Selbst ist der Filmemacher: Sven Eric Maier möchte sein Serien-Projekt um die Entwicklung einer Bauerstochter zur bösen Hexe aus dem Schwarzwald mit eigenen Mitteln und mithilfe von Crowdfunding realisieren.
Selbst ist der Filmemacher: Sven Eric Maier möchte sein Serien-Projekt um die Entwicklung einer Bauerstochter zur bösen Hexe aus dem Schwarzwald mit eigenen Mitteln und mithilfe von Crowdfunding realisieren. | Foto: Jörg Donecker

„Die Dinge in die Hand nehmen“

Karlsruher Filmemacher plant Serienprojekt „Black Forest Witch“

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Irgendwo in Baden-Württemberg, zwischen Rottweil, der ältesten Stadt des Landes, und den Stammesdörfern der Germanen, irgendwann in der Spätantike, treibt eine Hexe ihr Unwesen. Was sind ihre Beweggründe, gegen wen richtet sich ihr Zorn und vor allem: Wie wurde die einst unschuldige Bauerstochter zur bösartigen Zauberin? Diese Geschichte will der Karlsruher Filmemacher Sven Eric Maier mit „Black Forest Witch“ erzählen.

Sein Projekt steht noch am Anfang, doch der 32-Jährige glaubt an seine Idee. „Ich trage sie schon seit ein paar Jahren mit mir herum“, erklärt er in seinem Lieblingscafé, dem „Himmlisch Gut“ in der Karlstraße. Eher teuflisch war die Inspiration: Als Mitglied des Filmboards Karlsruhe wirkte Maier 2014 am Kurzfilm „Hunt and Prey“ („Jäger und Gejagte“) mit, einem Vampirthriller mit Marie Nasemann („Germany’s Next Topmodel“) und Gregory B. Waldis („Rote Rosen“, „Sturm der Liebe“).

Die Geschichte wurde damals unter anderem im Knielinger Museum im Hofgut Maxau und in den Rheinauen gedreht. „Ich habe mich gefragt, wo eigentlich große nationale Mythen herkommen, und kam zu dem Schluss, dass auch meine Hexengeschichte in der Zeit der Völkerwanderung spielen muss“, so Maier.

Irgendwann zwischen 365 und 500 nach Christus also, in der Übergangszeit von Spätantike ins Frühmittelalter, wo auch König Artus’ Tafelrunde und die Nibelungensaga verortet sind. Eine Zeit, in der das Christentum allmählich das Germanentum ablöst, verschiedene Glaubensrichtungen nebeneinander existieren – warum also nicht auch das Hexentum?

Inspiration liefern TV-Serien wie „Buffy“

Sven Eric Maier ist in der regionalen Filmbranche schon seit dem Medienstudium an der Hochschule Offenburg verwurzelt, hat unter anderem sein englischsprachiges Liebesdrama „The Long Walk“ beim Short Film Corner des Filmfestivals in Cannes vorgestellt. Die Finanzierung gerade von Nischenfilmen werde aber immer schwieriger. „Der Mittelstand ist irgendwie weggebrochen“, sagt er, zwischen absoluten Low-Budget-Filmen und den ganz großen Kassenschlagern wie „Star Wars“ gebe es eigentlich kaum etwas.

Man muss die Dinge selbst in die Hand nehmen

„Ich habe in den letzten Jahren einige Drehbücher bei verschiedenen Produktionsfirmen eingereicht, aber meistens hieß es entweder ,zu teuer, weil zu viele Actionszenen‘, oder die Zielgruppe war der Firma zu eng.“ Maiers Erkenntnis: „Man muss die Dinge selbst in die Hand nehmen, denn von alleine tut sich nichts.“

Der aus Ettlingen stammende Drehbuchautor hat unter dem Label Ergocinema einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem er Erklärvideos zum Thema Drehbuchschreiben zeigt, auch ein Buch ist dazu von ihm erschienen. „Damit habe ich angefangen, weil ich mit der Gesamtsituation unzufrieden war“, meint er. „Ich kam mit meinem eigenen Schaffen nicht weiter, und trotzdem wurden die Filme, die es in die Kinos schafften, nicht besser.“

 

Sein Projekt „Black Forest Witch“ will der 32-Jährige nun ohne Produktionsfirma voranbringen. Das Fantasy-Genre habe ihm schon immer Spaß gemacht, erzählt Sven Eric Maier, und schlürft zwischendurch an seinem „Zaubertrank“ – so heißen die selbst gemachten Limonaden in seinem Lieblingscafé. „Als Jugendlicher war ,Buffy – im Bann der Dämonen‘ für mich der Knaller“, sagt er.

Und wie die Geschichte der Vampirjägerin Buffy soll auch die Entwicklung seiner Schwarzwaldhexe als Serie erzählt werden. „Wir leben in einem Serien-Zeitalter“, sagt Maier – der Erfolg von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome gibt ihm recht. Zunächst will er genug Geld sammeln, um einen 15-Minüter zu produzieren. Nächster Schritt ist ein Crowdfunding für den Dreh eines 45-minütigen Pilotfilms, dann die Serie.

„Black Forest Witch“ soll ein geschlossenes Ende haben

Die Entwicklung vom unschuldigen Mädchen zur bösen Hexe soll aber keine Endlos-Erzählung à la „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ werden, sondern ein geschlossenes Ende haben. „Das ist eben die Kunst: Jede Folge so zu gestalten, dass man zwar weiterschauen will, aber dann irgendwann zu einem guten, richtigen Ende zu kommen.“ Er möge Serien mit offenem Ende nicht.

„Bei ,House of Cards‘ bin ich nach der zweiten Staffel ausgestiegen.“ Dann nämlich hat die Hauptfigur ihr Ziel erreicht: Frank Underwood ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. „Da war für mich die Geschichte auserzählt“, sagt Sven Eric Maier. „Aber wer weiß, vielleicht geht es mir auch mal so, dass am Ende jemand zu mir kommt und mir Geld für eine weitere Staffel gibt. Vielleicht macht man dann eben doch weiter.“

Noch nicht auserzählt ist jedenfalls die Geschichte der vom Entstehen einer Fantasyserie „made in Karlsruhe“ – vielleicht gibt es ja ein Happy End.

Der Verein Filmboard Karlsruhe besteht seit 2007 und hat sich zum Ziel gesetzt, Filmschaffende in der Region Karlsruhe zu vernetzen. Er fungiert für die Film- und Fernsehbranche als Kompetenzpartner für Produktionsfragen und die Nachwuchsförderung in Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung.
Durch Veranstaltungen wie Diskussionsforen, Workshops und Pitchings (Vorstellungen von Filmprojekten vor potenziellen Partnern) sollen verschiedene Akteure für Projekte zusammenfinden. Die wohl bekannteste Veranstaltung des Filmboards ist das jährlich stattfindende Filmfestival „Independent Days“.
Das Filmboard zählt heute rund 50 Mitglieder und ist Träger der Film- und Medienakademie Karlsruhe. Der Verein pflegt außerdem Kontakte mit der baden-württembergischen und deutschlandweiten Film- und Fernsehbranche, etwa in Form von Kooperationen mit der Filmkommission Baden-Baden/Karlsruhe, dem Landesmedienzentrum Karlsruhe oder der 2006 gegründeten Initiative Projekt Gewaltprävention.