Landkreis die vorübergehende Nutzung angeboten

Die Asylbewerber sollten verlegt werden, das Corona-Testergebnis stand aber noch aus. In Ittersbach konnten sie sich in freiwillige Isolation begeben, während sie auf das Resultat warteten. Bereits Anfang April hatte der Eigentümer des seit Mitte 2018 leer stehenden Gebäudes dem Landkreis die vorübergehende Nutzung als Flüchtlingsunterkunft angeboten – kostenlos. Von 2014 bis 2018 waren dort schon einmal Flüchtlinge untergebracht.

Landratsamt informierte Karlsbader Bürgermeister Timm

Karlsbads Bürgermeister Jens Timm und die Gemeinderäte erfuhren von dem Vorhaben erst später. „Überrascht war ich schon“, sagt Timm. Ende April sei das Thema aufgekommen – da waren die Tatsachen eigentlich schon geschaffen. Das Landratsamt informierte Timm über die mit dem Gebäudeeigentümer, der Karlsbader „Braun Gruppe“, besprochene Wiederaufnahme der Nutzung als Flüchtlingsunterbringung.

Man muss sich gegenseitig
helfen im Landkreis.

Jens Timm, Bürgermeister in Karlsbad

„Ich habe gesagt, dass wir, wenn das in Frage kommt, lieber eine Quarantäne-Station haben, wo die Leute nicht raus und rein können, wie sie wollen“, so Timm. Angesichts der Corona-Situation sei die Bereitstellung des Gebäudes die richtige Entscheidung: „Da muss man sich gegenseitig helfen im Landkreis.“

Wir gehen davon aus, dass das Landratsamt hier ein zuverlässiger Partner ist.

Reinhard Haas, Fraktionssprecher der Karlsbader SPD

Die Gemeinderäte, die Timm in nicht-öffentlicher Sitzung über die Nutzung informierte, nachdem die Quarantäne-Station schon in Betrieb war, zeigen angesichts der Corona-Lage Verständnis dafür, dass sie nicht früher einbezogen wurden. Der Sprecher der Freien Wähler, Jürgen Herrmann, verweist darauf, dass das Gebäude ohnehin schon mal als Flüchtlingsunterbringung genutzt wurde.

Was soll der Kreis denn machen?

Uwe Rohrer, Fraktionssprecher Grüne Karlsbad

„Wir haben nichts dagegen“, sagt er. „Wir gehen davon aus, dass das Landratsamt hier ein zuverlässiger Partner ist“, erklärt Reinhard Haas (SPD) und Uwe Rohrer (Grüne) meint: „Die Liegenschaft bietet sich nun mal an, lässt sich gut überwachen. Was soll der Kreis denn machen?“

Zehn Flüchtlinge sind aktuell in Ittersbach

Aktuell sind in Ittersbach laut Landratsamt zehn Flüchtlinge untergebracht, die mit Corona infiziert sind, Kontakt zu Infizierten hatten oder sich im Zuge der Verlegungsaktion von Eggenstein-Leopoldshafen in freiwilliger Isolation befinden. Die Menschen kommen aus Unterkünften zum Beispiel aus Karlsdorf-Neuthard, wo im April mehrere Corona-Fälle aufgetreten waren.

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Wie lange die Einrichtung bestehen bleibt, ist noch unklar, der Hausbesitzer rechnet mit wenigen Monaten. Er sucht im übrigen einen Käufer für das Objekt. Bislang wurden in den Unterkünften des Kreises laut Knut Bühler 19 Personen positiv auf Corona getestet, in der LEA waren es drei. Weniger als fünf Fälle seien akut.

700 in vorläufiger Unterbringung, 500 in Anschlussunterbringung

Insgesamt lebten derzeit in den Unterkünften des Landkreises 1.200 Geflüchtete. Rund 700 davon seien vom Landratsamt vorläufig untergebracht. Rund 500 befänden sich bereits in der Anschlussunterbringung der Städte und Gemeinden, seien aber in einem sogenannten Kombimodell des Landkreises untergebracht. Das Kombimodell sieht eine Gebäudenutzung sowohl als Gemeinschaftsunterkunft als auch als Anschlussunterbringung vor.